Bolzplatz kommt weg

von Redaktion

Bauherr plant in der Erlenau drei Wohnhäuser – Protest der Anwohner vergeblich

Rosenheim – Der Bolzplatz im Rosenheimer Stadtteil Erlenau wird überbaut. Wo heute Kinder toben, plant die Eigentümergemeinschaft des Grundstückes drei Wohnhäuser. Damit hat sich der Protest der Anlieger erledigt. Allerdings hofft die Stadt, einen Teil des Areals als „Grünfläche“ erhalten zu können, die dann unter anderem als Spielwiese genutzt werden soll.

Das rund 4163 Quadratmeter große Grundstück in der Erlenau liegt an der Kreuzung von Pernauer- und Rechenauerstraße. Es grenzt im Westen unmittelbar an die Pfarrei St. Hedwig und an den Kindergarten St. Hedwig. Derzeit stehen zwei Tore im Grün, die Kinder der Umgebung nutzen den Platz zum Spielen. Auch die Ferienaktionen des Stadtjugendrings sowie diverse Bürgerfeste des Bürgervereins haben dort schon stattgefunden.

Kein Wunder also, dass sich im vergangenen Jahr Protest regte, nachdem bekannt geworden war, dass gebaut werden und der Bolzplatz möglicherweise verschwinden soll. Zuletzt hatten Claudia Sieberath als Vorstandsmitglied des Bürgervereins Erlenau sowie Mitarbeiter des Stadtjugendrings rund 600 Unterschriften an Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (CSU) übergeben. Das Interesse der Anlieger stand nun im klaren Gegensatz zum baurechtlich einwandfreien Interesse der Eigentümergemeinschaft – und auch im Gegensatz zum grundsätzlichen Anliegen der Stadt, mit einer Nachverdichtung der Wohnungsnot in Rosenheim zu begegnen. Schon bei der Übergabe der Unterschriftslisten hatte Bauer angekündigt, dass es kaum eine Chance gebe, die Bebauung zu verhindern.

Bislang ist der Bolzplatz im Flächennutzungsplan als Nutzfläche für die Öffentlichkeit ausgewiesen. Die Stadt hat sie seit Jahren von der Eigentümergemeinschaft gepachtet. Nun überlegt sie, einen Teil der Fläche, rund 1000 Quadratmeter, zu kaufen. Auf diese Weise hofft die Stadt, sicherzustellen, dass ein wenig grüne Zone erhalten bleibt. Wobei auf ihr aber auch eine Wertstoff-Sammelstelle Platz finden muss. Einen echten Bolzplatz wird es aller Voraussicht nach nicht mehr geben.

Stattdessen sehen die Planungen drei Mehrfamilienhäuser vor, mit insgesamt etwa 40 bis 46 Wohneinheiten. Das nördlich gelegene Gebäude wird fünf Stockwerke hoch entstehen, die südlichen viergeschossig samt eines dreigeschossigen Verbindungsbaus. Die Gebäude bekommen ein Flachdach und schließen mit einem Staffelgeschoss ab, auf dem West-Süd ausgerichtete Dachterrassen entstehen können. Die Autos der Bewohner sollen Platz finden in einer Tiefgarage, die unter der verbleibenden Grünfläche im Norden des Grundstücks angelegt wird. Ein- und Ausfahrt liegen zwischen den Wohngebäuden, wo sich auch einige oberirdische Stellplätze finden werden. Die gesamte Erschließung der Wohnanlage erfolgt über die Rechenauerstraße.

Sowohl im Bauausschuss als auch im Stadtrat sprachen sich die Stadträte für den Vorschlag der Stadt aus – auch wenn sich Vertreter der SPD und der Grünen insgesamt mehr Freiflächen wünschen, vor allem für Kinder. Die Grünen werfen der Stadt vor, zu wenig größere Plätze und Grünareale vorzuhalten, auf denen Buben und Mädchen spielen können. Die SPD-Fraktion hatte sich im vergangenen Jahr mit einem Antrag an die Oberbürgermeisterin für den Erhalt des Bolzplatzes eingesetzt.

Er wird wohl bald Geschichte sein, auch wenn eine endgültige Entscheidung darüber, wie die verbleibende Grünfläche genutzt werden soll, bislang nicht gefallen ist. „Ein Bolzplatz scheidet nach Auffassung des zuständigen Fachamtes wegen der damit einhergehenden Lärmimmissionen in unmittelbarer Nähe zu den geplanten Wohngebäuden aus“, teilt Thomas Bugl mit, der Pressesprecher der Stadt. Denkbar sei es demnach, die Fläche als Spielwiese anzubieten. Das aber entscheide sich im Zuge der weiteren Bauleitplanverfahren und in Form von Beschlüssen im Stadtrat. Schon heute steht fest: Der Bauherr muss auf jeden Fall einen Spielplatz für seine Wohnbebauung anlegen, auf dem Kinder bis zu einem Alter von sechs Jahren spielen können.

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