Haltestelle ohne Unterstand

von Redaktion

Georg-Aicher-Straße: Bushäuschen seit einem Jahr beschlossen – SPD: Passiert ist nichts

Rosenheim – Wer an der Georg-Aicher-Straße in Rosenheim auf den Bus wartet, muss auf gutes Wetter hoffen. Denn weder stadteinwärts noch stadtauswärts gibt es einen Unterstand, der vor Wind und Wetter schützen könnten. Das Problem ist der Stadt bekannt. Vorwärts geht dennoch seit Monaten nichts. Nach einer Anfrage der SPD-Stadt- und Bezirksrätin Elisabeth Jordan soll der Vorgang jetzt „Chefsache“ werden.

Dass die Bushäuschen auf Höhe des Mediamarktes gebraucht werden, steht für alle Seiten außer Frage. Jedenfalls hatte die SPD im April vergangenen Jahres einen entsprechenden Antrag Ausschuss gestellt und Zustimmung dafür von den Stadträten erhalten. Dabei war klar geworden: Ein Häuschen hat die Stadt im Depot stehen, es könnte sofort aufgestellt werden, wenn der betreffende Grundstückseigentümer eine Fläche bereitstellen würde. Ein weiteres Bushäuschen, so hieß es, könne die Stadt kaufen. Die Nutzer der Buslinie sollten endlich Schutz finden. Betroffen sind nicht nur Kunden des Aicherparks sowie Anwohner. Auch Mitarbeiter der Caritas-Wendelsteinwerkstätten stehen zu jeder Jahreszeit an der Georg-Aicher-Straße und warten auf den Bus. Vertreten durch den sogenannten Werkstattrat hatten sie ebenfalls um eine Verbesserung der Situation gebeten.

Nun aber zeigt sich: Ein Jahr später fehlen die Wartehäuschen noch immer. Eine Tatsache, auf die Elisabeth Jordan nach eigener Aussage mehrfach angesprochen worden ist. Eine Tatsache, die sie selbst mittlerweile so verärgert, dass sie sie öffentlich gemacht hat.

Zuvor aber hatte Jordan selbst Nachforschungen angestellt: Zum einen scheint der Kauf eines neuen Häuschens vom Tisch. Das andere, so habe sie von der Stadt erfahren, könne nicht aufgestellt werden, weil es Probleme bei den Pachtverhandlungen mit dem Grundstücksbesitzer gebe. Gemeint ist die Rosenheimer „Irlbacher Hausverwaltung GmbH & Co. KG“. Sie ist Eigentümerin des Gebäudes in der Georg-Aicher-Straße 1. Sie müsste gerade so viel Grund abgeben, dass das Häuschen Platz finden könnte: 4,55 Meter lang, rund zwei Meter tief. Dazu rundum ein wenig Grünfläche, damit Arbeiter einmal im Monat die Glasflächen reinigen können. Insgesamt also keine große Fläche, für die die Stadt im Gegenzug einen gewissen finanziellen Ausgleich gewähren würde. In einer Mail an den Eigentümer gibt die Stadt an, in der Regel „ein jährliches Nutzungsentgelt in Höhe von 100 bis maximal 200 Euro“ vertraglich zu vereinbaren. Allerdings nur dann, wenn ein Wartehäuschen in Gänze auf Privatgrund stehe. Dies sei hier nicht der Fall, daher müsse der Eigentümer mit einer entsprechend geringeren Zahlung rechnen. Ist die Pacht zu niedrig? Liegt darin der Stillstand begründet?

Nein, teilt Sabine Kramer von der Hausverwaltung „Irlbacher“ mit. Auf keinen Fall gehe es ums Geld. Vielmehr warte man seit Monaten auf den Vertrag. Ihn zu unterschreiben, sei keine Frage. Die Notwendigkeit einer überdachten Wartemöglichkeit sei einleuchtend. Allerdings habe die Stadt im November einen falschen Vertrag geschickt. Man habe das reklamiert – und seitdem nie mehr etwas von der Stadt gehört. „Wenn wir den korrekten Vertrag vorliegen haben, könnte es ganz schnell gehen“, sagt Kramer.

Elisabeth Jordan findet die Situation mehr als ärgerlich. Die Stadt habe ihr „seit Monaten“ gesagt, die Pacht sei die Hürde, man könne sich nicht mit dem Grundstückseigentümer einigen. Auf Jordans Anfrage im Ausschuss reagierten die Vertreter der Stadtverwaltung mit der Zusage, der Vorgang sei ab sofort „Chefsache“, eine solche „Schlamperei“ hätte es nicht geben dürfen. Zugleich aber stehe die Frage im Raum, warum sich der Eigentümer nicht mehr gemeldet habe.

Den Fahrgästen der Buslinie ist damit erst einmal nicht geholfen. Sie müssen weiterhin im Freien warten. Aber immerhin: Es ist Sommer.

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