Für eine einfache Lösung entschieden sich die Freisinger. Sie asphaltierten kurzerhand einen Weg über das Pflaster. Foto re
Rosenheim – Barrierefreie Wege in der Rosenheimer Fußgängerzone: Es ist ein Thema, das die Stadt seit mehr als zwei Jahren beschäftigt. In Folge eines Antrags der Freien Wähler/UP Rosenheim sowie des ÖDP-Stadtrats Horst Halser versprach die Stadt zwar Verbesserungen. Konkret geschehen sei aber nichts, beklagt Halser. Bis jetzt.
Pflastersteine
sind abgeschliffen
Die hell-graue Fläche auf dem Kopfsteinpflaster auf Höhe der Heilig-Geist-Kirche fällt sofort ins Auge. Der etwa acht Quadratmeter große Fleck ist eine Musterfläche. Sie zeigt, wie es in Zukunft auf dem Max-Josefs-Platz aussehen könnte. Die Pflastersteine sind abgeschliffen, die Oberfläche ist eben, die Fugen sind bündig gefüllt. Rollstuhlfahrer und Menschen, die nicht gut zu Fuß sind, könnte damit die Fortbewegung erleichtert werden. Denn bisher sorgen die breiten Fugen zwischen den Pflastersteinen und auch die leichten Erhebungen auf dem Max-Josefs-Platz immer wieder für enorme Probleme. Rollstuhlfahrer und Menschen mit Rollator bleiben mit den Rädern in den Zwischenräumen stecken. Krücken und Blindenstöcke bleiben am Pflaster hängen. Eine gefährliche Situation, schon wiederholt sind Menschen gestürzt.
Gerlinde Hofrath (73) und ihr Mann Dieter (74) kennen das Problem. Gerlinde Hofrath hat Parkinson. Sie sitzt im Rollstuhl, ist auf die Hilfe ihres Mannes angewiesen. Ausflüge in die Rosenheimer Innenstadt unternehmen die beiden kaum. Zu groß ist die Anstrengung, den Rollstuhl über das Pflaster zu schieben. Gerlinde Hofraths Rollstuhl ist nicht gefedert. Wenn ihr Mann ihn über das Pflaster bewegt, wird sie durchgeschüttelt – eine Strapaze. Auch das Schieben ist eine Tortur. „Nach 20 Metern muss ich eine Pause machen, weil mir vom Rütteln Kopf und Nacken wehtun“, sagt Dieter Hofrath. Die beiden wünschen sich schon seit Langem eine Lösung für die Fußgängerzone. Die Musterfläche ist für Dieter Hofrath ein „Teilerfolg“. „Es ist besser als nichts, aber gelöst wird das Problem dadurch nicht“, meint er.
Auch Harald Oberrenner (65) steht der neuen Pflasterung skeptisch gegenüber. Der Stephanskirchner sitzt ebenfalls im Rollstuhl. Er fühlt sich ausgegrenzt vom Leben in der Innenstadt. „Ich würde gern zu Demos und Messen gehen, aber es geht einfach nicht“, sagt er. Auf dem Max-Josefs-Platz kann er sich ohne Hilfe nur schwer fortbewegen. Immer wieder bleiben die Räder seines Rollstuhls in den Fugen des Pflasters hängen. „Es ist gefährlich“, sagt er. Sein Blick schweift über den Fleck am Boden, er schüttelt den Kopf. „Das ist eine Alibilösung, ein Feigenblatt.“
Wenn es nach Harald Oberrenner geht, müsste ein glatter Weg her. Sein Vorschlag: ein Plattenstreifen. Eine Idee, die es auch dem Seniorenbeiratsvorsitzenden Josef Kugler angetan hat. „Es muss doch möglich sein, vernünftig über den Max-Josefs-Platz zu gehen“, sagt Kugler. Zustimmung bekommt er von Brigitte Lindmeier, Bezirksleiterin des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes. Lindmeier leidet an einer seltenen Augenkrankheit und sieht gerade einmal drei Prozent. Ohne ihren weißen Blindenstock und die schwarz-rote Sonnenbrille verlässt sie nie das Haus. Sich in der Innenstadt zurechtzufinden, findet sie schwer. „Ich bleibe oft mit dem Stock in den Fugen hängen“, sagt sie. Das Pflaster mache zudem die Orientierung schwierig. Auch sie wünscht sich einen Plattenstreifen.
Keine Zerstörung des historischen Pflasters
Für „kaum realisierbar“ hält dagegen ÖDP-Stadtrat Horst Halser diese Variante. Die Platten seien nicht nur teuer, sondern zerstörten auch das Bild des Kopfsteinpflasters in der Altstadt. Die Pflastersteine abzuschleifen hält Halser für die beste Lösung. „Wir müssen einen Weg finden, der für alle funktioniert“, sagt er.
Thema im Verkehrsausschuss
Wie es weitergehen soll, wird während der Sitzung des Verkehrsausschusses besprochen, am Dienstag, 25. Juni, im Rathaus. Beginn ist um 17 Uhr. Dann wollen Halser und Stadtrat Robert Multrus (Freie Wähler/UP Rosenheim) auch Antworten haben auf ihre offenen Fragen. „Wichtig ist uns vor allem, ob die Verfugung dauerhaft ist und wie der Weg sichtbar bleibt“, sagt Halser.