Großangriff der kleinen Plagegeister

von Redaktion

Entspannt in Biergarten, am See oder auf der heimischen Terrasse den Sommer in vollen Zügen genießen: Das ist momentan gar nicht so einfach. Stechmücken machen derzeit vielen Rosenheimern das Leben schwer. Bei Abwehrmitteln gibt es sogar schon Lieferengpässe.

Rosenheim – Elf Mückenstiche alleine am rechten Arm zählte jüngst eine 73-jährige Kastenauerin. Um sich für die Aufenthalte in ihrem Garten besser zu wappnen, wollte sie sich vor einigen Tagen ein Mückenschutzmittel bei einem Drogeriemarkt in der Stadt besorgen. Fehlanzeige!

„Die betreffenden Regale waren komplett leer“, erzählt die Seniorin. Die nächste Lieferung wurde ihr für den Tag darauf angekündigt. Die 73-Jährige war pünktlich zur Stelle. Mit ihr zusammen warteten einige andere Rosenheimer erwartungsfroh auf das Auspacken der frisch eingetroffenen Kartons. Dann die Enttäuschung: „Das Mückenschutzmittel war wieder nicht dabei, weil die betreffenden Firmen anscheinend mit der Produktion und Auslieferung nicht nachkommen.“

Verstärkte Nachfrage in den Apotheken

Kein Einzelfall, wie eine Mitarbeiterin der Rosen-Apotheke in Happing weiß. Auch dort gab es zwischenzeitlich schon Lieferengpässe in Sachen Mückenabwehr. Eine verstärkte Nachfrage verzeichnet man seit einigen Wochen auch in der Alten Apotheke. „Ich lebe jetzt seit 14 Jahren in Rosenheim, aber so schlimm war es mit den Mücken bisher noch nie“, schildert dort eine Angestellte ihre persönlichen Erfahrungen mit den kleinen, blutrünstigen Insekten.

Entscheidend für deren Vermehrung sind nach Meinung von Experten die Witterungsverhältnisse: Nasser Frühling, guter Start für die Mücken. Hinzu kommt für Rosenheim heuer wohl auch noch starke Schneeschmelze und damit verbunden die nach wie vor hohen Pegelstände von Inn und Mangfall. Einige Mückenarten nutzen nämlich für die Eiablage bevorzugt die Überflutungsflächen von Flüssen.

Toni Sket sieht speziell für sein Wirtshaus noch einen weiteren Grund für die übermäßige Vermehrung. Die glasüberdachte Terrasse vom „Johann Auer“ befindet sich direkt über dem geöffneten Mühlbach. Bis jetzt war das kein Problem, denn so Toni Sket, „über dem Bach haben immer Millionen von Spinnen ihre Netze gewoben. Darin hat sich der Großteil der Mücken verfangen. Aber dieses Jahr gibt es dort fast keine Spinnen“, wundert sich der Wirt. Woran das liegt, kann er sich nicht erklären: „Da muss irgendetwas passiert sein, aber ich weiß nicht was“.

Schutzmittel

auf den Tischen

Bei einigen Gaststätten in der Innenstadt stehen die Mückenschutzmittel mittlerweile bereits vorsorglich auf allen Tischen im Freien, bei anderen wird es auf Nachfrage gebracht. Über Umsatzeinbußen klagen die Wirte aber bisher noch nicht. „Es gibt Orte, da ist es viel schlimmer als bei uns, erzählen mir die Gäste“, berichtet Elisabeth Kirner vom Gasthaus zum Stockhammer. Gelassen nimmt die Situation auch Wirt Georgios Vassios vom Duschlbräu: „Viele Gäste treten derzeit schon sehr schnell nach dem Essen den Heimweg an und bestellen kein zweites Getränk. Aber das ist halt so, das ist eben Natur.“

An den Rosenheimer Seen hält sich die Zahl der Mücken überraschenderweise derzeit noch in Grenzen, wie Christian Kokoschka berichtet. Der Rosenheimer führt gemeinsam mit seiner Frau Claudia den „Koko-Beach“-Pavillon am Happingerausee. „Die Lage ist aktuell noch sehr entspannt“, meint er. Für ihn liegt das daran, dass der Happingerausee ein Baggersee ist. „Das ist anders als beispielsweise am Simssee oder Chiemsee mit ihren Zuflüssen. Das Hochwasser hat dort natürlich für ideale Brutbedingungen der Mücken gesorgt. Aber an unseren Seen verändert sich der Pegelstand ja kaum.“

Sollten sich in den kommenden Wochen die kleinen Plagegeister aber auch noch an den Rosenheimer Seen zum Großangriff formieren, weiß Christian Kokoschka schon, was er dann zu tun hat: „Ich habe immer ein biologisches Mittel parat, dass beispielsweise auch Fischer gerne verwenden. Es ist unschädlich und wird mittels Gaskartusche verdampft. Wo dieses Gerät aufgestellt wird, lässt sich kaum noch eine Mücke im Umkreis von 20 Quadratmetern blicken“, ist er überzeugt.

Apothekerin Ursula Schaumberg hat weitere gute Ratschläge parat. „Wer sich in die Natur begibt, kann sich durch weite Kleidung gut schützen“, sagt sie. Für Babys rät sie zum Anbringen von Mückennetzen an Kinderwagen und Bettchen. Wirkungsvoll zur Abwehr seien auch ätherische Öle: „Diese muss man halt etwas öfter auftragen als die chemischen Mittel, die auf dem Markt sind.“

Kühlen gegen

die Schwellung

Wenn die Mücken dann doch zum Zug gekommen sind: „Auf keinen Fall kratzen, sonst könnte sich die Stelle entzünden“. Kühlung sei gut bei Schwellung.

Linderung bringt außerdem, nach Erfahrung von Alexandra Stibane, der Einsatz von Aloe Vera. Zusammen mit ihrem Mann betreibt die Rosenheimerin den Unverpackt-Laden „Nimm’s lose“. Für ihren persönlichen Ausstieg aus dem Plastikzeitalter hat sie schon viele Selbst-Mach-Rezepte auf Tauglichkeit überprüft. Nach ihrer Erfahrung lassen sich auch Anti-Mücken-Sprays leicht herstellen (siehe Kasten).

Aus der Hausapotheke: Tipps gegen die Mückenplage

„30-Sekunden-Anti-Mücken-Spray: Zur Herstellung dieses Sprays sind nur drei Zutaten nötig: Alkohol (mindestens 40 Prozent, zum Beispiel „Prima Sprit“ Ansatzalkohol), Wasser und ätherische Öle. Für eine 100 ml Sprayflasche: 4 EL Alkohol mit 7-10 Tropfen der ätherischen Öle vermengt (Zum Beispiel fünf Tropfen Citronella und drei Tropfen Eukalyptus). Danach die Sprayflasche mit abgekochtem Leitungswasser auffüllen. Fertig ist das Anti-Mücken-Spray. Vor jeder Anwendung nochmals kurz schütteln.

Selbstgemachtes Anti-Mücken-Spray: Für die Herstellung von 50 ml Spray:

- 1 Handvoll frische Spitzwegerichblätter (wächst auf fast jeder Grünfläche)

- 2 EL getrocknete Lavendelblüten

- 200 ml Wasser

- 2 EL Alkohol (mind. 40 Prozent)

- ätherische Öle wie Lemongrass, Zitronen-Eukalyptus, Palmarosa, Rosengeranie

- 1 Sprayflasche mit mindestens 50 ml Volumen aus Blau- oder Braunglas

Alle Arbeitsgeräte und die Hände mit Alkohol desinfizieren – für hygienisches und möglichst keimfreies Arbeiten. Den Spitzwegerich klein schneiden, gemeinsam mit dem getrockneten Lavendel und 200 ml Wasser aufkochen. Zugedeckt zehn Minuten ziehen lassen. 40 ml vom Aufguss abseihen, den Rest für die Hautlotion (zweites Rezept weiter unten) aufheben. In die Sprayflasche zwei Esslöffel Alkohol geben. Die ätherischen Öle darin auflösen (zum Beispiel sieben Tropfen Lemongrass, fünf Tropfen Zitronen-Eukalyptus, drei Tropfen Palmarosa und drei Tropfen Rosengeranie) Mit dem Kräutersud aufgießen und gut schütteln.

Anti-Mücken-Hautlotion:

Als Ausgangsprodukt wird der Kräuteraufguss weiterverarbeitet. Für 50 g:

- Lavendel-Spitzwegerich-Kräuteraufguss (siehe Anti-Mücken-Spray)

- 30 g Bio-Pflanzenöl (zum Beispiel Sonnenblumenöl oder Olivenöl)

- Fünf Gramm Bienenwachs (als vegane Alternative stattdessen drei Gramm Carnaubawachs)

- Ätherische Öle: Lemongrass, Zitronen-Eukalyptus, Palmarosa, Rosengeranie

- Leere Salbentigel

Herstellung: Alle Arbeitsgeräte mit Alkohol desinfizieren. Das Öl mit dem Bienenwachs im Wasserbad langsam erwärmen, bis das Wachs schmilzt Topf vom Herd nehmen und abkühlen lassen. Den Kräuteraufguss in einem hohen Gefäß mit dem Pürierstab mixen und noch einmal kurz aufkochen lassen. Ebenfalls vom Herd nehmen und auf handwarme Temperatur abkühlen lassen. Wenn das Fett eine Konsistenz von zimmerwarmer Butter hat, 20 Gramm von dem Kräutersud dazugeben. Mit dem Pürierstab so lange mixen, bis keine Flüssigkeit mehr sichtbar ist – die Creme wird zu einer homogenen Masse. In einen desinfizierten Tiegel abfüllen und im Kühlschrank aufbewahren.

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