Deutsche Bahn will Übergang sperren – Stadt protestiert

von Redaktion

An der Aiblinger Straße in Kolbermoor soll eine neue Schranke errichtet werden: Sorge vor Verkehrschaos

Kolbermoor – Dem Kolbermoorer Norden droht ein Verkehrschaos: Fünf Wochen lang will die Deutsche Bahn ab Anfang Mai den Bahnübergang Aiblinger Straße sperren – um dort eine neue Schrankenanlage einzubauen. Die Stadt wehrt sich nun dagegen. Sie fordert: Sperrung erst zur Ferienzeit.

Der Bahnübergang Aiblinger Straße soll eine neue Schrankenanlage bekommen, eine Vollbeschrankung nach dem neuesten Stand der Technik. Die Modernisierung steht in Zusammenhang mit dem geplanten Bahnhaltepunkt Aicherpark in Rosenheim, der derzeit gebaut wird. Damit die Züge Takt und Fahrzeit trotz des Zusatzhalts einhalten können, wird die moderne Schrankenanlage am Kolbermoorer Übergang notwendig.

Dagegen hat auch die Stadt Kolbermoor nichts. Ganz im Gegenteil. Doch mit dem Blick auf den von der Deutschen Bahn vorgelegten Zeitplan sträuben sich den Mitarbeitern im Rathaus die Haare, allen vo-ran Bürgermeister Peter Kloo (SPD): Von 6. Mai an soll der Bahnübergang für insgesamt fünf Wochen gesperrt werden – bis 8. Juni sind die Bauarbeiten angesetzt. Noch dazu: Vollsperre. Kein einziges Auto könnte in dieser Zeit den Bahnübergang passieren. Und das sind nicht gerade wenig: Knapp 10000 Fahrzeuge sind pro Tag auf der Aiblinger Straße unterwegs. Das hat eine aktuell durchgeführte Verkehrszählung ergeben.

Doch wohin mit dem Verkehr bei Vollsperrung des Bahnübergangs? Der müsste sich über den Glasberg und dann durch die beengte Tonwerksunterführung zwängen. Oder weiter über die Bergstraße bis zur Flurstraße schlängeln – beides ein „No go“ zu Hauptverkehrszeiten für die Stadt.

Im Rathaus steigt man deshalb auf die Barrikaden. Per Schreiben, untermauert durch die aktuellen Verkehrszahlen, wehrt sich die Stadt gegen die geplante Sperrung. Adressat ist das Landratsamt Rosenheim, das als Verkehrsbehörde, und da es sich bei der Aiblinger Straße um eine Kreisstraße handelt, das letzte Wort hat.

Protest gegen die Pläne der Deutschen Bahn kommt auch von den Busunternehmen, die von der Sperre ebenfalls massiv betroffen wären. Ebenso: der Stadtbus. Auch er ist auf seiner Nordroute auf den Bahnübergang angewiesen – und könnte im Falle einer Sperrung nicht einmal auf die Tonwerksunterführung ausweichen. „Die Busse, die wir nutzen, sind zu hoch“, sagt Elisabeth Kalenberg, Geschäftsleiterin im Rathaus. Die Folge: Der Stadtbus müsste die ganze Strecke zurück über die Flurstraße nehmen – und mit ihm auch die Schüler, die morgens und mittags zur Mangfallschule gebracht und von dort abgeholt werden. „Die Umfahrung würde sich massiv auf den Busfahrplan auswirken“, sagt Kalenberg. Insbesondere für den Schulbusverkehr wäre das hochproblematisch.

Mögliche Option für die Schüler: Aussteigen an der Tonwerksunterführung und die restlichen Meter zu Fuß zur Mangfallschule gehen – doch das kommt für Elisabeth Kalenberg unter keinen Umständen in Frage. „Das wäre viel zu gefährlich bei dem Verkehrsaufkommen durch die Tonwerksunterführung.“ Sie sorgt sich allein schon um die Schüler, die zu Fuß oder mit dem Rad die Unterführung passieren müssten. Und wie ihr wird es auch vielen Eltern ergehen. Wie auch immer man es drehe und wende, Kalenberg ist überzeugt: den gesamten Verkehr über die Tonwerksunterführung und die kleine Bergstraße umzuleiten, wäre kaum zumutbar. Das Verkehrschaos vorprogrammiert.

Bürgermeister fordert:

Sperre zur Ferienzeit

Deshalb die Forderung der Stadt: eine Vollsperrung außerhalb der Hauptverkehrszeit – und damit in den Sommerferien. „Dann ist es allgemein ruhiger, weil viele im Urlaub sind, und auch die Schüler wären von der Umfahrung nicht betroffen“, begründet Kalenberg den Vorschlag der Stadt.

Doch jetzt heißt es abwarten. Das Landratsamt will eine Entscheidung fällen. Die Anhörungsfrist ist seit gestern abgelaufen. Nun muss sich zeigen, ob es bereits ab Mai über Wochen ein Verkehrschaos im Kolbermoorer Norden geben wird – oder eine möglicherweise entspanntere Situation in den Sommerferien.

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