Rosenheim – Ein gelbes Fahrrad hängt in einem Baum: Dieses Foto, aufgenommen in München, steht für das Chaos, das der Leihräder-Anbieter Obike in der Landeshauptstadt hinterlassen hat. Ein negatives Beispiel für eine eigentlich gute Idee, um vom Autoverkehr geplagte Städte zu entlasten. Auch in Rosenheim wird ein ähnlicher Vorschlag geprüft.
Eineinhalb Jahre ist es her, dass das Unternehmen Obike aus Singapur im Münchner Stadtgebiet 7000 Fahrräder aufstellte, dann pleite ging und die Räder einfach zurückließ. Erst nach vielem Hin und Her war München im November vergangenen Jahres dann wieder Obike-frei. Geblieben ist die Gewissheit, so darf es nicht mehr laufen.
Zunächst
eine Absage
In Rosenheim hatte nun die CSU-Stadtratsfraktion den Antrag gestellt, dass die Stadt selbst Leihfahrräder mit Einkaufskörben an den Parkhäusern der Stadt und an anderen Standorten, etwa am Bahnhof, aufstellt. Die Stadtverwaltung reagierte auf diesen Vorstoß mit dem Hinweis auf den Verkehrsentwicklungsplan und eine dazu durchgeführte Studie speziell zum Thema öffentlicher Fahrradverleih.
Die Stadt hatte diese Untersuchung im Jahr 2015 in Auftrag gegeben. Das Münchner Büro „tjm-consulting“ prüfte, ob und zu welchen Konditionen ein öffentliches Verleihsystem möglich sei. Mit den Ergebnissen aus der Untersuchung in der Hand, war die Stadt damals zur Einschätzung gelangt, das Verleihsystem sei mit einem jährlich nötigen Zuschuss von etwa 100000 Euro zu teuer für Rosenheim und daher nicht weiterzuverfolgen. Eine Entscheidung, die auch die Mitglieder des Verkehrsausschusses mitgetragen hätten, und an der nicht zu rütteln sei – zumal „eine erneute Untersuchung keine neuen Erkenntnisse“ bringen würden, hieß es jetzt.
Eine Haltung, die im jüngsten Verkehrsausschuss auf Kritik stieß, insbesondere bei der CSU selbst: Deren Fraktionsvorsitzender, Herbert Borrmann, befand, 100000 Euro seien „kein Betrag“ – zumal, wenn man beispielsweise über Sponsoren nachdenke. In der Folge wird über die Sache noch einmal gesprochen, voraussichtlich im nächsten Verkehrsausschuss.
Das Büro „tjm-consultig“ hatte in seiner Untersuchung verschiedene Varianten für ein System mit 20 Standorten mit insgesamt 200 Leihfahrrädern erarbeitet. Die Experten stellen fest, dass die Kosten, die dieKommune übernehmen müsste „bei einem üblichen Drei-Jahres-Vertrag auf 120000 bis 300000 Euro Gesamtinvestitionen zuzüglich Werbungskosten“ lägen.
Werbung hilft
Kosten zu senken
Als Gegenfinanzierung schlägt „tjm-consulting“ das Vermieten von Werbeflächen an den Rädern vor. Insgesamt kommt die Studie zu dem Schluss: „Trotz der hohen Kosten ist der Aufbau eines Fahrradverleihsystems zur Stärkung der optischen Wahrnehmung des Radverkehrs in Rosenheim und der weiteren Steigerung des Fahrradanteils zu empfehlen.“ Möglich sei dafür auch ein stufenweiser Aufbau. Angeregt werden zunächst zehn Stationen mit 100 Fahrrädern.
Wie es auch kommen wird in Rosenheim: In München jedenfalls ist seit Anfang April mit „Swapfiets“ aus den Niederlanden ein neuer Leihräder-Anbieter am Start. Das Unternehmen bringt blaue Hollandräder im Abosystem nach Bayern.bw