Nach 100 Jahren sollen Frauen mitstimmen dürfen

von Redaktion

Jahreshauptversammlung des Seniorenvereins Pang am Sonntag: Mitglieder entscheiden über Satzungsänderung

Rosenheim – Der Seniorenverein Pang ist eine gesellige Gemeinschaft: Die Mitglieder treffen sich regelmäßig, einmal in der Woche. Man sitzt zusammen, ratscht, hilft sich, plant Ausflüge. Daran soll die Jahreshauptversammlung an diesem Sonntag nichts ändern. Und doch könnte es an diesem Nachmittag im Panger Kirchenwirt eine kleine Revolution geben. Nachgerade einen historischen Moment in der rund 100 Jahre alten Geschichte des Vereins.

Kuchenbacken ja,

Stimmrecht nein

Es ist dieses spröde Wort „Satzungsänderung“, in dessen Folge ganz neue Zeiten anbrechen könnten im Seniorenverein. Der Mann, der diese Veränderung anstrebt, ist Albert Obermaier. Seit drei Jahren engagiert er sich als Vorsitzender – und er findet, es muss sich endlich was tun. Denn bisher haben nur männliche Mitglieder Stimmrecht. Frauen dürfen zwar dabei sein, etwa bei Ausflügen und Feiern. Mitzustimmen bei Entscheidungen ist ihnen jedoch nicht erlaubt. „Das ist nicht mehr zeitgemäß. Da muss etwas passieren“, findet Obermaier. Allein ist er mit dieser Meinung nicht. Nicht ganz allein immerhin.

Denn tatsächlich gibt es durchaus Mitglieder, die nach wie vor der Ansicht sind: Allein die Männer sollten das Sagen haben – allen gesellschaftlichen Diskussionen zum Trotz. So viele sind es, dass ein erster Versuch, die Satzung zu ändern, ins Leere lief. Drei Jahre ist das her. Damals habe es eine „sehr starke Opposition gegeben“, sagt Obermaier. Vor allem unter den Älteren sei der Widerstand deutlich zu spüren gewesen.

Jetzt, am Sonntag im Kirchenwirt, soll es anders laufen. Und sollte es so kommen, dass die Satzung geändert wird, Frauen ein Stimmrecht erhalten, dann hat Obermaier und seinen Mitstreitern das Glück ein wenig in die Hände gespielt: Denn auch vor dieser Jahreshauptversammlung gibt es Protest, haben sich die Gegner zusammengetan. Ihr Pech allerdings: Die Versammlung findet genau dann statt, wenn sie auf Ausflug an der Ostsee sind. Den Termin verschieben? Unmöglich, sagt Obermaier, denn die Satzung schreibt vor, dass die Versammlung exakt am ersten Sonntag nach Ostern stattfinden muss. „Da hätten wir ja die Satzung ändern müssen“, sagt der Vorsitzende. Dabei ist ihm anzumerken, dass er nicht traurig ist über den Umstand, dass die Reihen des Widerstands am Sonntag etwas ausgedünnt sein werden. Obwohl er sagt, er sei eigentlich „neutral“.

Allerdings: Ganz sicher kann man nicht sein, wie es ausgehen wird. Vielleicht gibt es ein paar mehr Gegner im Verein? Männer, die finden, es ging doch bisher gut ohne Stimmrecht für die Frauen. Selbst für diesen Fall gibt die Satzung die Regeln vor: Nur wenn 75 Prozent der anwesenden Mitglieder für die Änderung stimmen, kann sie umgesetzt werden. Vor drei Jahren fehlten zwei Stimmen.

Doch Obermaier ist zuversichtlich. Die „Stimmungslage“ habe sich verändert, sagt er. Vielleicht nicht so ganz, weil es neue Einsichten gibt. Sondern eher aus pragmatischen Überlegungen: weil der Verein überaltert, die Zahl der Mitglieder sinkt. Weil Witwen zurückbleiben, die sich nach sozialem Kontakt sehnen. Und nicht zuletzt, weil Frauen einfach mehr können, als gut Kuchen zu backen.

Knechte schließen

Versorgungspakt

Ebenfalls eine Rolle spielt die Geschichte des Vereins. Denn einst hatten Knechte aus der Panger Landwirtschaft die Gemeinschaft gegründet. Im „Gegenseitigkeitshilfsverein“, so der ursprüngliche Name, sollten sie Hilfe in der Not finden, vor allem in finanzieller Hinsicht. „Heute braucht es das nicht mehr, jeder hat seine Rente“, sagt Obermaier. Der Vereinszweck hat sich längst überholt. Zeit für Neues also.bw

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