Freischaffender:
Hans Schuster.
Foto -Oswald-Stiftung
Rosenheim – Wenn man sich von der Königstraße kommend dem Ludwigsplatz in Rosenheim nähert, erblickt man an der vorspringenden Fassade eines mehrstöckigen Gebäudes eine hohe Frauenfigur. Die Krone kennzeichnet sie als Königin, in einem Tuch hält sie Rosen, zwei fallen herab. Wer sie nicht erkennt, dem gibt der Namen „Elisabeth“, der das Wandgemälde abschließt, Auskunft. Der Künstler selbst hat sich mit einem dezenten „S“ für Hans Schuster verewigt.
Das Grün gestrichene, moderne Gebäude kennen die Rosenheimer als „Blumenhaus Fritz“. Bis 1955 stand an dieser Stelle ein kleines, bald in zwei Besitzerhälften aufgeteiltes, zweistöckiges Vormarkthäusl, das 1813 der Zimmerermeister und Schreiner Christian Keil zwischen Stadtgraben und Mühlbach errichtet hatte. Die Besitzer der beiden Haushälften wechselten mehrmals, schließlich erhielt das Haus seinen Namen „Rußwurm Häusl“, nach dem Schuhmacher Johann Rußwurm, der hier bis 1911 über 20 Jahre ein Schuhgeschäft führte.
1949 kauften der Gärtnermeister Martin Fritz und seine Frau Elisabeth den südlichen, rechten Teil des „Rußwurm Häusls“ und zogen mit ihrem Marktstand, den sie seit etwa 1940 am Mittertor hatten, in das kleine Ladengeschäft. In der anderen Haushälfte betrieben die Astner-Damen, Annerl und Mathilde, ihren Laden mit Schokolade und Zuckerwaren.
Doch das Rußwurm Häusl wurde baufälliger und schließlich war der erste Stock, der nur über eine hölzerne Außentreppe zu erreichen war, nicht mehr bewohnbar. So beschlossen das Ehepaar Fritz und die Astner-Damen gemeinsam einen Neubau. 1955 wurde das marode Häusl abgerissen und bis 1956 ein modernes Geschäftshaus mit Ladengeschäft und darüber drei Stockwerken errichtet. Ein Grundstückstausch mit der Stadt Rosenheim hatte die notwendige Baufläche arrondiert, dafür durfte die Stadt nebenan eine öffentliche Toilettenanlage bauen.
Die Familie Fritz, die seit 1905 in Fürstätt eine Gärtnerei betrieb, verkaufte anfangs Gemüse und Blumen in dem Laden, verlegte sich aber ab Ende der 1960er-Jahre ausschließlich auf Blumen. So bürgerte sich der Name „Blumenhaus Fritz“ ein. Im ersten Stock war bis 1973 die Gaststätte „Ringstüberl“, dann folgte das Jazzlokal „Le Pirate“.
Irgendwie war die Familie Fritz unzufrieden mit der architektonischen Gestaltung des Neubaus, besonders die große, leere Wandfläche an der Südseite rief geradezu nach einer künstlerischen Aufwertung. Niemand anders als Hans Schuster kam dafür in Frage. Der Künstler hatte mit seiner Frau Emmy nach dem Zweiten Weltkrieg eine neue Bleibe in Fürstätt gefunden, in Nachbarschaft zur Gärtnerei Fritz. Schnell entwickelte sich eine Freundschaft und der Maler erhielt immer wieder prächtige Blumensträuße, die ihn zu üppigen Blumenbildern anregten. Im Gegenzug porträtierte Schuster Mitglieder der Familie Fritz. Hans Schuster hatte schon mehrfach bewiesen, dass er große Wandgemälde beherrschte, wie beim heiligen Quirinus an der Rosenkranzkirche in Fürstätt (1948) oder bei den mittlerweile zerstörten Sportbildern an den Klepper-Werken (1950er-Jahre).
„Da die Bauherrin Elisabeth hieß, bot es sich an, ihre Namenspatronin, die heilige Elisabeth von Thüringen, als Motiv zu wählen. Zudem passt das „Rosenwunder“ der Heiligen natürlich hervorragend zu einem Blumengeschäft“, erläutert die Tochter, die ebenfalls Elisabeth heißt und als Floristin das Geschäft lange Jahre führte.
Die heilige Elisabeth (1207 bis 1231), die als ungarisch-bayerische Prinzessin den Landgrafen Ludwig IV. von Thüringen geheiratet hatte, war bekannt für ihr asketisches Leben und ihre aufopferungsvolle Hilfe für Arme und Kranke. Als ihr Mann einmal misstrauisch kontrollieren wollte, ob sie wieder Brot zu den Bedürftigen bringe, verwandelte sich dies in Rosen und ließ die Wohltäterin makellos dastehen. Genau dieses „Rosenwunder“ wählte Hans Schuster um 1960 für seine Darstellung der Heiligen. Auf Fernsicht konzipiert, reduzierte der Künstler die Details und schuf eine schlichte, klare Frauenfigur in Weiß mit schwarzen Konturen auf braunem Grund, damals noch auf einem hellen Putzhintergrund.
Renovierung bringt
Gemälde in Gefahr
Um 1990 wurde die Fassade des „Blumenhaus Fritz“ renoviert und dazu musste der gesamte Putz abgeschlagen werden. So wäre auch das Wandgemälde verloren gewesen. Doch ein guter Einfall rettete die Heilige. Ein anderer Rosenheimer Künstler, ebenfalls ein langjähriger Freund der Familie Fritz, der etliche Jahre in dem Haus gewohnt hatte, Fried Stammberger, pauste das Gemälde von Schuster durch und brachte es originalgetreu auf dem neuen Putz an. Allerdings etwas weiter oben platziert und auf einem mittlerweile dunkelgrün gestrichenen Putz. So haben wir hier eigentlich zwei Künstler, Hans Schuster und Fried Stammberger.