Rosenheim – Gemeinsam und fraktionsübergreifend haben die Rosenheimer Stadträte beantragt, dass die Verwaltung beim Einkauf bevorzugt fair gehandelte Produkte wählen soll. Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (CSU) reagierte verhalten auf das Anliegen, die Verwaltung warnt vor zu hohen Kosten. Grundsätzlich aber gibt es Zustimmung. Rosenheim ist seit 2016 Fairtrade-Stadt.
Keine Waren
aus Kinderarbeit
Die Idee der Stadtratsfraktionen: Die Stadtverwaltung, aber auch die städtischen Gesellschaften und das Romed-Klinikum, sollen bei der sogenannten öffentlichen Beschaffung bevorzugt Produkte kaufen, „die den ökologischen und sozialen Standards des fairen Handels entsprechen“. So ist es in dem Antrag formuliert. Zugleich soll diese Vorgabe auch für die Vergaberichtlinien der Stadt gelten. Sie sollen darauf ausgerichtet sein, dass Auftragnehmer nachweisen, dass sie Produkte verwenden, die den geforderten Kriterien gerecht werden.
Entsprechend breit ist die Produktpalette, über die nachgedacht wird. Sie reicht vom Teebeutel für die Kaffeeküche im Rathaus, über Wäsche fürs Klinikum bis hin zu Pflastersteinen, die in der Stadt verlegt werden. Immer zu fragen ist: Woher kommt das Produkt und unter welchen Bedingungen wurde es hergestellt?
Es gibt Kommunen in Bayern, die mit dieser Form der Beschaffung bereits Erfahrung haben (siehe Kasten). Auch Rosenheim will sich nicht verschließen, doch Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer sieht viel Arbeit und einen hohen Zeitaufwand auf die Mitarbeiter im Rathaus zukommen. „Wir werden dann keine Zeit mehr haben für anderes“, sagte sie. Und reagierte einigermaßen verschnupft auf den Einwand der Stadträte, die Dinge doch einmal anlaufen zu lassen und den Antrag pragmatisch handzuhaben. „Pragmatisch machen wir gar nichts mehr“, sagte sie – mit deutlich ironischem Unterton.
Unterstützung immerhin könnte es von der „Servicestelle Kommunen in der Einen Welt“ geben, die unter dem Dach von „Engagement Global“ agiert. Sie gibt Tipps für Ausschreibungen, stellt für Produkte Kontakte zu Experten her und bietet eine Rechtsberatung an.
Ebenfalls im Raum aber steht in Rosenheim die Frage nach der Wirtschaftlichkeit: Eventuelle Mehrkosten für die Produkte aus fairem Handel dürften nicht „unverhältnismäßig hoch“ sein, teilt die Verwaltung mit. Ein Begriff, der nach Ansicht der Stadträte Spielraum zur Auslegung lässt.
Nun wird noch einmal nachjustiert. Auch von den Stadträten, die ihren Antrag erweitern wollen um den Aspekt der Regionalität. Es soll der Grundsatz gelten: Regional kommt vor Fair Trade.