Rosenheim – Das offizielle Ausscheiden von Kurt Müller (SPD) aus dem Rosenheimer Stadtrat hat Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (CSU) für eine umfassende Würdigung des beherzten Sozialdemokraten genutzt. Müller (76) hat sein Amt nach 47 Jahren aus gesundheitlichen Gründen abgegeben. Auch der Fraktionsvorsitzende und Oberbürgermeisterkandidat der SPD, Robert Metzger, fand große Worte für Müller.
Besondere Art
des Engagements
In Abwesenheit des langgedienten Kommunalpolitikers sagte Bauer während der jüngsten Stadtratssitzung, Müller habe sich „auf eine besondere Art“ engagiert. Dass er nun nicht mehr Mitglied des Gremiums ist, sei eine „echte Zäsur“. In Bayern gebe es „ganz wenige Kommunalpolitiker“, die sich so engagiert hätten er. Während seiner politischen Arbeit habe Müller in Rosenheim drei Oberbürgermeister erlebt und die Fraktion der SPD „ganz entscheidend“ geprägt. Mit seinem beinahe fünf Jahrzehnte währendem Einsatz ist Müller der dienstälteste Stadtrat in Rosenheim. Laut Bauer damit „eine Institution“. Für sein Wirken hatte Müller im Jahr 2009 die Kommunale Verdienstmedaille in Silber erhalten.
Müller, so sagte Bauer, sei eine „besondere Persönlichkeit“. Einer, der sich einsetzte für seine Überzeugungen. Dazu zählte insbesondere der Erhalt der Kaltenmühle. Um sie zu retten, hatte der Sozialdemokrat eigens einen Verein gegründet und er gab keine Ruhe – im positiven Sinne – bis der Erhalt der Mühle gesichert war. „Seine Beharrlichkeit ist besonders“, sagte Bauer. Eine Beharrlichkeit, die wohl auch die Menschen in der Stadt zu schätzen wissen, ebenso wie bei Müller daheim im Ortsteil Happing. Müller, der sich auch als Verleger einen Namen gemacht hat, habe einen „unglaublichen Kontakt zur Basis“, sagte Bauer.
Suche nach großem
politischen Wurf
Parteifreund Robert Metzger befand, Müller sei ein „Kommunalpolitiker durch und durch“. Schon seit einigen Jahren sei er gesundheitlich angeschlagen, habe aber dennoch lange Zeit weitergemacht. „Er hatte den Ehrgeiz, sich von seiner Krankheit nicht niederringen zu lassen.“ Auch das mag ein Wesenszug von Kurt Müller sein: Nicht aufzugeben, weiterzumachen – immer auf der Suche „nach dem großen politischen Wurf“, wie Metzger sagte, der Müller seit mehr als 30 Jahren kennt. In besonderer Erinnerung bleibt Metzger der Wahlkampf im Jahr 1988, den Kurt Müller als echte Herausforderung gesehen und für den er sich das „Hase und Igel“-Plakat ausgedacht hatte.
So einen wie Müller gebe es heute nur noch selten, sagte Metzger. „Er ist einer mit Ecken und Kanten. Nicht so glatt gestrichen.“ Für ihn seien Unternehmertum und soziales Engagement kein Widerspruch. Ein Mann, der mit seinen politischen und gesellschaftlichen Ambitionen viel bewegen konnte. „Wir haben Respekt vor seiner Leistung“, sagte Metzger.bw