Vorerst letzter Auftritt für die Filmrolle

von Redaktion

Beim Open-Air-Kino am Salzstadel ändern sich die Zeiten: 2020 wird es digital

Rosenheim – Eine Woche lang Kino im Salzstadel, das macht der Rosenheimer Verein „Kinokultur“ möglich. Noch bis Samstag, 3. August, läuft die Kino-Kultur-Woche, die am Freitag mit dem Film „Schwere Jungs“ ihren Auftakt nahm. Und wohl zum letzten Mal flimmern diesmal ausschließlich analoge Filme über die Leinwand. Ab dem nächsten Jahr soll auf Digital umgestellt werden.

Die Filmvorführungen beginnen mit Einbruch der Dunkelheit. Doch schon viel früher machen sich die Cineasten auf den Weg zum Salzstadel, mit Picknick-Decken, Kissen und Klappstühlen unterm Arm. Der vorläufige Höhepunkt in Sachen „Originalität“ gelang im vergangenen Jahr Studenten, die eine Eckbank-Garnitur ankarrten, inklusive Bierkrügen, die sie sich nach dem Transport-Stress dann gleich einmal vor Ort von den Veranstaltern auffüllen ließen.

Eine Vereinsfamilie

mit Liebe zum Kino

Gegründet hatten den Verein „Kinokultur“ vor neun Jahren Bastian Schröger und Christian Anner, heute 28 und 34 Jahre alt. Ihr ursprünglicher Plan, das alte Capitol-Kino an der Prinzregentenstraße zu erhalten, scheiterte an den finanziellen Mitteln, und so kam der Verein schließlich auf die Idee mit den Open-Air-Veranstaltungen. An der Spitze steht, neben Schröger und Anner, Fabian Dandlberger, 23 Jahre alt. Insgesamt zählt der Verein derzeit 32 Mitglieder, darunter Studenten ebenso wie Bankangestellte und Handwerker. Was sie eint, ist die Liebe zum Kino.

Darum packen alle immer wieder aufs Neue ehrenamtlich mit an, um den Rosenheimern unterhaltsame Kinoabende unter freiem Himmel zu ermöglichen. Mittlerweile organisieren sie derartige Veranstaltungen auch andernorts. Sogar in Berlin sind die Veranstalter aus Rosenheim seit einigen Jahren regelmäßig zu Gast. „Wir fühlen uns im Verein alle als große Familie. Dafür opfert man gerne seine Freizeit“, sagt Bastian Schröger.

Ein Blick in den mobilen Vorführraum des Vereins lässt alte Kinozeiten aufleben. Das Herzstück ist der große Filmprojektor – eines der letzten Überbleibsel aus dem Capitol-Kino. Das Problem an diesem Stück Zeitgeschichte: Mittlerweile sind bereits 98 Prozent der Kinos in Europa digitalisiert. Filmrollen sind damit überflüssig und werden kaum noch hergestellt. „Darum wird es für uns immer schwieriger, aktuelle Filme zeigen zu können“, sagt Bastian Schröger.

Ein digitales Vorführgerät kostet mindestens 60000 Euro. Viel Geld für den gemeinnützig arbeitenden Verein, der für seine Vorführungen keinen Eintritt verlangt, um auf diese Weise auch Menschen mit geringem Einkommen in den Genuss eines unterhaltsamen Kinoabends kommen zu lassen. Doch jetzt ist die Umstellung für das kommende Jahr geplant. Rund 10000 Euro fehlen dem Verein allerdings noch. Mithilfe von Crowdfunding soll die Finanzierung klappen.

Ganz enden lassen wollen die drei Vorstandsmitglieder die Zeit mit den rund 40 Kilogramm schweren Filmrollen nicht. „Wer sich unseren Vorführwagen einmal genauer anschaut, bemerkt zwei Fenster. Aus dem größeren Fenster heraus werden zukünftig die digitalen Filme ausgestrahlt. Aber wir werden auch immer wieder einmal einen analogen Film mit dem alten Projektor ausstrahlen, der Nostalgie wegen. Dafür gibt es das kleinere, zweite Fenster“, sagt Schröger.

Finanzierung

ist schwierig

Die finanzielle Situation bleibt schwierig. Nicht nur Kino-Equipment ist teuer. Auch die Gebühren für das Ausleihen der Filme sind hoch. Bereits ein älterer Film kostet mindestens 500 Euro. Je aktueller, desto teurer wird es. Insgesamt summieren sich die Kosten für die Rosenheimer Kino-Kultur-Woche jedes Jahr auf mehrere Tausend Euro. Ohne Spendeneinnahmen und großzügige Sponsoren wäre eine Durchführung nicht möglich, sagen die Veranstalter.

Sorgfältige Auswahl

beim Angebot

Bei der Filmauswahl achten Bastian Schröger und seine Kollegen auf eine möglichst große Bandbreite. Besonders freut sich Bastian Schröger in diesem Jahr auf das Science-Fiction-Spektakel „Matrix“, das am Freitag, 2. August, zu sehen ist.

Viele Besucher der Kino-Kultur-Woche sind treue Stammgäste. Nicht wenige kommen, wenn das Wetter gut mitspielt, zu jeder Vorführung. Am Salzstadel als Kinosaal hält Bastian Schröger weiter fest: „Das ist unser Wohnzimmer.“

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