Zum Artikel „Schwere Zeiten für den Einzelhandel“:
Es kursiert die Meinung, dass Einkaufen im Internet schnell und bequem ist. Stimmt das, oder haben Sie nicht auch schon einen Abend damit verbracht, das richtige Produkt zu finden, indem Sie Suchmaschinen und Einkaufsportale durchforstet haben, dutzende Konsumentenkommentare gelesen und dann doch lieber drei Produkte zur „Auswahl“ bestellt ?
In diesem Augenblick haben Sie kurz ausgeblendet, dass Sie gerade Greta Thunberg Beifall gespendet haben. Aber immerhin haben Sie das am Samstagabend gemacht, während alle Geschäfte geschlossen sind. Trotzdem kommt das Päckchen frühestens am Montag oder Dienstag, wenn Sie nicht zu Hause sind. Dann lassen Sie halt zur Packstation liefern – die Lieblingsadresse für Identitäts- und Kreditkartendiebe. Ja, und die Retoure müssen Sie natürlich auch noch wegbringen.
Dabei gibt es etwas ganz Praktisches, den Einzelhandel! Da gehen Sie einfach hin, werden auf neue Ideen gebracht, können das Teil in der wirklichen Farbe und tatsächlichen Größe sehen, probieren und prüfen wie es sich anfühlt, riechen, ob Sie den Geruch leiden mögen, manches hat auch einen angenehmen Klang und – vor allem, Sie haben (hoffentlich) eine sympathische/n Verkäufer/in, die Ihnen die Suche durch tausend Artikel erspart und das zeigt, was Ihren Anforderungen entspricht. Und das Beste: Sie können das Teil Ihrer Wahl mitnehmen und heute noch ihrer Freundin zeigen!!!
Sicher sind Sie nicht so unfair und haben den EAN gescannt und versuchen nun zu Hause, das Teil ein paar Euro billiger zu bekommen. Viele Tests haben schon bewiesen, dass manchmal auch der stationäre Handel den günstigsten Preis hat, und im Allgemeinen der Preisvorteil des Internethandels überschätzt wird.
Mit jedem Kauf in Ihrer Heimatstadt tun Sie auch etwas für deren wirtschaftliches Wohlergehen, für Arbeits- und Ausbildungsplätze. Stirbt der Handel, stirbt die Gastronomie, stirbt die Stadt!
Das sollen sich auch die Stadträte überlegen. Denn zu den wichtigen Kriterien für die Ansiedlung von neuen Gewerbebetrieben zählen nicht nur günstige Lage und gute Schulen, sondern auch eine attraktive Stadt. So haben die Stadträte etwa mit der saftigen Erhöhung der Parkgebühren vor vier Jahren der Stadt einen teuren Bärendienst erwiesen, der maßgeblich zur rückläufigen Frequenz der Innenstadt beiträgt.
Gerhard Buluschek
Rosenheim