Rosenheim – Eine begehbare Terrassenlandschaft, eine bewachsene Gerüststruktur oder eine lebenslange Lernspirale: Sechs Masterstudentinnen des Studiengangs Innenarchitektur der Technischen Hochschule haben sich mit der baulich-gestalterischen Weiterentwicklung rund um die Rosenheimer Stadtbibliothek beschäftigt. Die Entwürfe hängen noch bis Freitag, 26. Juli, in der Stadtbibliothek aus.
Fokus liegt auf
Fläche am Salzstadel
Christine Maier (23) und Inga Niehörster (24) sind zufrieden. Gemeinsam mit vier Kommilitonen erarbeiteten die angehenden Innenarchitektinnen sechs Entwürfe, die zeigen, wie die rot-weiße Fläche am Salzstadel in Zukunft aussehen könnte. Die Anregung dazu kam von der Professorin Denise Dih. Sie hatte sich von dem weltweiten Wettbewerb „Future Library“ inspirieren lassen. Während es bei ihm darum ging, eine „Bibliothek der Zukunft“ zu kreieren, will Dih, dass sich ihre Studentinnen etwas für die Fläche am Salzstadel einfallen lassen. Die Aufgabenstellung sei relativ frei gewesen, sagt Maier. Im Vordergrund stand, der Fläche eine neue Bedeutung zu geben.
Besagte Fläche ähnelt im Moment einem Schachbrett. Geht es nach den sechs Studentinnen, soll hier in Zukunft ein Gebäude stehen, das zwölf Meter lang, zwölf Meter breit und zwölf Meter hoch sein wird. Ein Würfel also. „Wir haben überlegt, was Rosenheim braucht“, sagt Inga Niehörster. Sie machten Umfragen, diskutierten mit der Leiterin der Stadtbibliothek, Susanne Delp, über die Zukunft der öffentlichen Bibliotheken.
Nach den Gesprächen wurde deutlich, dass sich viele einen „dritten Ort“ wünschen. Im Falle von Maier und Niehörster einen „Ort für Studenten“. „In der Hochschule gibt es zwar Lernplätze, aber mehr als vier Menschen können sich dort nicht treffen“, sagt Maier. Die sechs Studentinnen arbeiteten wochenlang an ihren Entwürfen. Sie recherchierten und ließen sich von anderen Ideen inspirieren. „Wir wollten weg vom klassischen Lernen am Schreibtisch“, sagt Niehörster. Ein Ansatz, der auch Delp wichtig ist: „Mein Wunsch war es, dass sich die Studentinnen vom bisherigen Bibliotheks-Bild lösen.“
Also überlegte sich Maier ein Konzept, das auf dem Prinzip einer Spirale beruht. Ihr Entwurf trägt den Namen „Der Weg ist das Ziel“. Das lebenslange Lernen spiegelt sich im Verlauf der Spirale wider, welche niemals endet und stets weiter wächst. Kommilitonin Xiao Yin Kong orientierte sich bei ihrem Semesterprojekt an einem zwölf Meter hohen Baumstumpf. Der Block ist hohl, der Zugang erfolgt über den Eingang unten.
Die Konzepte stehen, jetzt machen sich die Studentinnen an den Bau der Modelle. Nach und nach nehmen auch sie Gestalt an.
Begeisterung bei der Leiterin der Bibliothek
In einer Abschlussbesprechung stellen die sechs Frauen ihre Projekte vor. Mit dabei: Verantwortliche vom Stadtplanungsamt, vom Kulturamt und der Stadtbibliothek.
Das auf dem Vorplatz ihrer Bibliothek in Zukunft ein Ort für Studenten entstehen könnte, dagegen hat Susanne Delp nichts einzuwenden. „Das würde dem Platz guttun. Es soll ein lebendiger Ort werden, an dem sich Leute begegnen.“ Außerdem könnte das Gebäude auch für Vorträge, Lesungen, Yoga-Stunden oder als Café genutzt werden, sagen die Studentinnen.
Mittlerweile ist das Semester beendet und die Entwürfe hängen in der Stadtbibliothek aus. Wie es jetzt weitergehen soll, steht in den Sternen. Eines steht fest: Schon jetzt gibt es viele Befürworter für das Projekt.