Rosenheim – Zwei mächtige Sitzbänke, geschaffen von dem Münchner Bildhauer Herbert Peters, bieten sich in der Luitpoldstraße in Rosenheim, gegenüber dem Bahnhof, zum Ausruhen an. Seit 30 Jahren stehen sie hier, seit das Gebäude hinter ihnen als neu erbautes Postgebäude eröffnet wurde.
Die Post ist mittlerweile, nach dem Verkauf des gesamten Komplexes, umgezogen, doch die beiden Bänke, damals Teil der „Kunst am Bau“, haben sich erhalten. Was vordergründig die Funktion von Sitzbänken hat, erweist sich bei genauerer Betrachtung jedoch als zweiteilige Skulptur.
Minimalismus
der feinsten Art
Herbert Peters entwickelte aus einem großen, liegenden Zylinder zwei Variationen eines Themas. Sitzflächen und Lehnen sind durch zwei kräftige Schnitte aus dem Zylinder herausgearbeitet. Standflächen und je ein Standbein links beziehungsweise rechts geben Halt und Stabilität. Während bei der linken Bank die Sitzfläche in einer Rundung um die Lehne herumgeführt wird, ist es bei der rechten Bank die Lehne, die in einer gleichartigen Rundung nach unten geht. So wird einmal die Sitzfläche vergrößert und betont, und einmal die Lehne. Ein ansprechendes Spiel mit geometrischen Grundformen, das gerade aus der Reduzierung und Abstraktion seine Stärke bezieht. Minimalismus der feinsten Art.
Reduktion als
künstlerisches Prinzip
Als Akademieschüler von Toni Stadler (1888 bis 1982), der unter anderem bei Aristide Maillol in Paris gelernt hatte, stand Herbert Peters zu Beginn seiner Laufbahn noch ganz in der Tradition der Münchner figürlichen Darstellung. Doch bald ging der gelernte Steinmetz konsequent seinen Weg in die Abstraktion. Als Zwischenstufe kann der Gedenkstein für die 1938 zerstörte Alte Hauptsynagoge in der Herzog-Max-Straße/Ecke Maxburgstraße in München gesehen werden, den Peters im Jahr 1969 schuf. Schon hier eine deutliche Reduktion auf mächtige Steinkörper, aber noch überzogen mit Inschriften und jüdischen Symbolen, was demThema geschuldet ist.
Ab den 1980er-Jahren variierte Herbert Peters sein Lebensthema: Der lange, schlanke Steinpfeiler, liegend oder stehend, in sich gedreht, sich verjüngend oder auch schräg angelehnt. Der Bildhauer setzte sich hier mit der Idee des Menschen auseinander, seiner Position im Leben und im Raum, seinem gefährdeten Sein.
Den Neubau des Gebäudekomplexes von Post- und Telegrafenamt an der Bahnhofstraße in Rosenheim plante einst die Oberpostdirektion München, die den Auftrag an Peters frei vergab. Zusammen mit dem Bildhauer Josef Erber (1904 bis 2000), dem Schwiegersohn von Josef Flossmann (siehe Kasten), entwarf Peters auch die Steinarbeiten an den beiden repräsentativen Eingängen. Mit seinen beiden Sitzbänken hat Herbert Peters den Spagat zwischen Skulptur und angewandter Kunst, die auch praktische Verwendung haben soll, überzeugend geschafft.