Rosenheim – Im September soll der Lokschuppen in Rosenheim wieder eröffnen. Bis dahin muss auch die Bewirtung im Ausstellungszentrum ins Laufen gebracht sein. Ein Gastronom ist zwar gefunden. Doch sein Konzept und die finanziellen Absprachen mit der Stadt kommen nicht bei allen Stadträten gut an.
Der Lokschuppen ist eines der Leuchtturm-Projekte der Stadt Rosenheim. Sein kulturelles Renommee strahlt weit, zieht Besucher aus ganz Deutschland an. Dass für ein solches Prestige-Projekt mit zehn Millionen Euro viel Geld für die Umgestaltung in die Hand genommen werden muss, stellt niemand wirklich infrage. Dass nun aber zusätzlich rund 650000 Euro anfallen, das stößt bei einigen Stadträten auf Kritik. Was insbesondere am Verwendungszweck liegt: Das Geld soll ausgegeben werden für den Einbau einer Küche und für Bauarbeiten, die notwendig werden, um eine räumliche Verbindung zu schaffen zwischen dem Foyer und dem Gastronomie-Bereich des Lokschuppens.
Beides wiederum, Küche und Umbauten, sind Voraussetzung, um den öffentlich nicht bekannten Gastronom ins Haus zu holen. Er selbst verpflichtet sich im Gegenzug, für etwa 275000 Euro Möbel anzuschaffen für den Gastraum und den Außenbereich, der ebenfalls gastronomisch genutzt werden soll. Außerdem wird er Geschirr und Kleinküchengeräte kaufen – so die Absprache. Der Gastronomie-Betreiber plant mit einem jährlichen Umsatz von 500000 Euro und einer Umsatzpacht von 10000 Euro. Heißt: Wenn er jährlich 50000 Euro Pacht bezahlt, hat die Stadt ihre Ausgabe in 13 Jahren wieder hereingeholt. Allerdings bedeutet das auch: Im Schnitt muss der Pächter am Tag zwischen 1800 Euro und 1900 Euro einnehmen. Gar nicht so einfach – zumal der Lokschuppen bisher zwei Monate im Jahr keine Ausstellungen zeigt, in der Folge die Gastronomie ohne die Besucher der Schauen auskommen müsste. Offen ist derzeit zudem die Gestaltung der Freiflächen, die dem Gastro-Bereich zugeschlagen werden sollen..
Eine Ausgangslage mit finanziellem Risiko, wie auch Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (CSU) eingesteht. Nichtsdestotrotz macht sie sich für das Konzept stark, betont, wie „wichtig“ ein gastronomisches Angebot im Lokschuppen sei. Immerhin gehöre er zu den zehn größten Ausstellungsräumen in Deutschland, da könne man sich „nicht mit einem Kiosk zufriedengeben“. Sie verweist zudem auf die Möglichkeit, Essen und Getränke auch während der Zeit anzubieten, in der der Ausstellungsbetrieb ruht. In Summe hoffe sie, dass es dem Betreiber gelingt, „die Gastronomie mit einem besonderen Flair zum Leben zu erwecken“.
Genau daran zweifelt mancher Stadtrat: Bisher habe sich kaum ein Wirt halten können, sagt etwa Franz Opperer (Grüne) im Haupt- und Finanzausschuss. Der nun gefundene Betreiber sei zwar in Rosenheim bekannt: „Aber er hat sich nicht wirklich erfolgreich hervorgetan.“ Sein Parteikollege Peter Weigel blickt mit Sorge auf den Außenbereich, fürchtet, der könnte zu einer „Abfüllstation“ verkommen.
Moniert wird auch, dass der Gastronom angekündigt hat, mit Convinience-Produkten zu arbeiten, also mit weitgehend vorbereiteten Lebensmitteln. Für solch ein Angebot eine hochwertig eingerichtete Küche bereit zustellen, leuchtet einigen Stadträten nicht ein. Etwa Dr. Beate Burkl (Freie Wähler/UP Rosenheim), die die Investition für die Küche für zu hoch hält, „dafür ,dass nicht gekocht wird“. Vor einem „risikoreichen Geschäft“ warnt Herbert Borrmann, der Fraktionsvorsitzende der CSU.
Doch es gibt auch positive Stimmen: So schließt sich Robert Multrus, der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler/UP Rosenheim, der Meinung von Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer an: Auch er hält ein gastronomisches Angebot im Lokschuppen für unerlässlich und lobt die Idee, den Gastro-Bereich zur Ausstellung hin zu öffnen. Gabi Leicht (SPD) sagt, die Stadt dürfe sich jetzt nicht mit kleinen Lösungen zufrieden geben, müsse „in den sauren Apfel beißen und Geld für etwas Schönes ausgeben“. Christine Degenhart (Freie Wähler/UP Rosenheim) mahnt an, Speisen und Getränke ganzjährig anzubieten – und das auch vertraglich festzuschreiben. „Kontinuität führt zu Qualität“, sagt sie.
Hatten sich die Stadträte im Ausschuss einstimmig für das Konzept ausgesprochen, fiel die Entscheidung im Stadtrat anders aus: 31 Stadträte votierten dafür, zehn dagegen.