Die Streitschlichterin

von Redaktion

Interview Tag der Mediation – im Gespräch mit Christiane von Festenberg-Pakisch

Rosenheim – Konflikte hat jeder. Egal ob zu Hause, in der Arbeit oder mit dem Nachbarn. Für einige findet man selbst eine Lösung, andere führen zu endlosen Streitigkeiten und enden vor Gericht. Doch es gibt auch einen anderen Weg: Christiane von Festenberg-Pakisch (54) ist seit einem Jahr bei den Rosenheimer Mediatoren. Ihre Aufgabe: Bei der Suche nach der Konfliktlösung unter die Arme greifen. Am heutigen Tag der Mediation spricht sie über ihre Arbeit und gibt Tipps, wie man einem Konflikt aus dem Weg geht.

Was ist Mediation?

Mediation ist ein Konfliktlösungsverfahren, in dem zwei Konfliktparteien unter Leitung eines Mediators eine möglichst einvernehmliche Lösung erarbeiteten. Das Schöne am Verfahren ist, dass der Mediator nicht die Lösung vorgibt, sondern die Parteien das für sie passende Ergebnis aushandeln. So erarbeitete Lösungen zeichnen sich durch Nachhaltigkeit aus.

Warum sind Sie Mediatorin geworden?

Konfliktbearbeitung ist eine Herzensangelegenheit. Als Jugendliche habe ich festgestellt, dass ich ab einem gewissen Streitpunkt mit meinen Eltern nicht mehr weiterkomme, sondern nur noch Frust empfinde. Ich bin dann oftmals laut geworden, habe Türen geknallt oder war einfach beleidigt. Später als Mutter und Ehefrau wollte ich unbedingt anders reagieren, wusste aber nicht wie. Es war, als ob ich vor einer geschlossenen Wand stehe und den Durchgang nicht finde. Durch Zufall bin ich dann auf das Thema Mediation gestoßen. Seit dem ersten Tag war ich von der Methode der Konfliktbearbeitung fasziniert.

Also lösen Sie Konflikte jetzt anders?

Ja. Wenn ich in eine Konfliktsituation komme, kann ich die andere Meinung stehen lassen. Ich muss nicht immer kämpfen, dass meine ausschließliche Meinung die richtige ist. Damals war ich viel mehr auf Sieg und Recht haben programmiert. Durch die Mediation habe ich gelernt dass Streit und Konflikt Chancen birgt auch seinen Horizont zu erweitern, indem man die Sichtweise des anderen versteht. Zuhören ist richtig wichtig, auch wenn es schwerfällt.

Was machen Konflikte mit Menschen?

Konflikte sind Stress. Egal ob ich mich mit dem Nachbarn oder mit meinem Kind streite. Eigentlich möchten das die Menschen nicht. Aber: Ich weiß, dass man manchmal denkt, dass ein Durchstreiten die einzige Lösung ist. Also kämpft man und besteht auf sein Recht. Dabei ist das oft nur die Hilflosigkeit, weil man an den anderen nicht rankommt, er einem nicht zuhört oder man sich nicht verstanden fühlt. Durch die Mediationsausbildung habe ich gelernt, mit diesen Momenten umzugehen.

Inwiefern?

Wir leben alle auf unserer Insel, in unserer eigenen kleinen Blase. Wir haben unterschiedliche Glaubenssätze, Annahmen, eine unterschiedliche Herkunft und unterschiedliche Kulturen. Das ist Normalität. Das heißt im Umkehrschluss, dass man täglich mit Menschen zu tun hat, die eine ganz andere Vorstellung haben, also von deren eigenen Insel kommen. Und das ist auch okay. Jetzt geht es darum, dass man es als Mediator schafft, dass die Konfliktparteien die jeweilige Wahrnehmung des anderen hört und vielleicht sogar versteht.

Wer meldet sich bei den Mediatoren an?

Es sind hauptsächlich Menschen, denen ein weiteres zukünftiges Miteinander oder Nebeneinander wichtiger ist, als beispielsweise eine Entscheidung durch einen zu bekommen. Es sind Menschen, die letztlich aktiv an einer Lösung ihres Konfliktes mitwirken wollen.

Um welche Konflikte geht es?

Um Beziehungsprobleme. Es geht immer um Menschen, die aus welchen Gründen auch immer, nicht mehr miteinander können. Ob im Beruf, in der Familie oder mit Nachbarn. Es sind immer Beziehungen, die gestört sind.

Und das klappt?

In 98 Prozent der Fälle.

Ist Ihnen ein Fall in Erinnerung geblieben?

Ja, es gibt einen Fall, der ist exemplarisch für viel ähnlich gelagerte Fälle. Es ging um mehrere Geschwister, die sich im Umgang mit den Eltern bezüglich der Pflege fürchterlich in die Haare gekommen sind. Ein normales miteinander Reden war nicht mehr möglich. Selbst in den Mediationssitzungen war es schwer für die einzelnen, sachlich zu bleiben. Die Streitereien gingen bis in die früheste Kinderstube zurück.

Wie ging es weiter?

In der Mediation konnte dann der Blick nach vorne auf das Wohlergehen der Eltern gerichtet werden. Jeder konnte darlegen, was ihm diesbezüglich besonders wichtig ist und so wurde eine Lösung gefunden, hinter der alle stehen konnten.

Wie teuer ist eine Sitzung?

Es wird ein Stundenhonorar mit dem Mediator vereinbart. Es wird also nicht wie beim Anwalt oder Gericht nach dem Streitwert abgerechnet. Das führt dazu, dass die Mediation meistens günstiger ist als ein Streiten vor Gericht.

Wie viele Sitzungen brauche ich?

Das kommt auf die Medianten und die Konfliktthemen an. Oft zeichnet sich nach wenigen Sitzungen eine Lösung ab.

Für diejenigen, die sich eine Sitzung nicht leisten könne. Was gibt es da?

Auf jeden Fall ist es gut, sich bei seiner Rechtsschutzversicherung über eine Kostenübernahme zu informieren. Die meisten Rechtsschutzversicherten haben die Mediation als gutes und günstiges Mittel zur Streitbeilegung erkannt.

Ihre Tipps, um Konflikte zu lösen?

Für mich gilt, auch wenn es schwierig ist und herausfordert: Ich versuche zuzuhören und Fragen zu stellen, worum es dem anderen eigentlich geht. Das gelingt nicht immer gleich gut. Aber ehrlich, es gibt da keinen allgemeingültigen Tipp, der allen guttut und der immer passt. Genau deshalb gibt es die Mediation. Sie ermöglicht es, einen individuellen Weg aus dem Konflikt zu finden.Interview anna Heise

Beratung

Jeden ersten Donnerstag im Monat findet von 17 bis 18 Uhr, eine Beratung an der Prinzregentenstraße 2 statt. Kontakt: info@mediation-rosenheim.de

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