„Ein Tag der Wertschätzung“

von Redaktion

Interview Tobias Rosenberger (34) feiert mit seiner Ehefrau zum ersten Mal Muttertag

Rosenheim – Es sind besondere Tage im Leben von Tobias Rosenberger. Vielleicht die besten, die der 34-jährige Arzt aus Rosenheim bisher erlebt hat. Vor wenigen Tagen ist er Vater geworden, hat seine Frau Christiane (32) die kleine Elisa auf die Welt gebracht. Nun feiert die junge Familie zum ersten Mal Muttertag. An diesem Tag, so hat es sich Tobias Rosenberger vorgenommen, will er seine Frau ehren, und seine Mutter auch. Ein Gespräch über neue Rollen und Einsichten.

Herr Rosenberger, es ist noch nicht lange her, da war ihre Frau einfach nur ihre Ehefrau und Partnerin. Heute ist sie zugleich die Mutter Ihrer Tochter. Wie erleben Sie diese Situation.

Es war ja ein Prozess, der bereits vor der Geburt begonnen hat. Schon allein äußerlich hat sich meine Frau verändert. Dazu hat sie sich auch in einigen Dingen anders verhalten, etwa in der Ernährung. Ich konnte sozusagen mitwachsen, auch in meiner eigenen Rolle. Wir wussten, wir werden Eltern. Das war ganz real, etwa, wenn sich das Kind durch die Bauchdecke bemerkbar gemacht hat. Über die Monate habe ich immer mehr Hochachtung gegenüber meiner Frau empfunden.

Warum?

Ich habe erkannt, was sie leistet, was es bedeutet, ein Kind auszutragen und auf die Welt zu bringen. Ich war bei der Geburt dabei, das war sehr, sehr anstrengend für sie. Es hat 36 Stunden gedauert.

Ihre Tochter Elisa ist erst ein paar Tage alt. Wie geht es Ihnen drei?

Elisa braucht rund um die Uhr Aufmerksamkeit. Meine Frau hat viel zu tun mit dem Stillen. Ich als Mann bin besser dran, ich kann auch mal schlafen. Da bin ich, ehrlich gesagt, manchmal froh, dass ich ein Mann bin. Es ist unglaublich, was Frauen da leisten.

Wie empfinden Sie die Mutterrolle Ihrer Frau in der Partnerschaft?

Ich finde es eine angenehme Veränderung. Es wertet unsere Beziehung noch einmal auf. Ich sehe meine Partnerin jetzt auch mit dem Blick des Vaters. Ich bin voller Bewunderung. Ich versuche, der Starke zu sein, ihr eine Schulter zum Anlehnen zu geben. Aber ich spüre deutlich, dass sie die Starke ist. Sie hat so viel Kraft.

Sie feiern das erste Mal Muttertag als Ehemann. Als Sohn schon sehr viel länger. Welche Bedeutung hat dieser Tag für Sie?

In unserer Familie war das schon immer ein wichtiger Tag. Als Kind habe ich mir viel ausgedacht, gebastelt und Gutscheine verschenkt. Es gab Kaffee und Kuchen. Blumen natürlich auch. Es war auch selbstverständlich, die Oma zu besuchen. Muttertag ist bei uns ein Tag der Generationen. Jetzt gehören wir eben auch dazu.

Werden Sie Ihre Frau beschenken?

Ganz sicher sogar. Sie wird Blumen bekommen, ganz klassisch. Es ist ein wunderbares Gefühl, Familienvater zu sein. Und ich sehe den Muttertag längst nicht so kritisch, wie er oft diskutiert wird.

Wie meinen Sie das?

Ich verstehe ihn als einen Tag, an dem den Müttern Wertschätzung entgegengebracht wird. In meinen Augen werden Frauen und Mütter in unserer Gesellschaft durchaus wertgeschätzt. Auf der anderen Seite erleben sie aber heute noch Nachteile im Beruf. Die Geburt eines Kindes ist oft genug ein Karriereknick. Manchmal scheint eine mögliche Schwangerschaft schon beim Einstellungsgespräch wie ein Damoklesschwert über allem zu hängen. Und es gibt eine wahnsinnige Erwartungshaltung an die Mütter. Sie sollen schnellstmöglich in den Job zurückkommen.

Interview: Ilsabe WEinfurtner

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