Rosenheim – Seit fünf Jahrzehnten ist Josef Obermaier nun Priester. 1969 zum Priester geweiht, ist er nach Aussagen vieler Wegbegleiter „uneingeschränkt für andere Menschen da gewesen, hat sich die Sorgen vieler Suchender angehört und gute, ehrliche Ratschläge gegeben“. Am kommenden Sonntag, 14. Juli, um 19 Uhr wird bei einem Festgottesdienst in der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus mit anschließendem Stehempfang am Kirchplatz das Priesterjubiläum gebührend gefeiert.
„Von Mensch zu Mensch“ – so lautete in den 80er-Jahren der Titel einer bekannten Radiosendung, die alle zwei Wochen über zehn Jahre lang vom Bayerischen Rundfunk am Samstagabend in der Stunde vor Mitternacht ausgestrahlt wurde. Dabei ging es Josef Obermaier nicht darum, den ratsuchenden Anrufern perfekte Lösungen anzubieten. Ihm ging es darum, den einzelnen Menschen mit seinen Problemen ernstzunehmen, geduldig zuzuhören und zarte Hinweise für mögliche Lösungen zu geben.
50 Jahre Priester zu sein, in einem Beruf zu leben und zu arbeiten, der oft nicht einfach ist. Dazu immer so fit und agil zu sein. Das ist nach Ansicht von Obermaier „kein Verdienst, sondern in erster Linie ein Geschenk Gottes“. Zudem gehöre ein „gewisses Quäntchen Glück und Lebenskunst“ dazu.
„Ich war ein Revoluzzer“
Trotz Obermaiers eigener Einschätzung – „Ich war ein ‚Revoluzzer‘“ – stand dem jungen Priester nach seiner Weihe ein steiler Werdegang bevor: Kaplan in der Pfarrei Heilig Blut in München von 1969 bis 1973, gleichzeitig wirkte er als Jugendseelsorger im Dekanat München-Bogenhausen und von 1973 bis 1976 als Regionalkaplan in den Dekanaten München-Aubing und München-Pasing. 1976 wurde er zum Stadtjugendpfarrer Münchens berufen.
Der Höhepunkt seines Wirkens in dieser Zeit war wohl der Besuch von Papst Johannes Paul II., für dessen Begegnung mit der Jugend er verantwortlich war. Von 1982 bis 1991 galt sein priesterliches Wirken der Pfarrei St. Johann Baptist in München-Haidhausen, der er als Stadtpfarrer vorstand.
Ein wesentlicher und besonderer Einschnitt in Pfarrer Obermaiers priesterlichen Dienst war seine Ernennung zum Ordinariatsrat und zum Leiter der Abteilung III „Bildung und Beratung“ sowie zum Jugendreferenten im Erzbischöflichen Ordinariat München. Im Jahre 1993 wurde er als Domkapitular investiert und gehörte somit dem Metropolitankapitel München an.
Firmvollmacht übertragen
Viele weitere Aufgaben bekam Josef Obermaier übertragen: Diözesanseelsorger des Malteser Hilfsdienstes, 1998 Übertragung der Firmvollmacht und Verleihung der Würde eines Päpstlichen Ehrenprälaten. Von 2002 bis 2010 bekleidete Prälat Obermaier das Amt des Seelsorgereferenten für allgemeine Seelsorge und im Jahre 2011 übernahm er das Referat für fremdsprachige Missionen.
Ab 2012 oblag dem heutigen Jubilar die Leitung der Hauptabteilung „Integration und Migration“ im Erzbischöflichen Ordinariat München, bis er im Oktober 2015 in den Ruhestand eintrat. Jetzt geht es ihm wie vielen anderen Ruheständlern. „Die Zeit ist knapp. Ich habe immer noch viel zu tun.“
Eigentlich hätte sein Lebensweg auch anders verlaufen können. Doch wie hat schon Johann Wolfgang von Goethe gesagt: „Auch aus Steinen, die in den Weg gelegt werden, kann man etwas Schönes und Nützliches bauen!“ Sein Weg vom Kaplan bis „hinauf“ in das Erzbischöfliche Ordinariat München war nicht steinig, aber es gab viele Hürden zu überwinden. Doch Obermaier hat auf den Ruf Gottes vertraut. Auch im Ruhestand ist der Jubilar noch immer unterwegs bei Firmungen, besonderen Anlässen, bei Festen und Feiern.
Weggefährten
loben Verlässlichkeit
Weggefährten des Jubilars sind sich einig: „Er ist ein Priester mit Leib und Seele und ein starker Stützpfeiler für die katholische Glaubensgemeinschaft in der Erzdiözese. Ein Prälat, auf den uneingeschränkt Verlass war und auch heute noch ist.“