Der Abschied des Meisters

von Redaktion

Peter Bach beginnt seine Taekwondo-Karriere mit 64 Jahren – mit 81 hört er auf

Rosenheim – Dr. Peter Bach kann mit einem Tritt ein Holzbrett in zwei Stücke zerteilen. Einfach so. Er holt aus, bringt seine Ferse in die richtige Position und zack – das Brett ist durch. Vor 17 Jahren entdeckte der Rosenheimer seine Leidenschaft für Taekwondo, eine koreanische Kampfsportart. Jetzt hat er seine Karriere beendet. Mit 81 Jahren.

Andere Mitstreiter fast 20 Jahre jünger

Ein Leben ohne Sport ist für Peter Bach unvorstellbar. Mit 64 gibt er seine Rosenheimer Zahnarztpraxis auf. Langeweile kommt dennoch nicht auf. Er fährt Ski, spielt viel Tennis. Trotzdem fehlt ihm etwas, gerade in den Wintermonaten. Er sucht nach einer Indoorsportart und wird schnell fündig. „Ich habe mich schon immer für Taekwondo interessiert“, sagt Bach. Durch Zufall erfährt er von dem Kampfkunstzentrum „KwonRo“ an der Isarstraße und nimmt an einem Probetraining teil. Dass die meisten Teilnehmer fast 20 Jahre jünger sind, stört ihn nicht. Das Probetraining gefällt ihm so gut, dass er wiederkommt. Erst einmal, dann zweimal und schließlich an drei Tagen in der Woche. Beim Training trägt er eine weiße Stoffhose, ein weißes T-Shirt und einen weißen Gürtel. Die Gürtelfarbe signalisiert den Rang. Die Farbe Weiß steht für die Reinheit des Schülers, die Unwissenheit.

Nach und nach lernt er die Grundtechniken der Kampfsportart. Er weiß jetzt, wie er seine Arme und Beine zur Abwehr und für den Angriff einsetzen muss. Spaß hat er seit der ersten Minute. Von Muskelkater bleibt er von Anfang an verschont.

Der Fokus beim Taekwondo liegt vor allem auf der Fußtechnik. „Es geht viel über die Ferse“, sagt Bach. Anfangs macht er nur kleine Fortschritte, doch mit der Zeit hat er den Dreh raus. „Er hat sehr hart gearbeitet und sich voll reingehangen“, sagt der Leiter des Kampfkunstzentrums Stefan Roitner. Die harte Arbeit zahlt sich aus: Nach einigen Monaten besteht Bach seine erste Gürtelprüfung. Er trägt ab sofort einen weiß-gelben Gürtel, rutscht also eine Stufe nach oben. Auch die folgenden Prüfungen meistert er mit Bravour.

Für den schwarzen Gürtel, den Gürtel der Meister, trainiert er sechs Monate. Auch am Wochenende. Seiner Frau erzählt er nichts. Sie weiß zwar, dass ihr Mann Taekwondo macht, hat aber keine Ahnung, wie gut er ist.

Die Prüfung zum Schwarzgurt besteht aus drei Teilen, dem Freikampf, dem Bruchtest und einer Abwehrübung. Beim Freikampf muss er seinen Gegner zu Boden bringen, beim Bruchtest das Holzbrett mit der Ferse zertrümmern. Die anderen Teilnehmer sind 30 Jahre jünger. Bach lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Bei jeder Übung zeigt er sein Können, arbeitet hoch konzentriert.

Er besteht die Prüfung, bekommt den schwarzen Gürtel. Die Farbe Schwarz strahlt in der Taekwondo-Familie Autorität und Wissen aus. Aus Peter Bach ist ein Meister geworden. Stolz fährt er nach Hause und zeigt seiner Frau den Gürtel. „Sie hat sich wahnsinnig gefreut“, sagt Bach. Er selbst hätte mit diesem Erfolg nie gerechnet.

Bach ist ganz oben angekommen. Sein Vorbild: Jae-Hwa Kwon. Der Großmeister gilt als der Gründervater des Taekwondos in Deutschland. Bach holt aus seiner schwarzen Tasche einen Bilderrahmen. Auf dem Foto ist der Großmeister zu sehen. „Ich habe zweimal mit ihm trainiert, das waren ganz besondere Momente in meiner Laufbahn.“

Trauer um Karriereende

Die Sportart ist ein Teil seines Lebens geworden. Er mag die Anstrengung auf der Matte und liebt die Grundsätze. Beim Taekwondo geht es um Höflichkeit, Respekt, Bescheidenheit, Ausdauer und Selbstkontrolle. Werte, die Bach wichtig sind und die er selbst verkörpert. „Er ist ein besonderer Mensch“, sagt Stefan Roitner.

Umso größer die Trauer, als sich Bach entscheidet, mit dem Taekwondo aufzuhören. Er wird mit einer Zeremonie verabschiedet. Auch der Zweite Bürgermeister der Stadt, Anton Heindl, nimmt teil. „Es wird mir fehlen“, sagt Bach. Aber er freut sich auch darauf, mehr Zeit mit seiner Frau zu verbringen. Und ins Fitnessstudio geht er weiterhin.

Eins steht trotzdem fest: Seine Taekwondo-Familie wird ihn vermissen. „Er hinterlässt eine große Lücke. Als Mensch und als Sportler“, sagt Stefan Roitner.

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