So schwer wie zwölf Elefanten

von Redaktion

THW Rosenheim transportiert Waggon vom Bahnhof ins Übungsgelände

Rosenheim – Es ist vollbracht: Das Technische Hilfswerk (THW) Rosenheim hat in der Nacht auf Freitag einen Doppelstock-Nahverkehrswaggon auf seinem Übungsgelände aufgestellt. Auf dem Gelände nördlich der Ellmaierstraße wird seit einigen Monaten an einer Bahnübungsstrecke gebaut. Die Einsatzkräfte sollen sich somit bestmöglich auf Einsätze wie Entgleisungen und Evakuierungen vorbereiten können.

Stefan Huber und sein Team des THW Rosenheim sind erleichtert. Seit fast einem Jahr tüftelten sie an dem Plan, einen Zugteil vom Rosenheimer Bahnhof zum Übungsgelände zu transportieren. „Die Organisation war irre“, sagt er.

Was auch die Zahlen belegen: Der rote Waggon ist 4,65 Meter hoch, hat eine Länge von 28 Metern und ist 48 Tonnen schwer. 48 Tonnen – das sind in etwa zwölf afrikanische Elefantenkühe. Also keine leichte Aufgabe.

12 Uhr: Los geht es am Rosenheimer Bahnhof. Die Einsatzkräfte vom THW treffen die ersten Vorbereitungen. Sie schrubben den roten Waggon, versuchen, das Graffiti abzubekommen. Die Schwertransportfirma Kübler Spedition trifft ein und baut den Tieflader zusammen.

16 Uhr: Es ist so weit: Der Waggon wird vom Rosenheimer Bahnhof zum Südbahnhof transportiert. Zwei große Autokräne heben den 48-Tonner aus dem Gleis und setzen ihn auf einen Spezialtieflader. Die Mitarbeiter der Schwertransportfirma treffen die nötigen Sicherheitsvorkehrungen. Die erste Hürde ist gemeistert, der Tieflader wird vorerst in der Traberhofstraße geparkt. Jetzt heißt es warten.

Die Rosenheimer Polizei kümmert sich um Halteverbote und Sperrungen. Außerdem müssen die Ampelarme an den Kreuzungen Chiemseestraße/Innstraße und Inn- straße/Schönfeldstraße vor dem Transport abgebaut werden.

21 Uhr: Es geht los. Die Polizei gibt den Startschuss. Der Tieflader mit dem Waggonteil setzt sich langsam in Bewegung. Über Walkie-Talkies verständigen sich die Mitarbeiter der Schwertransportfirma. Von der Traberhofstraße geht es in Schrittgeschwindigkeit über die Happinger Straße und von dort weiter in die Miesbacher Straße. Weiter geht es über die Innsbrucker Straße, Chiemseestraße und Innstraße bis hin zur Schönfeldstraße. Das Problem an dem Transport: Der Tieflader, der von der Länge her die letzte Kurve auf das THW-Übungsgelände nehmen kann, ist von der Achslast zu schwer für die Miesbacher Straße. Die Lösung: Ein zweiter Tieflader muss her. Der ist aber zu lang für die letzte Kurve. Also muss der Waggon in der Schönfeldstraße umgeladen werden.

22 Uhr: Halt in der Schönfeldstraße. Hier laden die Mitarbeiter der Schwertransportfirma den Waggon von einem Tieflader auf den anderen. Es ist Millimeterarbeit. Erneute Verständigung über die Walkie-Talkies. Hubers Telefon klingelt ununterbrochen. Die Polizisten regeln den Verkehr. Es läuft alles nach Plan. Langsam wird der Waggon auf den kürzeren Tieflader gezogen. Eine Stunde später ist es geschafft. Fast. Jetzt heißt es Endspurt.

23 Uhr: Von der Schönfeldstraße fährt der Tieflader mit Schrittgeschwindigkeit in die Ellmaierstraße. „Vor der letzten Kurve hatten wir richtig Muffensausen“, sagt Huber. Seine Sorgen sind unbegründet. Eine halbe Stunde später fährt der Tieflader durch das Tor des THW-Übungsgeländes. Der Waggon ist in seiner neuen Heimat angekommen.

24 Uhr: Zwölf Stunden später ist es geschafft. Der Waggon wird mithilfe eines Autokrans auf das Gleis gehoben. Huber ist zufrieden: „Es ist genauso gelaufen, wie ich es mir vorgestellt habe. Nur viel schneller.“ Möglich machten es insgesamt 65 Kräfte von THW, Feuerwehr, Polizei und Schwertransportfirma. „Es war eine super Zusammenarbeit“, sagt Huber.

Erste Übung

Ende Juli geplant

Und so geht’s weiter: In der ersten Juli-Woche bekommt die Bahnanlage eine Oberleitung. Mit einem Weidenzaungerät soll diese bestromt werden – für noch mehr Realität beim Üben. Wenn die Oberleitung steht, kommen Prellböcke und der Bahnübergang wird hergerichtet. Mitte Juli rechnet Huber mit der Fertigstellung. Die erste Übung soll dann – wenn alles nach Plan läuft – bereits Ende Juli stattfinden.

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