Rosenheim –Fliegenplage in der Kastenau: Scharenweise fallen sie in Haus und Garten ein, setzen sich auf Arbeitsflächen und Möbel. Sie verschmutzen Fenster, Türen, Geschirr und Essen. „Unappetitlich und unhygienisch“, klagen viele. Ihrem Unmut Luft machten die Kastenauer jetzt mittels Unterschriftenaktion und einem Schreiben an alle Fraktionen des Rosenheimer Stadtrats. In diesem wird eine benachbarte Entsorgungsfirma als Verursacher des Problems benannt. Eine Stellungnahme des Ordnungsamtes scheint den Verdacht zu bestätigen.
Insektengitter
nahezu wirkungslos
Je näher am Bahngleis, desto mehr leiden die Kastenauer heuer unter der extremen Fliegenplage. „Man kommt mit dem Totschlagen nicht mehr nach“, klagt Monika Strauss. Nur kurz Tür oder Fenster geöffnet und schon zieht eine Wolke von Fliegen in ihr Haus – trotz Insektengitter.
Bei vielen Nachbarn die gleiche Situation. „Wenn wir das vorher gewusst hätten, wären wir gar nicht in die Kastenau gezogen“, meinen die Eltern von zwei kleinen Kindern traurig. Aufenthalte im Garten würden sie mittlerweile komplett meiden. Selbst das soziale Leben leide unter der Fliegenplage: „Ein Grillabend mit Freunden ist heuer ein Ding der Unmöglichkeit.“
Natürliche Ursachen scheiden nach Ansicht vieler Kastenauer als Verursacher der übermäßigen Fliegenpopulation aus, nicht zuletzt weil Anwohner in den oberen Stockwerken seit einigen Wochen auch noch ständig einen unangenehmen Geruch nach Abfluss und Müll in der Nase haben.
Das Problem ist nicht neu. „Wir werden schon seit einigen Jahren immer mit Anbruch der sommerlichen Temperaturen durch eine wahre Fliegen- und Geruchsplage heimgesucht“, ärgert sich Monika Strauss. Auch andere alteingesessene Kastenauer bestätigen, dass es dieses Problem in früheren Jahren nicht gegeben hat.
Auf der Suche nach möglichen Gründen machten einige Anwohner bereits 2016 eine Entsorgungsfirma im Industriegebiet Ost als Verursacher aus. Schon damals ging eine Beschwerde an die Stadt. „Danach war für einige Wochen Ruhe und dann ging wieder alles von vorne los“, erinnert sich Monika Strauss.
Um diesmal eine langfristige Lösung zu erzielen, starteten einige Kastenauer eine Unterschriftenaktion und verfassten dazu ein Begleitschreiben an alle Fraktionen des Rosenheimer Stadtrats. „Wir bitten Sie, die Gründe für die Fliegenplage zu überprüfen und gegebenenfalls die Firma entweder zu zügiger und hygienischer Arbeit aufzufordern und dies auch regelmäßig zu überprüfen“, heißt es darin.
Mittlerweile ist die Stadt bereits mit den Beschwerdeführern aus der Kastenau in Kontakt. Auch das Ordnungsamt war schon bei der betreffenden Entsorgungsfirma vor Ort. Die Pressestelle der Stadt Rosenheim teilt hierzu mit, dass bei dieser Kontrolle tatsächlich eine erhöhte Fliegenpopulation festgestellt wurde. Das Unternehmen werde nun in Absprache mit einem Kammerjäger entsprechende Maßnahmen ergreifen.
Unternehmen
bezieht Stellung
„Wir nehmen die Beschwerden der Anwohner ernst“, erklärte Michael Schneider, Pressesprecher der Entsorgungsfirma im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Recycelt werden seiner Auskunft nach an dem betreffenden Standort vor allem Gewerbeabfall, Holz und Glas. Organische Abfälle würde man dort nicht annehmen. Wie sich dennoch Brutstätten für Fliegen entwickeln können, kann sich Schneider höchstens durch unreine Gläser erklären.
Das Unternehmen will jetzt schnellstens Schritte einleiten, um den Fliegen Herr zu werden. „Wir werden industrielle Fliegenfänger aufhängen“, erklärt Michael Schneider. Darunter verstehe man große schwarze Säcke, innen getränkt mit einem Mittel, das Fliegenmaden anzieht und bei Kontakt zuverlässig abtötet.