Kolbermoor – Vor rund einer Woche hat die Bürgerinitiative „Gegen den Bau eines Krematoriums“ Plakate in Kolbermoor aufgehängt: „Industrielles Krematorium. 7000 Verbrennungen im Jahr. Störung der Totenruhe“, „Störfall – Regelfall“ und „Krematorium – nein Danke. Quecksilber“ (wir berichteten).
„Sachliche
Stellungnahme“
Zu den Plakaten nimmt die EHG Dienstleistung GmbH, die die Feuerbestatung in Traunstein betreibt und ein Krematorium in Kolbermoor am Neuen Friedhof errichten möchte, jetzt schriftlich Stellung: „eine sachliche“, so Michael Köhnlein, Mitarbeiter der EHG, auf Anfrage unserer Zeitung.
„Industrielles Krematorium – 7000 Verbrennungen im Jahr“ steht auf einem der Plakate. „Grundsätzlich sind wir der Ansicht, dass die Verwendung des Begriffs ,industriell‘ im Zusammenhang mit der Beisetzung und Kremierung von Verstorbenen an Pietätlosigkeit kaum zu überbieten ist“, heißt es in der Stellungnahme, die der Redaktion vorliegt.
Was sagt die BI dazu? BI-Sprecher Klaus Zirngast: „Wenn eine Verbrennung in drei Schichten abläuft, handelt es sich meiner Meinung nach um eine industrielle Angelegenheit.“ BI-Sprecher Robert König: „Es ist ein rein gewerblicher Betrieb.“ Und: „Wir unterstellen nicht, dass es nicht pietätvoll vor sich geht.“
Des Weiteren erklärt sich die EHG zu „Störung der Totenruhe“. „Die Behauptung, eine Feuerbestattungsanlage würde die Totenruhe stören, ist nicht nur faktisch falsch, sondern auch rechtlich bedenklich“. Und weiter: „Mit ,Störung der Totenruhe’ wird rechtlich die Leichenschändung gleichgesetzt“, heißt es. Dieses Transparent wurde laut BI-Sprecher gestern abgehängt.
„Wir wollen das nicht im Sinne der Leichenschändung verstanden wissen“, sagt Zirngast. „Wir meinen, dass die Totenruhe auf dem Friedhof gestört wird, wenn ein Krematorium dort gebaut wird.“ Das sieht König ähnlich: „Der Friedhof ist jetzt eine würdevolle ansprechende Anlage. Ein Krematorium würde da stören.“
Außerdem äußert sich die EHG auch zu dem „Störfall – Regelfall“-Transparent, das laut BI vor einigen Tagen abgenommen wurde. „Den Begriff ,Störfall‘ im Zusammenhang mit dem Betrieb einer Feuerbestattungsanlage zu verwenden, zeugt einmal mehr vom Geschmack- und Pietätlosigkeit, aber auch von Unkenntnis und dem Willen der Verunglimpfung“, heißt es in der Stellungnahme.
König: „Rechtlich sollen jetzt einwandfreie Worte gewählt werden.“ Denn es sollen den abgehängten Transparenten neue folgen, sagt er gegenüber unserer Zeitung. Eines soll allerdings hängen bleiben: „Krematorium – Nein Danke! Quecksilber.“ Denn: „Wir haben Angst um unsere Gesundheit.“ Für eine Stellungnahme war gestern seitens der EHG niemand zu erreichen.
Mittlerweile haben sich rund 100 Kolbermoorer von der Feuerbestattung in Traunstein ein Bild gemacht, haben sich im Gebäude umgeschaut und sich informiert. Das erachtet EHG-Mitarbeiter Köhnlein, als wichtig, denn nur so könne sachlich diskutiert werden. Allerdings sollen laut Köhnlein die Initiatoren der BI nicht darunter gewesen sein. „Wir wundern uns, dass diejenigen, die die Plakate geschrieben haben, noch nicht unter den Besuchern waren.“
Tagsüber und
nachts vor Ort
Klaus Zirngast war zweimal vor Ort – tagsüber und nachts, sagt er auf Anfrage unserer Zeitung. Im Gebäude war er allerdings nicht. BI-Sprecher Robert König war auch in Traunstein. „Allerdings nicht im Gebäude“, sagt er zum Mangfall-Boten. Und das möchte er auch nicht: „Wenn wir der Einladung von dem Betreiber folgen, ist es fürsorglich aufgeräumt.“ Und es dann zu besuchen wäre „völliger Unfug“, erklärt Robert König. Ob es zu dem Bau einer Feuerbestattung kommt, entscheiden die Bürger am 20. Oktober via Bürgerentscheid (wir berichteten).