Der Mann am Beckenrand

von Redaktion

Patrick Rohrmüller macht eine Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe

Rosenheim – Heiße Temperaturen, volle Schwimmbecken: Patrick Rohrmüller (24) liebt diese Tage. Der Rosenheimer macht seit zwei Jahren eine Ausbildung zum Bademeister bei den Stadtwerken Rosenheim – und ist dabei nicht nur für die Sicherheit der Gäste verantwortlich.

Patrick Rohrmüller steht am Beckenrand. Sonnenbrille im Gesicht, Tätowierung auf dem linken Unterarm. Er schaut von rechts nach links und wieder zurück. Kurz bleibt sein Blick an der Rutsche hängen, dann schaut er sich weiter um. Seit 7.30 Uhr steht der junge Mann am Beckenrand. Er beobachtet, ermahnt und steht mit Rat und Tat zur Seite.

Platzwunden

und Insektenstiche

Schon als kleiner Bub wollte er Bademeister werden. Der Beruf sei abwechslungsreich und halte immer wieder neue Herausforderungen bereit, sagt er. Von schlimmen Insektenstichen über Platzwunden bis hin zu Jugendlichen, die vom Beckenrand auf andere Leute springen, hat er schon so einiges erlebt. Langeweile Fehlanzeige.

Rohrmüller lebt für Tage, an denen das Thermometer über 30 Grad anzeigt und Tausende Menschen in das Rosenheimer Freibad stürmen. Aber auch bei Regenwetter gibt es für Rohrmüller und seine Kollegen allerhand zu tun. Als „Fachangestellter für Bäderbetriebe“ ist er nicht nur für die Sicherheit der Badegäste verantwortlich, sondern kümmert sich auch um die Technik, die Filteranlage und die 10000 Quadratmeter große Anlage. Er muss den Rasen mähen, Blätter aus dem Becken fischen, Verpackungsreste von der Liegewiese einsammeln, den Beckensauger reinigen und die Bäume schneiden.

„Ein Freibad ist wie ein großer Haushalt“, weiß auch der Bäderleiter der Stadtwerke Rosenheim, Stephan Heidig.

Rohrmüllers Arbeitstag beginnt um 6.30 Uhr mit einem Rundgang durch das Freibad. Er kontrolliert die Technik und die Anlage. Die Reinigung des Wassers übernimmt über Nacht ein Beckensauger. Am Morgen holt Rohrmüller den Sauger aus dem Wasser, reinigt den Filter – und findet dabei alles Mögliche. „Am häufigsten werden Ketten, Piercings und Ohrringe bei uns im Wasser verloren“, sagt er. Im Anschluss beginnt für ihn die Wasseraufsicht. Das Ziel: Unfälle verhindern. Passiert trotzdem mal was, müssen Rohrmüller und seine Kollegen schnell eingreifen. Egal ob Schürfwunden, Insektenstiche oder ein epileptischer Anfall: Seine Ausbildung hat ihn auf solche Situationen vorbereitet. Er leistet Erstversorgung, könnte sofort reanimieren. Die häufigste Verletzung im Freibad sind laut Rohrmüller übrigens Platzwunden, entstanden durch Sprünge vom Beckenrand – ein Verstoß gegen die Haus- und Badeordnung. Halten sich die Gäste nicht an die Regeln, greift Rohrmüller ein. Zuerst wird ermahnt, bringt das nichts, werden Hausverbote ausgesprochen.

Nicht nur aufmüpfige Jugendliche machen den Beruf zu einer Herausforderung – auch die heißen Temperaturen. Um der Hitze am Arbeitsplatz zu trotzen, sucht er sich schattige Plätze oder trägt einen Strohhut. Für die nötige Abkühlung ist auch ein Sprung ins Wasser erlaubt. „Das ist der Vorteil des Berufes“, sagt Heidig mit einem Schmunzeln.

Trotzdem wird es jedes Jahr schwieriger, Mitarbeiter für die Freibäder in der Region zu finden. Rosenheim sei zum Glück nicht betroffen. „Viele Bäder haben verschlafen, einen Nachwuchs auszubilden“, sagt Heidig. Gehen also die „alten“ Bademeister in Rente, gibt es niemanden, der in ihre Fußstapfen tritt. Oftmals müssen die Schwimmbäder dann aus Personalmangel schließen. Damit das in Rosenheim nicht passiert, legt Heidig viel Wert auf die Ausbildung von Nachwuchs.

Unterstützung von Rettungsschwimmern

Das Konzept funktioniert. In der Frühschicht übernehmen zwei Bademeister die Aufsicht, am Nachmittag bis zu fünf. An besonders heißen Tagen gibt es zudem Unterstützung von Rettungsschwimmern. Geplant sei außerdem, in Zukunft einen Sicherheitsdienst einzusetzen, der für Sicherheit und Ordnung auf der Liegewiese sorgt. Der soll die Bademeister an Tagen mit besonders vielen Besuchern entlasten.

Schichtdienst und Arbeit an Feiertagen

Auch Patrick Rohrmüller kann nur vermuten, warum sich viele gegen einen Beruf als Bademeister entscheiden. „Der Schichtdienst stört viele, außerdem muss man an Wochenenden und Feiertagen arbeiten.“ Kein Problem für den 24-Jährigen. Im Sommer arbeitet er im Freibad, im Winter ist er im Rosenheimer Hallenbad tätig. Um Freibäder macht er in seiner Freizeit übrigens einen großen Bogen. Er geht lieber im See schwimmen.

Fakten zur Ausbildung

Die Stadtwerke sind auch weiterhin auf der Suche nach „verantwortungsbewussten Wasserfreunden“. Voraussetzungen: körperliche Fitness, großes Verantwortungsbewusstsein. Fakten zur Ausbildung: Beginn: 1. September, Bewerbeschluss zum Jahresende des Vorjahrs, Berufsschule: staatliche Berufsschule in Lindau.

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