Rosenheim – Jugendliche haben nichts zu melden. Das war zumindest bis jetzt in der Rosenheimer Politik so. Der Stadtjugendring will das ändern. Bei dem Mitbestimmungsprojekt „Bestimmt“ haben Schüler der 8. und 9. Klassen, die Möglichkeit mitzuentscheiden, was in Rosenheim passieren soll.
Keine Form der Mitbestimmung
Eine fehlende Freizeitgestaltung, schlechte Busverbindungen und kein Ort um Feste zu feiern: Es gibt viele Themen, die die Jugendlichen stören. Gefragt werden sie nur selten. Eine feste Form der Mitbestimmung fehlt bislang in Rosenheim. Das ging Sonja Gintenreiter, Sarah Zapf und Markus Bundil vom Stadtjugendring gehörig gegen den Strich. „Es gibt die Jugendlichen und es gibt den Stadtrat. Aber eine Brücke zwischen beiden fehlt“, sagt Bundil. Eine Lösung musste her.
Gesagt, getan: Die drei stellten das Projekt „Mitbestimmt“ auf die Beine. Die Idee sei es gewesen, ein Sprachrohr für die Jugend zu sein und deren Interessen zu vertreten, sagt Gintenreiter, die stellvertretende Vorsitzende des Stadtjugendrings. Nach und nach entwickelten die drei ein Konzept. Sarah Zapf verschickte Infomaterial an die Schulen. Einige Wochen später begann sie, die 13 Schulen in der Stadt zu besuchen. Im Fokus standen die 8. und 9. Klassen. Zapf verbrachte drei Stunden an jeder Schule und informierte Schüler und Lehrer über das Projekt. Die Rückmeldungen seien durchweg positiv gewesen, sagt sie.
Mittlerweile sind die Schulen informiert und die letzten Einladungen an die Politiker verschickt. Am Donnerstag, 11. Juli, ist es soweit. Von 8 bis 13 Uhr können Schüler Vorschläge und Lösungen für Dinge suchen, die in Rosenheim verändert werden sollen. Geplant sei, zu Beginn der Veranstaltung gemeinsam Schlagworte zu sammeln und im Anschluss die Jugendlichen in kleine Gruppen aufzuteilen. In den Gruppen sollen Lösungsvorschläge und Plakate entwickelt werden. Um 12 Uhr kommen dann die Entscheidungsträger aus Politik und Verwaltung, um sich die Vorschläge der Jugendlichen anzuhören. Gintenreiter nennt das den „magischen Moment“. In einer abschließenden Planungsrunde sollen verbindliche Absprachen getroffen werden, inwieweit das jeweilige Thema weiterverfolgt werden kann. Wie erfolgreich das Projekt ist, wird sich zeigen. Auch die Stadt bemühe sich mit unterschiedlichen Veranstaltungsformaten gezielt, die Jugend mit der Politik ins Gespräch zu bringen. Bis jetzt ohne Erfolg, weiß Gintenreiter.
Den Ideen
freien Lauf lassen
Eigene Jugend-Bürgerversammlungen gibt es in Rosenheim nicht. Allerdings hat jeder ab 14 Jahren bei den jährlichen Bürgerversammlungen Rederecht. „Viele trauen sich nicht, ihre Meinung auf der großen Bühne kundzutun“, sagt Gintenreiter. Mit dem Mitbestimmungsprojekt sei es gelungen, eine jugendgerechte Plattform zu schaffen. Die Jugendlichen können sich einbringen, ihren Ideen freien Lauf lassen und Themen in der Gruppe diskutieren – ein wichtiger Schritt in eine Politik, in der Jugendliche ein Mitspracherecht haben.