Zuhause alt werden

von Redaktion

Caritas und Stadt Rosenheim bringen neues Projekt für Seniorenarbeit auf den Weg

Rosenheim – Die meisten Menschen wollen zu Hause alt werden. Um diesen Wunsch zu erfüllen, gehen die Caritas und die Stadt Rosenheim neue Wege: Auf Wunsch werden ältere Menschen in ihrem häuslichen Wohnumfeld besucht, um dort individuell und passgenau nach Lösungen für ein möglichst langes selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden zu suchen.

Finanzierung durch Stiftung und Lotterie

„Soziale Dienste Seniorinnen und Senioren“, kurz SDS, ist der Titel des Pilotprojekts. Vorerst ist es auf drei Jahre angelegt. Anschubfinanzierung gibt es durch die Gertraud-Stumbeck-Stiftung in Höhe von 90000 Euro und der Deutschen Fernsehlotterie in Höhe von 257000 Euro. Caritas-Kreisgeschäftsführer Erwin Lehmann und Stadtdirektor Michael Keneder sind überzeugt, dass sich SDS auch nach der „Testphase“ als weiterer Mosaikstein der Rosenheimer Seniorenarbeit fest etablieren wird.

Seit Februar diesen Jahres läuft das neue Projekt unter dem Motto „Dahoam gut leben“ langsam an. Vorerst konzentriert es sich auf die Anwohner der Lessingstraße. Schrittweise soll es in den kommenden Monaten auf die anderen Stadtteile ausgeweitet werden. Ansprechpartnerinnen für die Senioren sind Sabine Fischer und Ramona Gehrlicher. Bis jetzt haben die beiden Sozialpädagoginnen 13 präventive Hausbesuche absolviert.

Ihre Erfahrung durchwegs positiv. „Bisher haben uns alle Senioren herzlich willkommen geheißen“, berichteten sie bei einem Pressegespräch im Bürgerhaus Miteinander. Genaue zeitliche Vorgaben gibt es für ihre Besuche nicht. „In der Regel bin ich eine Stunde vor Ort“, erzählt Sabine Fischer. Während dieser Zeit hört sie sich an, was den älteren Menschen ab dem 75. Lebensjahr alles auf dem Herzen liegt. Danach wird nach Möglichkeiten und Wegen gesucht, um die Lebenssituation zu verbessern.

In der Stadt Rosenheim leben nach Auskunft von Sozialamtsleiter Christian Meixner aktuell rund 63900 Einwohner. 20 Prozent, also rund 13 000 Menschen, sind über 60 Jahre alt, rund 6800 über 75 Jahre. 810 Senioren benötigen eine Grundsicherung im Alter.

Die Hilfen, die sich ältere Menschen wünschen, sind in vielen Fällen gar nicht so groß. Vor allem Einsamkeit ist ein Thema, mit dem Sabine Fischer und Ramona Gehrlicher bei ihren Hausbesuchen oft konfrontiert werden. „Viele Familien leben heutzutage weit weg, aber die Senioren wollen trotzdem unbedingt in ihrer Wohnung bleiben“, berichten sie. In solchen Fällen sei es schon gut, Kontakte mit den Nachbarn herzustellen. Den Alltag entscheidend erleichtern könne außerdem Unterstützung bei Einkäufen oder Arztbesuchen.

Die Hemmschwelle dafür sei aber aus eigenen Antrieb heraus oftmals groß. Genau da setzt die Arbeit der beiden Sozialpädagoginnen der Caritas an: „Bei unserer Arbeit geht um ganz praktische, alltägliche Hilfen“.

Viele Senioren seien oftmals von der Vielzahl der Möglichkeiten überrascht: „Unser Sozialsystem gibt viel her. Man muss es halt nur wissen.“ Nach ihren Einsätzen vor Ort geht es für Sabine Fischer und Ramona Gehrlicher deshalb in vielen Fällen zuerst einmal die Sozialgesetzbücher rauf und runter. Danach wird konkret ämterübergreifend nach Hilfen direkt vor Ort gesucht.

Die Hausbesuche sind kostenlos. Für alle Gespräche gilt die Schweigepflicht. Besucht werden nur Senioren, die sich diesen neuen Service von Caritas und Stadt ausdrücklich wünschen und anfordern. Für Bürger, die ihr Zuhause nicht für Fremde öffnen wollen, gibt es Alternativen. Geplant sind beispielsweise Beratungstermine in den Bürgerhäusern. „Grundsätzlich wäre auch ein Gespräch auf einer Parkbank möglich“, meint Sabine Fischer.

Um sich ein möglichst detailliertes Bild von der jeweiligen Lebenssituation eines Menschen machen zu können, sei es aber natürlich von Vorteil, Einblick in dessen unmittelbares Lebensumfeld zu bekommen. Neben den präventiven Hausbesuchen beinhaltet SDS ein weiteres Standbein: Das Sozialamt kann in Zukunft auch anlassbezogen Hausbesuche beauftragen, wenn sich eine Notlage abzeichnet oder bereits besteht.

Tragfähige

Netzwerke

Alfons Maierthaler, stellvertretender Vorsitzender der Gertraud Stumbeck Stiftung, spricht von einem „innovativen Weg“, Caritas-Kreisgeschäftsführer Erwin Lehmann ist sich sicher, dass auf SDS in Zukunft auch andere Städte aufmerksam werden. In den kommenden Monaten sollen nun mit möglichst vielen weiteren Projektpartnern tragfähige Netzwerke geschaffen werden, um so für alle Lebensbereiche von älteren Menschen Hilfen anbieten zu können.

Senioren, die sich für „Dahoam gut leben“ interessieren, können sich mit Sabine Fischer und Ramona Gehrlicher unter Telefonnummer 08031/20370 oder per E-Mail an czrosenheim@caritasmuenchen.de in Verbindung setzen.

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