Hilferuf der Rauchschwalben

von Redaktion

Wanderausstellung „Gebäudebrüter“ in der VHS informiert über betroffene Vögel

Rosenheim – Gebäudebrüter, wie Schwalben und Mauersegler, stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Weil sie an Gebäuden nisten, sind sie in Gefahr, wenn gebaut wird. Damit die Vögel nicht nach und nach aus der Stadt verschwinden, hat das Umwelt- und Grünflächenamt die Wanderausstellung „Gebäudebrüter“ nach Rosenheim geholt.

Die Ausstellung informiert über die betroffenen Vögel und wie man sie schützen kann. Bei der Eröffnung waren neben dem Zweiten Bürgermeister der Stadt Anton Heindl, auch Ralf Seeburger vom Umwelt- und Grünflächenamt, zahlreiche Stadträte sowie Vertreter vom Bund Naturschutz und Landesbund für Vogelschutz anwesend.

Mutwillige

Zerstörung

Thomas Juretzky (50) ist ein Freund der Rauchschwalben und Mitglied der Kreisgruppe Rosenheim des Landesbundes für Vogelschutz. Gemeinsam mit seiner Frau, geht er seit sieben Jahren regelmäßig einmal pro Woche durch die Rosenheimer Innenstadt und kontrolliert 30 Schwalbennester. Für ihn eine Herzensangelegenheit. Denn: Ein Rosenheim ohne Schwalben ist für ihn unvorstellbar. Anfangs beobachtete er vor allem das Verhalten der Schwalben, prüfte, wie sich die Population entwickelte. Als er eines Tages aber mehrere Nester entdeckte, die Menschen offensichtlich mutwillig von Wänden abgeschlagen hatten, suchte er das Gespräch mit den Hausbesitzern. Schnell wurde klar: Viele Immobilieneigentümer fühlen sich von den Vögeln gestört, weil sie die Fassaden verschmutzen.

Wenn sie dann aber die Nester entfernen, hat das fatale Folgen: Die Bestände der Rauchschwalben in Rosenheim gehen immer mehr zurück. So waren im vergangenen Jahr von rund 30 Nestern in der Rosenheimer Innenstadt nur 13 Nester besetzt. Auch die Zahl der Jungvögel ist zurückgegangen. „Wir müssen dringend etwas unternehmen“, sagt Juretzky, und weist zugleich auf das Insektensterben hin. Ein Zahlenbeispiel: Eine einzige Rauchschwalben-Familie braucht pro Saison, von Mai bis September, etwa 100000 Insekten. Es ist ein Teufelskreis. Geht die Zahl der Insekten zurück, droht den Vögeln der Hungertod. „Es gibt immer weniger Insekten für die Vögel“, stimmte auch der Zweite Bürgermeister der Stadt, Anton Heindl, zu. Und noch ein Problem gibt es: Je mehr Flächen versiegelt werden durch Bauprojekte, umso weniger Lehmpfützen finden etwa Schwalben. Aus diesen Pfützen holen sie sich Lehm, vermengen ihn mit ihrem Speichel und verwenden diese Masse in Form von Kügelchen für den Nestbau. 1400 dieser Kügelchen brauchen sie pro Nest. Ein solches Nest hält meist zwölf bis 15 Jahre und wird immer vom selben Schwalbenpaar genutzt.

Unterstützung

der Hausbesitzer

Eine Stadt ohne Schwalben ist für Heindl undenkbar: Sie gehören zu einer lebendigen Stadt. Heindl hofft deshalb auf die Unterstützung der Hausbesitzer. Und die können einiges tun, sagt Ralf Seeburger vom Umwelt- und Grünflächenamt. So können sie Nesthilfen anbringen, die im Internet bestellt werden können. Wer beim Anbringen Hilfe braucht, kann sich an den Bund Naturschutz oder den Landesbund für Vogelschutz wenden. Es ist wichtig, die Nester mit einer Einflugsöffnung nach Süd-Ost anzubringen. Die Nester müssen vor Unwetter gesichert sein und hoch genug hängen, sodass Katzen keinen Zugang haben, sagt Seeburger.

Auch die Stadt leistet ihren Beitrag. So werden bei der Sanierung des kleinen Rathausgebäudes in der Königsstraße 15 Nisthilfen für Mauersegler angebracht. Ein weiteres Beispiel ist das Stadtfalkenprojekt, in Kooperation mit dem katholischen Stadtpfarramt Rosenheim St. Nikolaus, dem Falkner Erwin Heigl, Björn Clauss und dem städtischen Umwelt- und Grünflächenamt. Im Kirchturm der St. Nikolauskirche brüten derzeit in der dritten Saison Wanderfalken, sagt Heindl. Sie brüten gerade vier Eier aus. Heindl hofft, dass die Jungen bald schlüpfen.

Toleranz

gefordert

Ein positives Signal in die richtige Richtung. Und auch Schwalben-Kontrolleur Thomas Juretzky ist zuversichtlich. Dank des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ sei der Schutz der Natur in den Köpfen der Menschen angekommen, sagt er. Jetzt müsse nur noch die Toleranz gegenüber den Gebäudebrütern wachsen.

Infos zur Ausstellung

Die Wanderausstellung „Gebäudebrüter“ ist bis Montag, 13. Mai, in der Rosenheimer Volkshochschule (Stollstraße 1) zu sehen. Die Ausstellung ist im ersten Obergeschoss.

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