von Redaktion

Ein Blick zurück in die Vergangenheit sagt viel über die Entwicklung einer Stadt und die Sichtweise früherer Generationen. Wir haben in alten Zeitungsbänden geblättert und präsentieren in unregelmäßigen Abständen die interessantesten Dinge aus früheren Jahren. Heute geht es um die Zeit von 6. bis 19. Mai.

Brenzlige Situationen

Rosenheim – „Der gestrige Sonntag stand noch ganz im Zeichen der militärischen Ereignisse. Patrouillen zogen durch die Straßen und Plätze der Stadt. Um 12 Uhr kamen die ersten Abteilungen von Kolbermoor zurück, die dort an den Haussuchungen nach versteckten Waffen teilgenommen hatten. Den ganzen lieben Tag flutete trotz des schlechten Wetters eine gewaltige Menschenmenge durch die Straßen. Besonders stauten sich die Neugierigen vor dem Gefängnis und dem Hotel Wendelstein. Manchmal mußten die Posten und Patrouillen durch Schreckschüsse die Menschenknäuel auseinander treiben. Die Einbringung der Gefangenen erregte allseits Interesse.“

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„Kopp (Anführer der Revolutionsräte in Rosenheim, Anmerkung der Redaktion) wieder in Rosenheim! Am gestrigen Abend wurde Kopp unter starker Bedeckung in Rosenheim eingeliefert. Der Diktator sitzt im Gefängnis. Er wurde in Miesbach aufgegriffen, gleichzeitig wurden seine ehemaligen Komplizen Renner und Meier hier hinter Schloß und Riegel gebracht. Ueber die Flucht Kopps und seine Verhaftung werden die abenteuerlichsten Gerüchte kolportiert. Während die einen erzählen, daß er als fahrender Hausierer verkleidet sich aus Kolbermoor fortstahl, wissen andere zu berichten, daß seine Flucht im Leichenwagen erfolgte.“ Später heißt es: „Kopp wurde Dienstag morgens 3 Uhr nach Traunstein zur Aburteilung gebracht.“

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„Die Untersuchung gegen die Rosenheimer Rädelsführer hat begonnen und weilt Landgerichtsrat Neun in unserer Stadt, um die Erhebungen zu pflegen. Die Schuldigen werden mutmaßlich von einem Standgericht abgeurteilt. Die Anklage gegen Kopp und Genossen lautet auf Hochverrat.“ Später: „6 Kommunistenführer aus Rosenheim und Umgebung, unter ihnen Kopp, Rheinheimer, Renner und Meir, wurden heute nacht mittels Extrazuges zur Aburteilung nach München gebracht.“

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„An der Kreuzung Heuberg-Kampenwandstraße kommt es täglich zu brenzligen Situationen. Fünfmal hat es an dieser Stelle schon gekracht, wobei es Verletzte und erheblichen Sachschaden gab. Bisher wurde die Vorfahrt auf der Kreuzung durch das Prinzip ,Rechts vor links‘ geregelt. Jetzt sollen dort Verkehrsschilder aufgestellt werden. Die Beschilderung ist nach dem Ausbau der Kampenwandstraße notwendig geworden. Bisher war diese Straße ungeteert, die Autofahrer hielten deshalb an, bevor sie in die gut ausgebaute Heubergstraße einbogen, obwohl sie Vorfahrt gehabt hätten. Diese Gewohnheit wurde jetzt Autofahrern zum Verhängnis, als ihnen Benutzer der Kampenwandstraße nach dem Ausbau freiwillig nicht mehr die Vorfahrt ließen.“

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„Der Bau der Verbindungsstraße Happing, die einmal eine große Bedeutung im Rahmen der Rosenheimer Verkehrssituation erhalten wird, tritt nun in das entscheidende Stadium. Die Arbeiten für die Verbindungsstraße werden an zwei Stellen aufgenommen. Es wird an der Rathausstraße (nach der Mangfallbrücke) begonnen und in das Gelände der ehemaligen Stadtgärtnerei in Richtung Salzburger Gleis vorgestoßen. Gleichzeitig wird an der Kreuzung mit der B 15 bei Heilig Blut ein Anfang gemacht. Bis zur Vollendung dieser Großbaumaßnahme werden einige Jahre vergehen. Im Verlauf der neuen Straße sind auch große Bauwerke erforderlich, unter anderem die Überbrückung der Schienenstränge nach Salzburg und Kufstein.“

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„,RoRegio‘ heißt ein alternatives Regionalbahnkonzept, das die Nürnberger ,Gesellschaft für fahrgastorientierte Verkehrsplanung‘ gestern in Rosenheim vorstellte. Das System basiert auf dem Einsatz von Straßenbahntriebwagen auf einem innerstädtischen Schienennetz, kombiniert mit einer Anbindung an die Regionalstrecken der Deutschen Bahn. In Auftrag gegeben und finanziert wurde die Studie von 14 alternativen Parteien, Verbänden und Interessengemeinschaften. 42 Triebfahrzeuge zum Stückpreis von rund vier Millionen Mark wären notwendig, um ein Verkehrsnetz mit 143 Haltestellen zwischen den Endstationen Holzkirchen, Grafing, Wasserburg, Kufstein, Rohrdorf und Prien bedienen zu können. 18 Haltestellen sind im Innenstadtbereich geplant. In Rosenheim ist eine Streckenführung über die Rathaus- und Prinzregentenstraße beziehungsweise über die Wittelsbacher oder Münchener Straße vorgesehen. Drescher und Steinfatt (die Planer, Anmerkung der Redaktion) berechneten Investitionen von 415 Millionen Mark und jährliche Kosten in Höhe von 38,5 Millionen Mark. Über ein Zeittarifsystem könnten 33,8 Millionen Mark hereinkommen. Die Initiatoren hoffen jetzt, daß ihr Konzept auch bei den Politikern Anklang findet. (Diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Die Mehrheit im Stadtrat und im Kreistag lehnte RoRegio ab. Anmerkung der Redaktion).“

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„Über das Thema Grüngut- und Biomüllerfassung diskutieren die Rosenheimer Stadträte schon seit langer Zeit. Bis jetzt konnten sie sich jedoch nicht entscheiden, ob jedem Haushalt eine Biotonne zugeteilt wird oder ob verstreut im Stadtgebiet Depotcontainer aufgestellt werden. (Die Entscheidung fiel zugunsten der Depotcontainer. Anmerkung der Redaktion).“

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„Das Hin und Her um die nach wie vor unter Verschluß gehaltene Machbarkeitsstudie über einen Schnellbahnbau durch das Inntal zu einem möglichen Brennerbasistunnel und die Verunsicherung unter der Bevölkerung haben jetzt Landrat und ARGE-Transitverkehrsvorsitzenden Dr. Max Gimple veranlaßt, sich in einem geharnischten Brief an den bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Edmund Stoiber zu wenden. Der Landrat fordert in dem Schreiben vor allem „klare, unverrückbare Positionen von seiten der Staatsregierung zum Schutz der Bevölkerung des Inntales.“

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