Rosenheim – Zauberer, Bauchtänzerinnen, Clowns: Eine Woche lang haben 80 Kinder beim Zirkus-Workshop des Rosenheimer Stadtjugendrings für ihre Galavorstellung geübt. Auf dem Jugendfreizeitgelände am Happingerausee führen sie am heutigen Samstag, um 11 Uhr, ihre Choreografien, Tricks und Clownereien einem Publikum vor.
Lina (7), Luzia (10) und Lisa (8) sind aufgeregt. Seit Tagen proben sie für ihren großen Auftritt, haben sich Bauchtanz-Choreografien überlegt und die passende Musik dazu ausgesucht. Luzia ist bereits zum zweiten Mal dabei, Lisa und Lina tauchen erstmals in die bunte Zirkuswelt ein. Spaß haben alle drei. Sie tragen ein Hüfttuch, bei jedem Schritt klirren die Münzen.
Pyramide
aus Menschen
Im großen Zirkuszelt schräg hinter ihnen proben die Akrobaten und Stelzenläufer. Geduldig zeigt Alexander Breitner, selbst von Beruf Akrobat, einer Gruppe von Kindern, wie man verschiedene Pyramiden aus Menschen baut und einen Salto schlägt. Die Kinder schauen zu, sind mit Eifer dabei.
Zufrieden betrachtet Zirkusdirektor Stefan Waldner (51) das Geschehen. Mit seinem roten Hemd, dem schwarzen Zylinder und den schwarzen Hosenträgern fällt er sofort ins Auge. Die Kinder begrüßen ihn, klatschen bei ihm ab, versuchen, seinen Hut zu klauen. Er lässt es über sich ergehen.
Zusammenarbeit
mit SJR seit 20 Jahren
Seit 20 Jahren arbeitet Waldner jetzt schon mit dem Rosenheimer Stadtjugendring zusammen. Er leitet, gemeinsam mit der Gruppe „Circus Company Perplex“, Zirkusprogramme in den Ostern- und Sommerferien. Die Gruppe besteht aus freischaffenden Artisten und Künstlern. Die Idee: Die Kinder sollen für eine Woche in die Welt von Artisten und Jongleuren eintauchen. Das Konzept geht auf, die Plätze im Ferienprogramm seien heiß begehrt, sagt Markus Bundil vom Stadtjugendring.
80 Kinder zwischen acht und zwölf Jahren, darunter sechs Kinder mit Behinderung, nehmen an der integrativen Zirkuswoche teil.
Die Kinder können selbst entscheiden, an welchem der sieben Workshops sie teilnehmen wollen. Es gibt Zauberer, Clowns, Seiltänzer, Bauchtänzer, Akrobaten, Stelzenläufer und Jongleure. Damit sie die richtige Entscheidung treffen, haben die Buben und Mädchen am ersten Tag die Möglichkeit, an Schnupperrunden teilzunehmen. Sie probieren sich in den verschiedenen Disziplinen aus, schauen, in welche Gruppe sie am besten passen. Einige Kinder haben Vorkenntnisse, andere haben noch nie in ihrem Leben ein Kunststück aufgeführt. „Es geht darum, Spaß zu haben ganz ohne Leistungsdruck. Wir betreiben hier keine Kinderdressur“, sagt Waldner.
Er selbst wusste schon immer, dass er im Zirkus arbeiten will, vorzugsweise als Clown. Nach seiner Ausbildung zum Koch lebte er für zwei Jahre in Südfrankreich und war Teil einer Clown-Familie. Sein über die Jahre angeeignetes Wissen will er jetzt weitergeben. Ihm liege vor allem der gute Kontakt zu den Kindern am Herzen., sagt er. Und genau deshalb schaut er immer wieder bei jedem der sieben Workshops persönlich vorbei. Er lobt die kleinen Bauchtänzerinnen, feuert die Akrobaten an und wird auch bei der heutigen Galavorstellung die Kinder tatkräftig unterstützen. Schon jetzt steht fest: Auch in Zukunft wird es die Zirkuswoche in Zusammenarbeit mit dem Rosenheimer Stadtjugendring geben. Mit dabei: Zirkusdirektor Stefan Waldner. „Ich liebe diese Arbeit“, sagt er. Ihm gefalle vor allem, wie die Kinder über die fünf Tage zusammenwachsen – wie in einer richtigen Zirkusfamilie eben.