Rosenheim – Matschige Erde, nasse Pflanzen und Schnecken? So macht den kleinen Gärtnern der Klasse 3c die Arbeit an ihren Gemüsekisten besonders Spaß. Emsig beugen sich die Kinder über Schnittlauch, Radieschen und Co., zupfen welke Blätter und sammeln Schnecken aus der Erde. „Das macht Spaß“, sagt Lilli (9) und macht sich gleich wieder an den Pflanzen zu schaffen.
Drei dritte Klassen der Prinzregentenschule Rosenheim machen beim Projekt „Wrap’n’Roll im Klassenzimmer“ mit. Auf Veranlassung von Ernährungsministerin Michaela Kaniber führen die 47 Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Bayern die Aktion durch. Im Landkreis Rosenheim nimmt dieses Jahr mit der Prinzregentenschule eine „Stadtschule“ mit rund 70 Schülern teil. Das Landwirtschaftsministerium stellte die Saatkisten und Saaten, der Rosenheimer Gärtner Christian Prentl begleitet das Projekt mit seinem Fachwissen.
„Wir haben Erde in Tetra-Paks gefüllt, Samen reingelegt, Erde darüber gefüllt und gegossen“, sagt Lilli. Die Getränkekartons seien ein praktisches Beispiel, wie man mit wenig Platz und Aufwand selbst etwas anbauen könne, erklärt Melanie Reichlmayr, die „Wrap’n’Roll“ für das AELF betreut. Die Pflanzen in den Tetra-Paks dürfen die Kinder am Ende mit nach Hause nehmen. Die Leckereien, die sie in den Gemüsekisten angesetzt haben, werden in der Schule verarbeitet und gemeinsam verzehrt.
„Wir haben Blumendienste, die in jeder Pause nach den Pflanzen schauen“, sagt Daniel (8). Radieschen, Salat, Kapuzinerkresse und Schnittlauch wachsen in den Kisten. „Am leckersten ist Schnittlauch“, ruft ein kleiner Junge und gerät prompt in eine Diskussion mit einer Klassenkameradin, die Salat am leckersten findet.
„Viele Kinder wissen heute nicht mehr, woher das Essen kommt, das sie täglich in ihrer Pausenbox finden“, heißt es vonseiten der Veranstalter. Das soll das Projekt mit dem Beinamen „Wissen, wie’s wächst und schmeckt“, ändern. „Wir wollen zeigen, dass durch Pflege, Liebe, Licht und Sonne Gemüse wachsen kann“, sagt Organisatorin Reichlmayr. Auf diese Weise könne man Themen wie Wertschöpfung und Saisonalität der Produkte vermitteln. Damit wiederum fördere das Projekt die Wertschätzung regionaler Nahrungsmittel.
„Wrap’n’Roll“ richtet sich an zweite und dritte Klassen und setzt Themen des Lehrplanes in Heimat und Sachkunde um. Auf diese Weise könnten auch die städtischen Kinder ihre Liebe zur Natur entdecken. In einem „Pflanztagebuch“ dokumentieren die Schüler ihre Erfahrungen und notieren Wissenswertes über die Pflanzen.
Am Ende der Aktion ist Ernten angesagt. „Wir machen einen Wrap, das ist eine Art Pfannkuchen“, erzählt Daniel. Der wird mit Quark und den selbst gepflanzten Leckereien gefüllt. Für die Projektbetreuerin Reichlmayr geht es bei der Zubereitung der Wraps aber um mehr. „Wir wollen auch Alltagskompetenzen vermitteln“, erklärt sie. Hygiene in der Küche, der Umgang mit Küchengeräten und einfache hauswirtschaftliche Grundlagen lassen sich leichter rüberbringen, wenn am Ende ein leckeres, selbst gemachtes Essen lockt. khe