Rosenheim – Der Hartplatz am Ignaz-Günther-Gymnasium in Rosenheim ist ein beliebter Treffpunkt. Nicht nur für die Gymnasiasten. Nicht nur während der Schulzeit. Und genau das führt zunehmend zu Problemen: Nachbarn beschweren sich, Müll bleibt liegen und immer wieder geht an den Basketball-Anlagen etwas kaputt. Hilfe tut Not.
Karl-Heinz Brauner, Lehrer am Ignaz-Günther-Gymnasium und zugleich Stadtrat der Grünen in Rosenheim, ist keiner, der Dinge aufbauscht. Eher sucht er das Gespräch, setzt auf Verbindlichkeit und ein gutes Miteinander. Wohl auch deshalb engagiert er sich als Beratungslehrer. Jetzt aber, im jüngsten Schulausschuss, fand er deutliche Worte für die Situation am Gymnasium: „Es ist kein extremer Vandalismus. Aber wir haben wirklich ein Problem“, sagte er und bat die Stadt um Unterstützung.
Auch Schulleiter Dieter Friedel beklagt, was auf dem Schulgelände passiert. Dabei gehe es nicht nur um den Hartplatz, sondern gleichermaßen um den Park, der rund um die Schule angelegt ist. Auch hier treffen sich Jugendliche, nutzen das Gelände – gerade im Sommer – bis spät in den Abend hinein. Flaschen blieben liegen, häufig auch Scherben, sagt Friedel. Besonders unangenehm sei es immer dann, wenn diese Jugendlichen schulische Veranstaltungen im Freien störten. Friedel sucht dann den Kontakt, bittet die Heranwachsenden, das Gelände zu verlassen. Mit gemischtem Erfolg: „Manche verstehen es sofort, andere nicht. Dann wird es schwierig“, sagt er. In der vorvergangenen Woche sei „das Fass voll“ gewesen. Friedel wandte sich an die Stadt. Das Schulamt als Sachaufwandsträger ist informiert. „Es wird uns etwas einfallen“, sagt er. Seine Sorgen aber bleiben erst einmal bestehen.
Die Situation zu entschärfen erfordert einen gewissen Spagat: Auf der einen Seite, das betont auch Friedel, soll der Hartplatz offen sein für junge Menschen, die gerne Basketball spielen. Das Schulgelände abzuriegeln ist derzeit nicht möglich – und eigentlich nicht gewünscht. Über eine Videoüberwachung habe man bereits nachgedacht, sagte Brauner im Ausschuss. Doch bei aller Sorge fühlen sowohl er als auch Friedel ein gewisses Unbehagen. Die Schule will sich nicht abschotten, will ein Raum der Begegnung bleiben.
Zur Diskussion steht jetzt eine Anzeige bei der Polizei. Zwar habe die ehrenamtliche Sicherheitswacht das Gymnasium schon mehrfach in ihren Streifengang einbezogen. Geholfen habe das aber nicht, sagt Friedel. Bisher sei das Problem bei der Polizei auch nicht bekannt, sagt Robert Maurer, der Medienbeauftragte der Polizei Rosenheim. Er rät dringend zur Anzeige, denn nur dann könne die Polizei gezielt vorgehen. Wie er erklärt, erfolgt der Einsatz der Sicherheitswacht nach einem „kleinen freien Modell“. Das bedeutet, die ehrenamtlichen Einsatzkräfte wählen ihre Route selbstständig aus, schauen aber täglich in einen Ordner, in dem die Polizei besondere Problemecken der Stadt aufgelistet hat. Diese werden dann in den Rundgang einbezogen. In diesen Ordner könnten der Hartplatz und der Park des Ignaz-Günther-Gymnasiums aufgenommen werden.
Einen weiteren Vorschlag brachte Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (CSU) ein: Sie schlug vor, über Streetworker nachzudenken, die gezielt auf die Jugendlichen zugehen könnten.