Ein markantes Stück Kunst

von Redaktion

Der Bildhauer Rudl Endriß stellt eine Großplastik auf – Debatte über Künstlermeile

Rudl Endriß

Künstler aus Siferling

Rosenheim – Ein markantes Stück Kunst soll von der kommenden Woche an Platz finden vor dem Rosenheimer Lokschuppen. Rudl Endriß, Künstler aus Siferling bei Söchtenau, stellt die große Plastik aus Granit der Stadt zur Verfügung – und hat damit eine Diskussion darüber ausgelöst, ob damit ein Auftakt gemacht ist für eine Künstlermeile in der Stadt.

Rudl Endriß gehört zu den bekanntesten und profiliertesten Bildhauern der Region. Er ist Träger des Kulturpreises des Landkreises und stellt den Mensch in den Mittelpunkt seiner Arbeiten (siehe Kasten). Eines seiner Objekte soll nun in der kommenden Woche nach Rosenheim kommen und auf der Grünfläche vor dem Lokschuppen aufgestellt werden. Das Kunstwerk selbst wird auf eine 2,5 mal 2,5 Meter große Metallplatte montiert, weitere Boden- oder Fundamentierungsarbeiten seien nicht notwendig, meldet die Stadt. Die Kosten für die Montage übernimmt Endriß ebenso wie die für den Transport. Das Objekt soll bis September vor dem Lokschuppen stehen. Ein Ort, den der Bildhauer festgelegt hat bei einem Ortstermin, gemeinsam mit Vertretern des Baudezernats und des Kulturamts der Stadt Rosenheim.

Das drei Meter hohe Kunstwerk selbst ist aus Schärdinger Granit entstanden. Die einzelnen Teile hat Endriß aus einem zehn Tonnen schweren Block herausgearbeitet. Dabei interessierten ihn insbesondere die Schwere, Größe und die Struktur des Steines. Die vier Blöcke mit dem fünften, der als Dach eine Art Abschluss bildet, wirken von außen rau und grob. Hier sind die Bohrungen, die von der Sprengung stammen, noch gut zu erkennen. Ganz anders die Innenseiten: Sie sind poliert, wirken glatt und damit deutlich feiner gearbeitet. Das Objekt ohne Namen ist im Jahr 2002 entstanden und erinnert in seiner Archaik am ehesten an einen megalithischen Steinbau.

Im Haupt- und Finanzausschuss fiel das Echo auf das Angebot positiv aus – auch wenn sich einige Stadträte der Einschätzung von Gabriele Leicht (SPD) anschlossen: „Es gibt von Rudl Endriß sehr viel Anspruchsvolleres“, hatte sie gesagt, und zudem festgestellt, dass das Objekt nicht unbedingt als Arbeit des Siferlinger Bildhauers zu erkennen sei. Dennoch verständigten sich die Stadträte darauf, die große Plastik auf dem Grün vor dem Lokschuppen aufstellen zu lassen – auch wenn Grünen-Stadtrat Franz Opperer einwarf, der Grünstreifen könnte „überfordert werden mit dem Objekt“.

Ausgelöst hat die Arbeit außerdem ein Gespräch darüber, ob sie schon Auftakt einer Kunstmeile sein kann – oder man die Plastik aufstellen und sich im Anschluss daran Gedanken machen sollte über ein Konzept für die Kunstmeile, die künftig jährlich, während der Sommermonate, stattfinden soll. Sie soll Plattform sein für Künstler aus Rosenheim, die dann ihre Arbeiten zeigen können, entlang einer Achse zwischen Landesgartenschaugelände/Arche über die Städtische Galerie bis zum Lokschuppen und zum Rathaus.

Neuer Kulturreferent

soll Konzept vorlegen

Vereinbart ist nun, das Angebot von Rudl Endriß anzunehmen und im Nachgang an einem Konzept zu arbeiten. Darin soll verbindlich geklärt sein, welche Künstler angesprochen werden und wer die Pflege der Kunstwerke im öffentlichen Raum übernehmen kann. Wichtig ist auch die Frage der Finanzierung. Denn nicht jeder Kunstschaffende ist in der Lage, seine Objekte kostenlos zur Verfügung zu stellen. Entwickeln soll das Konzept der Kulturreferent der Stadt – und der wird gerade per Stellenanzeige gesucht. Dienstantritt wird demnach zum 1. Februar 2020 sein. Amtsinhaber Robert Berberich geht nach mehr als 20-jährigem Engagement in Ruhestand.

Sein Grundthema ist der Mensch

Rudl Endriß, 1943 in München geboren, zählt zu den bekanntesten und profiliertesten Bildhauern der Region. Schon als Student der Pädagogik, der Naturwissenschaften und der Kunst in München setzte er sich mit seinem Grundthema „Mensch“ in freien künstlerischen Arbeiten auseinander.

Von 1970 bis 1987 war Rudl Endriß Lehrer an der staatlichen Fachlehrerausbildung in München-Ramersdorf und von 1987 bis 2006 Akademischer Direktor im Fachbereich Innenarchitektur an der Hochschule Rosenheim. Da wundert es nicht, dass sich auf dem Gelände der Hochschule Rosenheim einige Arbeiten des fantasievollen Gestalters finden, wie die beiden rot lackierten Stahlfiguren auf ihren Steinstelen (2005) oder die sechs „Wortsteine“ (1997-1999). Diese Werke zeigen die beiden Schwerpunkte, die Endriß für seine Kunst bevorzugt: zum einen Silhouetten aus Stahlblech geschnitten, zum anderen massive Steinblöcke mit eingefrästen Worten. Es lohnt sich, sich die Zeit zu nehmen und die Worte genau zu lesen. Ganz seinem Wesen entsprechend, spielt er humorvoll und hintersinnig mit Begriffen und öffnet manchmal eine Tür ins Philosophische.

Als Ausstellungsgestalter für das Haus der bayerischen Geschichte, von 1986 bis 1995, entwarf der Künstler ansprechende und funktionale Raumkonzepte. „Mein Prinzip ist die Ordnung“, sagt er. Dies kann man an dem „Historischen Inn-Schiffzug“ gut nachvollziehen, der seit der Landesgartenschau 2010 den Inndeich nördlich der Innbrücke belebt. 2014 erhielt Endriß den Kulturpreis des Landkreis Rosenheim, der verbunden war mit dem Ankauf von zehn „Spiegelbildern“, die seither den Pausenhof der Berufsschule an der Prinzregentenstraße zieren. Hier ebenfalls wieder aus Blech ausgeschnittene Silhouetten von menschlichen Figuren auf Granitstelen.

Endriß ist auch nach einem Schlaganfall, den er 1993 erlitten hat, und der zu einer halbseitigen Lähmung führte, fleißig tätig. Wie gut, dass er im Söchtenauer Gewerbegebiet bei Schwabering eine Heimstatt für sein Atelierhaus und seine Werkstätten gefunden hat. Hier stört er niemanden, wenn er um 6 Uhr in der Früh die Kreissäge anwirftDr. Evelyn Frick

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