Leben im Doppelpack

von Redaktion

Wie eng sich ein- und zweieiige Zwillinge einander verbunden fühlen


Rosenheim
– Das Ei hat in der Symbolik viele Bedeutungen. Einige von ihnen spielen eine wichtige Rolle für das christliche Osterfest. So erinnert es auch an die Auferstehung Jesu und gilt als wichtiges Symbol für das Leben. Wo zwei Menschen aus einer einzigen befruchteten Eizelle entstehen, entwickelt sich zwischen ihnen häufig eine besondere Verbindung. Und was für eineiigen Zwillinge gilt, findet sich häufig auch bei zweieiigen. Wie eng ihre Bindung zueinander ist und was sie selbst mit Ostern verbinden, erzählen drei Zwillingspaare aus Rosenheim.

Magdalena und Johanna Bauer (20), zweieiige Zwillinge. Johanna ist drei Minuten älter:

„Wir haben auf jeden Fall einen besonderen Draht zueinander. Manchmal haben wir die gleichen Schmerzen. Zu unserer älteren Schwester spüren wir diese Verbindung nicht. Wenn zum Beispiel eine von uns beiden Kopfweh hat, bekommt die andere es auch. Aber es ist nicht so, dass es die eine merkt, wenn die andere Schmerz hat. Hauptsächlich haben wir eine enge Verbindung, wenn es um die Gesundheit geht.

Angst vor der

falschen Anrede

Als wir sehr klein waren, wurden wir oft vertauscht. Verständlich, wenn wir uns jetzt alte Fotos anschauen, können wir uns selbst kaum auseinanderhalten. Nach und nach haben wir uns aber optisch verändert. Trotzdem passiert es oft, dass Leute uns mit dem falschen Namen anreden. Wir arbeiten in derselben Catering-Firma, und erst kürzlich hat uns jemand gesagt, dass er dachte, dass wir ein und dieselbe Person sind. Nervig finden wir das eigentlich nicht. Es passiert ja nicht ständig und es gibt genug Menschen, die uns auseinanderhalten können.

Wir streiten uns relativ oft, meist aber nur wegen Kleinigkeiten. Hanna ist die Ordentlichere von uns beiden. Wir wohnen zusammen, da ist der Haushalt eben immer wieder ein Streitthema.

Auch sonst unternehmen wir viel zusammen. Früher sind wir auch immer gemeinsam in Urlaub gefahren, aber seitdem wir beide in Beziehungen sind, ist das weniger geworden. Es wäre schon ungewohnt, wenn wir uns nicht mehr täglich sehen würden, aber es würde unsere Entscheidung wohl nicht beeinflussen, irgendwo anders hinzuziehen.

Ostern hat für unsere Familie keine wirkliche Bedeutung. Tradition ist ein gemeinsamer Osterbrunch. Gefeiert wird nicht. Als wir klein waren, war Ostern ein Höhepunkt für uns wegen des Ostereiersuchens. Heute ist Ostern für uns der Beginn der warmen Jahreszeit. Darauf freuen wir uns.“

Tom und Sascha Kunzelmann (5), eineiige Zwillinge. Tom ist eine Minute älter als Sascha, dafür Sascha ein paar Zentimeter größer. Mutter Nasrin (38) hilft beim Interview.

„Wir mögen Ostern wegen der Ostereier. Normalerweise feiern wir immer mit Oma und Opa, aber in diesem Jahr fahren wir nach Italien. Ostern ist wichtig, weil Jesus da auferstanden ist. Und wir feiern immer alle Feste zusammen, auch wenn es an manchen Tagen wirklich blöd ist, ein Zwilling zu sein. An anderen Tagen ist es dafür richtig cool. Wir werden oft verwechselt. Im Kindergarten können uns nur drei Freunde und eine Erzieherin auseinanderhalten. Uns ist es egal, dass wir so oft verwechselt werden. Eine Zeit lang hat es Tom gestört. Wir haben dann überlegt, die Frisuren zu ändern, der eine kurz, der andere lang. Aber die Idee hat uns nicht gefallen. Im Kindergarten versuchen wir, unterschiedliche Sachen anzuziehen, aber selbst dann können uns die Leute nicht auseinanderhalten. Also ziehen wir uns jetzt manchmal gleich an. Und wir merken, wenn es dem anderen nicht gut geht. Dann sind wir immer wahnsinnig lieb zueinander.

Wir machen eigentlich alles gemeinsam, wir haben sogar die gleiche Lieblingsfarbe. Blau. Und gelb mögen wir auch. Und rot. Und grün. Wenn wir uns mehrere Stunden nicht sehen, vermissen wir uns sehr.“

Hannelore Sedlmeier und Maria Schäffner (69), eineiige Zwillinge. Hannelore ist 15 Minuten eher auf die Welt gekommen als Maria.

„Wir waren 25 Jahre voneinander getrennt. Maria hat in dieser Zeit in Mannheim gelebt. Wir hatten zwar ständig Kontakt, aber es war trotzdem nicht einfach. Jetzt wohnt Maria wieder in Rosenheim. Wir haben zwar getrennte Wohnungen, sehen uns aber fast jeden Tag. Es muss schon etwas Besonderes passieren, damit wir uns mal nicht sehen.

Geburtstagsfeier

immer gemeinsam

Wir werden ständig verwechselt, selbst trotz unterschiedlicher Frisuren. Oft trauen sich Arbeitskollegen und Freunde nicht, uns mit Namen anzusprechen, weil sie Angst haben, uns zu verwechseln. Als Kinder sahen wir uns unheimlich ähnlich, da hatte sogar unsere Mutter Schwierigkeiten, uns auseinanderzuhalten. Auch weil unsere Stimmen ähnlich klingen. Eigentlich stört uns das nicht. Manchmal ist es einfach nur verwunderlich, gerade bei Leuten, die uns seit Jahren kennen. Vielleicht liegt es daran, dass unsere Gesten gleich sind. Dabei sind wir vom Wesen her total unterschiedlich. Hannelore ist besonnen, das sagt man ja sowieso oft über die Erstgeborenen. Maria eher die Aktive. Wir haben ein besonderes Verhältnis. Wir merken es, wenn einer von uns Probleme hat. Dafür kennen wir uns zu gut.

Wir feiern unsere Geburtstage immer zusammen. An jedem runden Geburtstag wird gereist. Ich glaube, für unsere Männer war es schwer, weil sie den anderen quasi auch geheiratet haben. Ostern verbringen wir meist mit der Familie. In diesem Jahr gehen wir in die Berge. Das schönste am Zwillingsein? Man ist nie allein. Wir haben immer einen Menschen, dem wir bedingungslos vertrauen können.

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