Rosenheim – Sie sehen hässlich aus, sie transportieren Anfeindungen und sie zu entfernen kostet richtig Geld: Die Rede ist von Graffiti und Schriftzügen, die über Nacht auf Mauern gesprüht werden. In diesem Fall auf die Mangfallmauer. Sehr zum Ärger der Anwohner – und letztlich auch der Stadt, die das, was viele auch einfach nur „Schmierereien“ nennen, für teuer Geld entfernen lassen muss.
„Besonderes Nest
von Chaoten“
Die jüngsten Aufnahmen hat ein OVB-Leser gemacht. Und schreibt dazu, es entstehe der Eindruck, dass „im näheren Bereich der Innbrücke ein besonderes Nest von Chaoten gehegt“ werde. Denn wiederholt seien dort bereits über Jahre Parolen zu sehen, wie die, die bis vor einigen Tagen die Mangfallmauer „zierte“. Aus dem Englischen übersetzt steht da: „Immer noch keine Gerechtigkeit, kein Frieden, und immer noch Kampf gegen die Polizei. Nieder mit dem Patriarchat.“ Der Inhalt und das dazu angegebene Zeichen O5-A lässt annehmen, dass es sich um eine Parole aus der antifaschistischen, linken Szene handelt. Dazu mag passen, dass sich nur ein Stück weiter von der Mangfallmauer das linke Infozentrum „Z“ befindet, in dem sich Menschen treffen, die der linken Szene angehören.
Die wiederum sei in Rosenheim nicht wirklich fest umrissen, sagt Robert Maurer, der Medienbeauftragte der Polizei in Rosenheim. Aber man kenne sich, nicht zuletzt dank eines „szenekundigen Beamten“, der regelmäßig im Dialog stehe mit den Linken. Die Erfahrung zeige, dass der Einzelne solchen Gesprächsangeboten durchaus offen gegenüberstehe. In der Gruppe allerdings überwiege dann aber zumeist das „Imponiergehabe“. Insgesamt aber, urteilt Maurer, halte sich das alles „in einem überschaubaren Rahmen“ und habe nicht spezifisch mit Rosenheim zu tun. Vielmehr gehe es den Linken darum, ihre grundsätzliche Haltung und Meinung kundzutun – praktisch egal, wo.
Doch was macht es mit ihm und seinen Kollegen, wenn sie die verbalen Angriffe auf die Polizei lesen? Gerade in einer Zeit, in der die Übergriffe auf Einsatzkräfte zunehmen? „Natürlich ist es nicht schön, so etwas zu lesen. Aber Angst vor Angriffen haben wir nicht“, sagt Maurer.
Die Täter zu ermitteln ist nur schwer möglich. Denn man könne sie so gut wie nie auf frischer Tat ertappen, da sie am liebsten in der Dunkelheit unterwegs seien, also spätabends oder in der Nacht. In der Folge können die Sprayer auch in der Regel nicht dazu verdonnert werden, den Sachschaden zu bezahlen, den sie auf Mauern und an Wänden anrichten.
Die Reinigungsarbeiten und die Kosten bleiben daher so gut wie immer an der Stadt Rosenheim hängen und damit letztlich am Steuerzahler. Jedes Mal aufs Neue müssen Mitarbeiter des Rosenheimer Bauhofs ausrücken und die Parolen abwaschen, manchmal auch die beschmierten Flächen neu tünchen. Im Schnitt kostet das 2000 bis 3000 Euro pro Putzaktion, meldet die Stadt. Übers Jahr kommen auf diese Weise „mehrere Zehntausend Euro“ zusammen. Gerade rund um den Mangfallplatz registriert die Stadtverwaltung nach eigenen Angaben in der jüngsten Zeit vermehrt Schäden durch Graffiti.
Keine Lösung
in Sicht
Letztlich scheint es ein aussichtsloser Kampf zu sein zwischen den Sprayern und den Bauhof-Leuten. Denn wer genau hinschaut, kann sehen, dass die Mangfallmauer schon mehrfach heimgesucht und verschandelt worden ist. Ältere und alte Parolen scheinen durch auf der hellgrauen Fläche. Ein Zustand, der sich auf vielen Mauern und Wänden in Rosenheim in ähnlicher Form zeigt.
Echte Abhilfe wird es vermutlich nicht geben. Schade allerdings wäre, wenn die Sorge des OVB-Lesers wahr würde. Zu seinen Fotos schreibt er: „Man muss an die mögliche Wirkung auf Passanten (Dauerbeeinflussung) denken, eine weiterhin schleichende Verrohung und Radikalisierung ist doch sicher nicht wünschenswert.“ Seine Mail hat er auch an das Ordnungsamt geschickt.