von Redaktion

Ovb-Serie In alten Zeitungsbänden geblättert – Vor 25 Jahren: Bau des Vereinsheims

Neue Sportanlage für den Sportbund

Rosenheim – Ein Blick zurück in die Vergangenheit sagt viel über die Entwicklung einer Stadt und die Sichtweise früherer Generationen. Vieles wiederholt sich auch in verblüffender Weise. Wir haben deshalb in alten Zeitungsbänden geblättert und präsentieren in unregelmäßigen Abständen die interessantesten Dinge aus bestimmten Jahren. Heute geht es um die Zeit vom 8. bis 21. April.

Im April vor 100 Jahren ging es rund in Rosenheim. Bei einer Versammlung auf der Loretowiese wurde die Räterepublik ausgerufen. 30 Geiseln wurden genommen, von denen die Revolutionäre offenbar annahmen, sie würden sich gegen die neue Ordnung wenden. Wie stark sie damit in die lokale Wirtschaft eingriffen, wurde ihnen wohl erst bewusst, als Berufsgenossenschaften und auch Belegschaften, etwa die der Flötzingerbrauerei, die Entlassung ihrer Chefs forderten, weil der Betrieb sonst nicht hätte weitergehen können. Tatsächlich kamen einige frei. In einer Sitzung des Volks- und Soldatenrates kam die Besetzung und Übernahme der Banken zur Sprache. Ein Bankbeamter schilderte die Schwierigkeiten, in die kleine Geschäftsleute und Beamte dadurch gelangen würden, wenn die Abhebung von Bargeld gesperrt werden sollte. Revolutionsrat Kopp trat dabei der Auffassung entgegen, es solle jeglicher Verkehr mit der Bank gesperrt werden. Man wolle nur die Verschiebung der großen Vermögen, hauptsächlich der Kriegsgewinne, in neutrale Länder verhindern.

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In einer, wie sich später herausstellte, gefälschten Depesche, hieß es, in München sei die Räterepublik gestürzt worden. Das führte in Rosenheim zu einem Aufstand der Revolutionsgegner, der jedoch durch eine sehr große Abteilung des Münchener Leibregiments nach mehrstündigem Kampf niedergeschlagen wurde. Auf beiden Seiten wurde Blut vergossen. Es folgte eine Verordnung des Revolutionären Arbeiter- und Soldatenrates Rosenheim: „Binnen drei Stunden sind sämtliche Waffen ohne Ausnahme im Angerbräu abzuliefern. Nur Genossen mit Ausweisen dürfen Waffen behalten. Wo nach drei Stunden noch Waffen gefunden werden, werden die Besitzer derselben standrechtlich erschossen. Heinritzi Söhne und Senft junior werden ab sofort als vogelfrei erklärt und müssen lebend oder tot in Rosenheim abgeliefert werden.“

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Der Revolutionäre Arbeiter- und Soldatenrat informierte die Bürger auf seine Weise: „An alle Proletarier Rosenheims und Umgebung. Das Recht der Proletarier ist wieder gesichert. Die Rosenheimer Bürgerssöhnchen und dumme ängstliche Geschäftsleute haben sich zu dem gemeinen Putsch hinreißen lassen. Die Revolution vom 7. April mit der Räteregierung bleibt aufrecht erhalten … An die gesamte Landbevölkerung. Die bürgerlichen Kreise Rosenheims haben eine momentane Erregung zwischen ihnen und den Linkssozialisten dazu genützt, Euch aufzupeitschen und irre zu leiten. Bauern, kommt Eurer Lieferpflicht genauestens nach und es wird Euch auch nicht ein Haar gekrümmt werden. Die Haupthetzer der bürgerlichen Klasse haben es vorgezogen, von hier momentan zu verschwinden und haben Euch im Stiche gelassen.“ Später: „Die Verhängung der Vogelfreiheit wurde nunmehr auch für Senft jr. und die beiden Heinritzi aufgehoben.“

„Oberbürgermeister Dr. Steinbeißer erhielt mit seiner Post vom Ostersonntag eine für Rosenheim außerordentlich erfreuliche Nachricht. Das bayerische Kultusministerium teilte mit, daß die vom Stadtrat beantragte Verstaatlichung des Karolinen-Gymnasiums vom Haushaltsausschuß des bayerischen Landtags genehmigt worden ist. Mit den Einsparungen (jährlich etwa 300000 Mark) kann der Neu-und Anbau am Loretohaus finanziert werden.“

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„Mit dem Bau einer Bergbahn auf den Hochriesgipfel soll es noch in diesem Jahr ernst werden. Schon bald will die Hochries-Bergbahn GmbH den ersten Spatenstich für die Errichtung eines Sessellifts zum sogenannten Ebenholz machen. Die Einweihung des Liftes soll noch in diesem Jahr im Herbst erfolgen. Bis Mitte 1970 ist die Fertigstellung der zweiten Etappe, einer Kabinenbahn vom Ebenholz zum Hochriesgipfel, vorgesehen. In der Stunde kann die mit 108 Sesseln ausgestattete Bahn 400 Personen befördern. Die Kapazität soll später – wenn Bedarf besteht – sogar auf 600 Menschen hinaufgeschraubt werden.“

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„Die Versammlung der Imker des Landkreises Rosenheim wies eine recht stattliche Besucherzahl auf. Ein großes Problem sind laut Hans Freudenstein, Vorsitzender des Landesverbandes Bayern der Imker, die Nachwuchssorgen. Jahr für Jahr gehe die Zahl der Imker zurück. Vor allem sei es sehr schwer, heute noch junge Leute für die Bienenzucht zu begeistern. In einigen Jahren kann deshalb in Bayern die gleiche Sorge auftreten, wie beispielsweise in Nordrhein Westfalen, daß nämlich die Obstbäume nicht mehr ausreichend bestäubt werden können, weil die Bienen fehlen.“

„Gute Fortschritte macht die neue Sportanlage des Sportbundes Rosenheim in der Pürstlingstraße. Zur Zeit entstehen dort das Vereinsheim und die Umkleidekabinen. Die Sportplätze werden schon seit einiger Zeit betrieben. Doch bis jetzt müssen die Sportler zum Umziehen und Duschen zurück zur alten Sportanlage fahren.“

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„Das Straßenbauamt hat mit der Planung der Westumfahrung Rosenheims begonnen. Sie soll nördlich von Pfaffenhofen beginnen und westlich des Inntaldreiecks in die Autobahn München-Salzburg münden. Eine ,Interessengemeinschaft gegen die Westumgehung“ hat sich bereits gebildet.“re

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