Rosenheim – Entwarnung für das Mittertor in Rosenheim: Zumindest im Durchgangsbereich des Tores steht das Gebäude stabil. Weniger gut sieht es für die beiden angebauten Flügel aus. Die Stadt will nun weitere Untersuchungen in Auftrag geben. Ein Grundsatzbeschluss über das weitere Vorgehen soll im ersten Quartal des kommenden Jahres fallen.
Im Spätherbst und Winter 2018 hatten Fachleute, zeitweise begleitet von einem Archäologen, die Fundamente am Mittertor untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass es am Hauptgebäude keine Setzungen gibt. Der Durchgangsbereich des Tores steht sicher.
Weniger gut bestellt ist es um die Standfestigkeit der beiden Tore. Vor allem im Bereich zum Gietlhaus, mit seinem Treppenhaus, zeigen sich Setzungen. Insgesamt aber stehe das Mittertor sicher, teilte Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (CSU) während der jüngsten Stadtratssitzung mit.
Fundamente brauchen
mehr Stabilität
Doch auf Dauer kann der Zustand nicht so bleiben. In den kommenden zwei bis drei Jahren muss an den Fundamenten gearbeitet werden. Um weitere Schäden zu vermeiden, sind sogenannte Nachgründungen notwendig, die für mehr Stabilität in den Fundamenten sorgen sollen. Der Stadt stehen dabei zwei Verfahren zur Auswahl:
• Die Nachgründung mit einer Hochdruckinjektion: Unter allen tragenden Außen- und Innenwänden sowie unter den Stützen wird das Fundament bis auf die tragende Kiessschicht im Boden verlängert. Dafür wird mithilfe von Kernbohrungen und Düsenstrahlverfahren der anstehende Boden herausgespült. Dann wird eine Zementsuspension eingebracht. Diese Mischung aus feinstem Zement und Wasser sowie gegebenenfalls Zusatzmitteln wird verwendet, um Risse und Hohlräume aufzufüllen. Der Vorteil dieses Verfahrens ist, dass sich das Gebäude dauerhaft stabilisieren lässt. Nachteilig aber ist, dass an den Nachbargebäuden Schäden entstehen können. Zudem kann es notwendig werden, an einigen Stellen Leitungstrassen zu verlegen. Außerdem müsste die Baustelle großräumig angelegt werden und ein Archäologe die Arbeiten betreuen. Insgesamt ist für dieses Verfahren ein Zeitrahmen von fünf Wochen veranschlagt. Die Kosten betragen rund 2,82 Millionen Euro.
Deutlich preiswerter fallen die Arbeiten im zweiten möglichen Verfahren aus:
• Um den Baugrund zu verbessern, könnte Expansionsharz eingebracht werden. Dieser besondere Harz, der im Grundwasser- und Trinkwasserbereich eingesetzt werden darf, verdichtet den setzungsanfälligen Boden nach und macht ihn steifer. Vorteilhaft ist, dass die Baustelle klein gehalten werden kann. Zudem lässt sich der Expansionsharz jederzeit wiederverwenden, um neue Setzungen auszugleichen. Die wiederum, das ist der Nachteil, können bei diesem Verfahren auch in Zukunft auftreten. Der Preisunterschied zum ersten Verfahren ist jedoch mit nur etwa 1,63 Millionen Euro erheblich.
Noch ist offen, für welches Vorgehen sich die Stadt entscheidet. Der Beschluss soll in den ersten drei Monaten des kommenden Jahres fallen. Vorher muss geklärt werden, welche Brandschutzmaßnahmen notwendig sind. Außerdem sollen Fachleute die Stahlbetondecken auf ihre Statik hin überprüfen. Und schließlich müssen sich die Stadt und das Landesamt für Denkmalpflege über die Arbeiten am Fundament abstimmen.
Grundsatzbeschluss
im kommenden Jahr
Der Turm des Rosenheimer Mittertors wurde im Jahr 1240 erstmals urkundlich erwähnt. Die Fundamente der Flügelbauten sind viel später gelegt worden – was in der Summe jetzt dazu führt, dass die Auffüllungen zwischen den verschiedenen Fundamenten unter dem Mittertor in Bewegung geraten sind und sich absenken. In der Folge haben sich im Bauwerk des Mittertors unzählige schräg verlaufende und gut sichtbare Risse gebildet.
Auch wenn die Statik in den nächsten zwei bis drei Jahren gesichert ist, herrscht kein Zweifel darüber, dass das Rosenheimer Mittertor dringend saniert werden muss. Einen entsprechenden Beschluss haben die Rosenheimer Stadträte bereits gefällt.