Rosenheim – Es gibt ein Lied des Sängers Max Raabe aus den frühen 90er-Jahren. Man kennt es aus dem Film „Der bewegte Mann“. Es beginnt mit den Worten: „Kein Schwein ruft mich an“. Für rund 70 Kunden des Telefonkonzerns Vodafone im Stadtgebiet, sowohl private Haushalte wie auch Firmen, ist der beschwingt gesungene Text derzeit frustrierende Wirklichkeit. Genauer gesagt wurden sie schon angerufen, aber es kommt niemand durch.
Ausgangspunkt der Kommunikationsmisere war ein simpler Hardwaredefekt in einer lokalen Verteilstation. Am Mittwochmorgen gab eine sogenannte Karte ihren Geist auf. An sich keine große Sache, so Vodafone-Pressesprecher Volker Petendorf. Allerdings haben die Techniker des Unternehmens diese Karten in der Größe eines Backblechs nicht sofort verfügbar, zumal es davon einige verschiedene Typen gibt. Und die Karte in Rosenheim wird laut Petendorf nicht oft eingesetzt.
Zunächst falsches Ersatzteil besorgt
„Wir haben umgehend recherchiert, wo wir eine Ersatzkarte schnellstmöglich herbekommen. Bei einem Lieferanten in Dormagen wurden wir fündig. Es sah alles danach aus, dass wir den Defekt bis zum Abend würden beheben können“, erläutert der Konzernsprecher. Man habe dann jedoch vor Ort feststellen müssen, dass die Spezifikation des Ersatzteils nicht exakt zur Anlage in Rosenheim passt. Also begann die Suche von Neuem.
Die etwa 70 betroffenen Kunden konnten somit auch am Donnerstag nicht telefonieren. Ungewohnte Stille herrschte zum Beispiel bei der AOK in Rosenheim, wo normalerweise rund 200 Anrufe am Tag eingehen. „Das ist schon ein großes Ärgernis“, sagt Robert Grübl, Bereichsleiter der AOK, im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. „Wir möchten unseren Kunden den bestmöglichen Service bieten, und da sind Telefonate wichtig für uns. Das ärgert uns schon sehr“, so Grübl. Wenigstens hätten die Versicherten bei den AOK-Geschäftsstellen in Bad Aibling, Prien und Wasserburg anrufen können, dort sei die Telefonanlage nicht gestört gewesen.
Ebenfalls betroffen war das OVB-Medienhaus. Ein Medienunternehmen, das telefonisch an zwei Tagen nicht erreichbar ist – ein Unding. Abgesehen von der Redaktion, in der sehr viel telefoniert wird, waren auch die Abläufe in den Bereichen Vertrieb und Anzeigen erheblich gestört.
Kundenservice beim OVB lag nahezu brach
„Anliegen von unseren Abonnenten und Zustellern erreichen uns für gewöhnlich per Telefon und auch viele Anzeigen werden telefonisch aufgegeben“, erklärt Brigitte Jelinek, die den Bereich Kundenservice in beiden Bereichen leitet. „Unsere Beratung lag durch die Störung nahezu völlig brach.“
Auch gleich in der Nachbarschaft des OVB, bei Wolle Rödl in der Prinzregentenstraße, ging telefonisch nichts. „Ich dachte zunächst, dass die Störung innerhalb kurzer Zeit behoben ist“, so Filialleiterin Andrea Roth. Sie habe an zwei Tagen keine Bestellungen machen können. „Das darf an sich nicht sein.“
Die Sache mit den Bestellungen war auch beim Autohaus Vodermayer in der Innstraße das große Problem. „Unser Ersatzteilhandel baut auf Telefonaten auf“, erläutert Tanja Vodermayer, Mitglied der Geschäftsleitung. „Die Händler und freien Werkstätten rufen uns an, um Teile zu bestellen. Da sind Gespräche für Nachfragen notwendig. Dass wir deutlich mehr als 24 Stunden nicht erreichbar waren, verstehe ich einfach nicht“, sagte Vodermayer. Zudem habe sie sich sehr darüber geärgert, dass Vodafone ein „unterirdisches Informationsverhalten“ an den Tag gelegt habe. „Wir tappten schlicht im Dunkeln.“
„Information nicht optimal gelaufen“
Dass die Information im aktuellen Fall nicht optimal gelaufen ist, räumt Pressesprecher Petendorf durchaus ein. Man sei an sich immer bestrebt, die Kunden auf dem Laufenden zu halten. Vor allem dann, wenn es eine derartige Verzögerung gibt wie bei dem Defekt in Rosenheim.
Bis Redaktionsschluss gestern war die Störung immer noch nicht behoben. Zwar habe der Austausch der Karte nach Angaben von Petendorf am gestrigen Nachmittag kurzzeitig die Telefone klingeln lassen. Doch dann hätten falsche Konfigurationen dafür gesorgt, dass der Schaden wieder aufgetreten sei.
„Die Mitarbeiter tun alles Menschenmögliche, dass der Defekt nun so schnell wie möglich behoben wird.“ Auf einen genauen Zeitpunkt will sich der Sprecher allerdings nicht festlegen. Selbst eine Störung über mehrere Tage könne nicht ausgeschlossen werden.