Rosenheim – Rot-weiße Absperrgitter prägen derzeit das Bild auf den Straßen in der Rosenheimer Innenstadt. Die Stadtverwaltung ist bemüht, den Fortgang der Bauarbeiten zu koordinieren. Sie berichtet regelmäßig, der Zeitplan sei eingehalten. Doch der Geduldsfaden vieler Verkehrsteilnehmer wird dünner. Die Stimmung ist angespannt. Selbst einige Stadträte nörgeln.
Es war Rudolf Hötzel von der Stadtratsfraktion der Republikaner, der während der jüngsten Stadtratssitzung den Stein ins Rollen brachte. „Grausam“ sei es, durch die Stadt zu fahren, sagte er angesichts der vielen Baustellen. „Überall“ seien die Straßen aufgerissen. Auch wenn die Umleitungen bei den großen Baustellen, etwa in der Prinzregentenstraße, gut funktionierten: In der Summe gebe es zu viel Stau, fielen zu viele Parkplätze weg. Kein gutes Signal für die Einkaufsstadt Rosenheim, fürchtet Hötzel. Und prognostizierte: Wer als Auswärtiger einmal diese Situation erlebt habe, komme nicht wieder.
Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (CSU) gab ihm recht: „Es sind schon sehr viele Baustellen.“ Sie verwies aber auch auf den Zeitplan der Stadtverwaltung. Er sieht vor, dass alle Bauarbeiten bis zum Beginn der Rosenheimer Wiesn abgeschlossen sein sollen. Die größte Baustelle ist nach wie vor die in der Samer-/Prinzenregentenstraße. Hier geht es vor allem darum, den Kanal zu erneuern. Aber auch Fernwärmeleitungen werden verlegt, Wasserleitungen saniert und Gasleitungen umgelegt.
Über drei Bauabschnitte verteilt, haben die Arbeiten veränderte Straßenführungen zur Folge sowie einige Sperren. Ab Ende August soll die Prinzregentenstraße wieder frei sein für den Verkehr. Doch die Samerstraße bleibt gesperrt. Ab Juni reicht die Absperrung in der Samerstraße dann bis zur Riederstraße, die ebenfalls gesperrt wird, von der Münchener Straße bis zur Einmündung Herzog-Otto-Straße. Ende November sollen all diese Bauarbeiten abgeschlossen sein.
Doch nicht allein diese Großbaustelle führt zu Frust. Im Nachgang zu Hötzels Aussage meldete sich auch Stadtrat Dr. Thomas Huber (CSU) zu Wort. Selbst Radfahrer, beklagt er die Situation in der Schmettererstraße. Dort dürfen Radfahrer entgegen der Einbahnstraße fahren. Ob das allerdings derzeit Sinn macht, stellt Huber infrage: Er fürchte um die Sicherheit der Radler und überlege, ob es nicht besser sei, die gültige Regel bis auf Weiteres zu unterbinden, sagte er.
Auch Stadtrat Horst Halser (ÖDP) meldete sich zu Wort. Beklagte die Situation in der Burgfriedstraße, die viele Autofahrer als Umgehung nutzten, und die auf beiden Straßenseiten auch zum Parken genutzt werde. „Es ist unmöglich, durchzukommen“, sagte er. Sprach von einer „Katastrophe“ und bat um ein temporäres Halteverbot. Das wird wohl nicht kommen. Denn sowohl CSU-Stadtrat Huber als auch Peter Weigel von den Grünen befanden, es sei sogar besser, wenn an der Burgfriedstraße viele Autos abgestellt seien. Denn dort gelte Tempo 30 und nicht alle Autofahrer hielten sich freiwillig an diese Geschwindigkeitsbegrenzung.
Klagen über die Vielzahl der Baustellen kommen nicht nur von den Stadträten. Kritische Stimmen kann man auch sammeln, wenn man an den neuralgischen Punkten in der Stadt unterwegs ist. Als besonders ärgerlich gilt die Situation an der Pernauerstraße. Wer von der Ebersberger Straße nach rechts in die Pernauerstraße abbiegt, steht vor einer Sperre und dem Hinweis „Durchfahrt verboten“. Hier ist lediglich das Abbiegen nach rechts erlaubt – wer das macht, fährt allerdings in eine Sackgasse. Unzählige Autofahrer hätten hier schon ihre Fahrzeuge gewendet und seien entnervt zurückgefahren, ist zu hören.