Für einen schnelleren Verkehrsfluss

von Redaktion

Einjähriger Probebetrieb: In der Innstraße soll die Busspur abgeschafft werden

Rosenheim – Es klingt paradox. In der Rosenheimer Innstraße soll die Busspur weg, damit die Linienbusse schneller vom Schloßberg nach Rosenheim kommen. Dafür hat sich jetzt mehrheitlich der Ausschuss für Verkehrsfragen und Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) des Stadtrats ausgesprochen. Anders als an anderen Stellen in der Stadt verfehlt die separate ÖPNV-Spur hier ihre Wirkung. Ein einjähriger Probebetrieb mit einer neuen Spuraufteilung soll deshalb Klarheit schaffen.

25 Fahrzeuge passieren Innbrücke

Die Zahlen sind enorm. Über 25000 Fahrzeuge rauschen täglich über die Innbrücke zwischen Rosenheim und Stephanskirchen. Das sind beispielsweise doppelt so viele wie über die neue Westtangente im Süden der Stadt. Die Verkehrsabwicklung zwischen den beiden Kommunen ist seit langer Zeit ein Dauerbrenner.

In der Morgenspitze gibt es Staus bis nach Kragling. Das Angebot im ÖPNV ist ausbaufähig und verspätungsanfällig. „Ein kritischer Bereich“, fasste Helmuth Ammerl vom beauftragten Büro Obermeyer Planen und Beraten mit Sitz am Münchener Heimeranplatz zusammen.

Seit Jahren beschäftigt sich der Verkehrsplaner eigenen Angaben zufolge mit der Problematik. Mehr als zehnmal war er an Ort und Stelle und hat sich den Verkehrsfluss von Kragling über den Schloßberg und die Innbrücke bis hin zum Kreisel am Ludwigsplatz angesehen. „Schon die kleinste Störung verursacht einen bis zu einer Stunde langen Rückstau“, sagte er. Und das, obwohl rund 35 Prozent der Autofahrer eigentlich genauso gut über Miesbacher und Innsbrucker Straße nach Rosenheim kommen würden.

Als Lösung aus der Misere schlägt er deshalb ein ganzes Maßnahmenpaket mit mehreren Ansätzen vor. Zum einen müssten die Ampeln entlang der Salzburger Straße und Innstraße aufeinander abgestimmt werden, ein entsprechendes Verbindungsrohr für die Leitungen sei bereits vorhanden. Zum anderen soll die Einmündung der Wasserburger in die Salzburger Straße erstmals eine Ampel bekommen. Hintergrund: Das Reißverschlusssystem, das sich an dieser Stelle im Lauf der Zeit etabliert hat, hindert den Verkehrsfluss im Gesamten. Hier sei die Gemeinde Stephanskirchen in der Pflicht, ihre Hausaufgaben zu erfüllen.

Startschuss

im Herbst

Um die heute oft im Stau stehenden Busse zu beschleunigen, soll zudem die Busspur in der Innstraße wegfallen. Dann fließe der Verkehr insgesamt schneller in die Stadt, was wiederum der Pünktlichkeit der überwiegenden Anzahl der Busse zu Gute komme, so Ammerl. Im Rahmen einer einjährigen Probephase will die Verwaltung entsprechende Erkenntnisse für das weitere Vorgehen sammeln. Los geht es wahrscheinlich im Herbst.

Franz Baumann (Freie Wähler/UP) vermisste eine großflächigere Betrachtung. Man müsse auf jeden Fall die Miesbacher Straße und die künftige Kraglinger Spange in die Berechnungen einbeziehen, bekräftigte er. Nur dann sei eine spürbare Entlastung möglich.

Einen noch großflächigeren Ansatz verfolgte Abuzar Erdogan (SPD). „Das Hauptproblem ist, dass der Verkehr auf dieser Straße einfach zu krass ist“, sagte er. Man könne so viel optimieren wie man wolle. Um den Verkehr nachhaltig zu reduzieren, dürfe man aber eben nicht nur an die Straße denken, so Erdogan. Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer gab ihm recht.

Ein ganz großes Problem in diesem Zusammenhang sei darüber hinaus, dass viele Menschen in den ländlichen Raum zögen, weil sie in der Stadt keinen Wohnraum mehr fänden. „Dann geht man nach Prutting, weil es in Rosenheim keine Möglichkeiten mehr gibt“, nannte sie ein Beispiel. Davon abgesehen sei der massive Autoverkehr nicht nur ein Problem von Rosenheim und Stephanskirchen alleine, sondern des gesamten Kreises.

Rechtsdezernent Herbert Hoch konnte sich nicht verkneifen, auf die Diskussionen zum reaktivierten Bahnhaltepunkt in Stephanskirchen zu verweisen. Dass auf einem möglichen Park-and-ride-Gelände dann im gemeindlichen Einvernehmen ein Café entsteht, sei eine Sache, die er nicht nachvollziehen könne.

CSU-Fraktionsvorsitzender Herbert Borrmann erwähnte, ebenfalls adressiert an das Rathaus Stephanskirchen, die Nordspange samt dritter Innbrücke sowie Nachholbedarf bei der Radwegführung zwischen Schloßberg und Rosenheim. „Wenn sich die Stephanskirchener doch noch zum Bahnhalt überreden lassen, würde das viel bringen“, nahm er das Thema von Hoch auf und ergänzte, sich auch eine Lösung mit einem tageszeitabhängigen Wechselspursystem vorstellen zu können.

„Wir müssen den Verkehr künftig umlegen oder anders steuern“, so der CSU-Fraktionschef. Franz Opperer (Bündnis 90/Die Grünen) regte an, die Innlände als Einbahnstraße zu kennzeichnen, um den Verkehrsfluss nicht mehr durch Linksabbieger zu stören. Der Vorschlag kam gut an.

Unzufrieden mit

den Empfehlungen

Andreas Lakowski (SPD) zeigte sich nicht zufrieden mit den Empfehlungen. Die Stadt werde zurückversetzt in die Situation vorher, in eine Lage der Unzufriedenheit. „Ich will mich nicht dagegen sperren, aber so kommen wir nicht weiter“, brachte er seinen Unmut auf den Punkt. Baudezernent Helmut Cybulska erinnerte nochmals an den Ausgangspunkt.

Aufgrund der hohen Verspätungen sei die Akzeptanz der Buslinien zwischen Rosenheim und Stephanskirchen derzeit nur niedrig. Um mehr Menschen in die Busse zu bekommen, wolle man deren Zuverlässigkeit erhöhen. Tiefbauamtschef Hans-Joachim Stein ergänzte, dass die Umsetzung der Maßnahmen und damit die Effekte auch vom Staatlichen Bauamt Rosenheim und von der Gemeinde Stephanskirchen abhängig seien.

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