Lena Hecht, 25
Richard Teicher, 58
Johann Peschke, 69
Rosenheim – Die Stadt Rosenheim ist in das Programm „Die Vielfaltsgestalter“ der Robert Bosch Stiftung aufgenommen worden (wir berichteten). Zur offiziellen Gründungsveranstaltung im Bürgerhaus Happing kamen rund 80 Vertreter von Vereinen, Organisationen und Firmen. In Workshops machten sie sich Gedanken, mit welchen Aktionen und Projekten das Miteinander in der Stadt weiter angekurbelt werden kann.
Gedankenaustausch und Impulsvortrag
Angestoßen auf das neue Bündnis wurde mit Sekt. Doch zuvor standen Gedankenaustausch und ein Impulsvortrag von Nedzad Mocevic auf dem Programm. Mocevic ist Forscher an der Fachhochschule Salzburg und selbstständiger Trainer und Berater im Bereich Interkulturalität. „Vielfalt ist längst Realität“ steht für ihn fest. Die Integration funktioniere heute so gut wie nie zuvor, auch wenn das viele Menschen anders sehen würden: „Das ist ein Paradoxon – je integrierter sich Menschen fühlen, desto höher sind ihre Erwartungen“.
Grundsätzlich müsse man sich von der romantisch-naiven Vorstellung verabschieden, Integration bedeute, sich ständig zu umarmen. Auch Streit gehöre dazu. „Wir streiten nur mit Menschen, die uns was bedeuten. Darum wird innerhalb der Familie am meisten gestritten. Menschen, die uns nichts bedeuten, gehen wir aus dem Weg“, meint der Sozialwissenschaftler. Deshalb brauche es statt einer Leitkultur eine Streitkultur.
Voraussetzung für die Teilnahme an dem bundesweiten Förderprogramm der Robert Bosch Stiftung war, dass sich mindestens drei Akteure zusammenschließen. In Rosenheim sind das Soziale Stadt, Bürgerstiftung und Startklar Soziale Arbeit Oberbayern GmbH. Die Schirmherrschaft für das Projekt hat Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer übernommen. Ihrer Ansicht nach tut sich in der Stadt in Sachen „Integration“ schon sehr viel, „selbstverständlich gibt es auch immer noch etwas, was man besser machen kann.“ Was das sein könnte, darum ging es in den Workshops. Projektkoordinator Christian Hlatky stellte dabei klar, dass es bei dem Bündnis nicht nur um Menschen mit Migrationshintergrund gehe. „Wir denken auch an den demografischen Wandel, Menschen mit Behinderung und Menschen mit unterschiedlicher sexueller Orientierung“, erklärte er. Statt die Unterschiede zu sehen, suche man mit dem Bündnis nach Gemeinsamkeiten.
Das Ergebnis der Workshops: Vieles funktioniere in der Stadt schon sehr gut. Wünschenswert sei eine Vernetzung und mehr Angebote, die alle Menschen gleichermaßen ansprechen. Christian Hlatky denkt da beispielsweise an Kochkurse, an denen auch Rollstuhlfahrer, Senioren und Menschen mit Migrationshintergrund problemlos teilnehmen können.
Förderung
mit 50000 Euro
Die Robert Bosch Stiftung fördert das Rosenheimer Projekt „Heimat heute – Ja zur Vielfalt!“ mit 50000 Euro. Die Mittel werden für den nachhaltigen Aufbau eines wachsenden Vielfalts-Netzwerks, externe Unterstützung durch Experten und öffentlichkeitswirksame Aktivitäten verwendet. In Planung sind bereits ein Fest der Vielfalt und ein musikalisches Festival.