Ein Plakat hilft durchs Nachtleben

von Redaktion

Aktion „Sicher bleim in Rosenheim“ will Jugendliche auf Gefahren aufmerksam machen

Rosenheim – Monika Schindler liegt die Jugend am Herzen. Sehr sogar. Sie arbeitet bei der Diakonie Rosenheim als Präventionskraft der Fachambulanz für Suchterkrankungen. Sie besucht Schulklassen, ist auf dem Herbstfest, dem Christkindlmarkt, auf Festivals und im Rosenheimer Nachtleben unterwegs. Jetzt hat sie das Präventionsprojekt „Sicher bleim in Rosenheim“ auf die Beine gestellt, in Kooperation mit dem Polizeipräsidium Oberbayern Süd, dem Bayerischen Roten Kreuz, dem Frauen- und Mädchennotruf und der Stadt Rosenheim.

Monika Schindler ist zufrieden. Stolz betrachtet sie das Plakat, das vor ihr auf dem Tisch liegt. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Christian Bauer (35) hat sie das neue Präventionsprojekt „Sicher bleim in Rosenheim“ auf die Beine gestellt. Bauer kümmerte sich um die Zeichnungen, Schindler schrieb die Texte dazu. Es sind kleine Zusammenfassungen über die wichtigsten Dinge, die beim Feiern beachtet werden sollten. Sie sind humorvoll geschrieben, treffen den Nerv der Jugend. Auf dem Plakat stehen Dinge wie: „Wenn überhaupt, solltest du nur konsumieren, wenn‘s dir gut geht“ oder „Wenn du einen Kater hast, trink Wasser, nimm Mineralstoffe zu dir und geh an die frische Luft.“

Hinweise in Bars,

Clubs und Betrieben

Die Diakonie Rosenheim hat 500 Plakate drucken lassen, mitfinanziert durch die Stadt Rosenheim und das Staatsministerium für Gesundheit und Pflege. Einige Plakate hängen schon – in Bars, Clubs und Kneipen. Und dort meistens auf den Toiletten. Doch die Aktion soll noch viel weiter greifen: Schindler will Betriebe anschreiben, dort Plakate persönlich vorbeibringen. Eine zeitliche Begrenzung für das Projekt gibt es nicht. „Solange es in Rosenheim die Koordinationsstelle für Suchtprävention und Gesundheitsförderung gibt, werden wir auch das Projekt tragen“, sagt Schindler.

Das Plakat ist nur ein kleiner Teil ihrer Arbeit. Die Diplom-Sozialpädagogin hat auch sonst viel um die Ohren. Vor allem samstags. Wenn es draußen dunkel wird und die Clubs und Bars in der Innenstadt öffnen, mischt sich die 48-Jährige unter die Jugendlichen. Bei sich trägt sie eine Tasche, gefüllt mit Kondomen, Obst, Traubenzucker und Brausepulver. Sie geht an diesen Abenden auf die Jugendlichen zu, spricht sie an und lädt sie ein, an einem Quiz teilzunehmen über das richtige Verhalten im Nachtleben. Dazu gehört etwa die Frage, was ein Mädchen tun kann, wenn sein Freund zu viel getrunken hat. Wird die Frage richtig beantwortet, darf jeder einmal in Schindlers Tasche greifen und sich etwas herausholen. Das Quiz komme bei den meisten gut an, oft gebe es Lob und Anerkennung für die Idee, sagt sie. Ihr gefällt das, auch weil sie nichts dagegen hat, dass die Jugendlichen feiern und Spaß haben. „Mir ist einfach wichtig, dass sie sich auskennen und auf sich und ihre Freunde aufpassen.“

Seit sieben Jahren ist Monika Schindler in der Rosenheimer Partyszene unterwegs. Sie kennt sich aus, ist als junges Mädchen selbst in Rosenheim feiern gegangen. Schon während ihrer Studienzeit arbeitete sie in Jugendtreffs, wechselte später in die flexible Jugendhilfe. Die Arbeit machte ihr von Anfang an Spaß. Sie mag es Menschen zu helfen, die Welt ein Stück besser zu machen.

Junge Menschen

brauchen Respekt

Aber sie weiß auch, dass nicht jeder für diesen Beruf geschaffen ist. „Ich glaube, man muss ein sehr stabiles, gesundes und schönes Umfeld haben, um in diesem Bereich arbeiten zu können“, sagt sie. Es sei wichtig, positiv zu denken, die jungen Leute Ernst zu nehmen. Den Respekt bekomme sie zurück, auch weil sie nie „einen erhobenen Zeigefinger“ habe. Sie will lediglich helfen, mit Infos und gut gemeinten Ratschlägen.

Während ihrer Zeit als Präventionskraft trifft sie auf ganz unterschiedliche Jugendliche. Da gibt es die, die Alkohol rigoros ablehnen, diejenigen, die nur ab und zu ein Schlückchen trinken und die, für die „ein nüchternes Feiern nicht in Frage kommt“.

Doch über die Jahre habe sich einiges verändert. Vor allem im Bewusstsein: „Viele wissen, wo ihre Grenzen sind. Sie halten sie ein, lassen sich nicht überreden Alkohol zu trinken und kümmern sich um ihre betrunkenen Freunde.“ Sie freut sich über diese Entwicklung. Auch ihr eigenes Umfeld hat eine Entwicklung genommen: Gab es am Anfang durchaus skeptische Momente, so haben sich Freunde und Familie mittlerweile mit ihrem Beruf arrangiert. Sie wissen, dass es eher unwahrscheinlich ist, Schindler beim Sonntagsfrühstück anzutreffen. Meistens schläft sie dann noch, weil sie die Nacht vorher unterwegs war, um junge Partygänger anzusprechen, sie zu informieren – damit sie „sicher bleim“ im Rosenheimer Nachtleben.

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