Rosenheim – Der Happinger-ausee hat es nicht leicht. Schön gelegen und gerne genutzt von vielen Badegästen, gerät er ab und an in Verruf: Zu viel Müll gebe es, zu viele Party-Griller, und die Sauberkeit der WC-Anlagen lasse ebenfalls zu wünschen übrig. Ein Ortsbesuch.
Claudia Kokoschka (51) und ihr Mann Christian (63) sitzen an einem der Holztische ihrer Kioskanlage am See. Ein großer roter Sonnenschirm spendet Schatten. Es ist einiges los an diesem Nachmittag, aber nur so viel, dass Zeit bleibt für ein Gespräch. Wie die Stimmung ist? Beide verziehen ein wenig das Gesicht. Eigentlich gut: Es läuft für Claudia Kokoschka, die den Kiosk seit viereinhalb Jahren von der Stadt Rosenheim gepachtet hat. Vieles habe sich seitdem hier draußen rund um ihr „Koko-Beach“ verbessert. Vor allem gebe es keinen Vandalismus mehr, sagt Claudia Kokoschka. Sie mag ihren Job. Gemeinsam hat das Ehepaar die Anlage auf Vordermann gebracht. Ist stolz auf das Geschaffene. Trotzdem, so richtig rund läuft es nicht.
Unrat vermiest
die Sommerlaune
Die Mülltonnen übervoll, Restmüll auf der Wiese, laute Musik bis spät in die Nacht. Verschmutzte Sanitäranlagen: Das sind die Dinge, die Claudia Kokoschka und ihrem Mann, der ihr im Geschäft zur Seite steht, zu schaffen machen. Seit Langem schon. Die negativen Schlagzeilen über die Zustände am Badesee vermiesen den Kokoschkas die Sommerlaune an so manchem Tag.
Ende der Woche hat nun die Stadtratsfraktion der Grünen einen Antrag an Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (CSU) geschickt. Er bezieht sich auf beide Rosenheimer Badeseen, stellt aber den Happingerausee in den Mittelpunkt. Dort scheine die Lage „unerträglich“, schreiben die Antragsteller und beziehen sich auf Beschwerden von See-Besuchern. Dringend müsste es Veränderungen geben: müssten regelmäßig alle Toiletten geöffnet sein und gereinigt werden. Letzteres auch am Happinger See, wo zudem eine zusätzliche mobile Toilettenanlage notwendig sei. Für den Happinger-ausee fordern die Stadträte der Grünen zudem, den Sandkasten zu sanieren und ihn mit einem Sonnensegel zu beschatten. Die Stadt wird diesen Antrag prüfen und im zuständigen Ausschuss behandeln lassen, teilt Pressesprecher Christian Schwalm mit.
Der Antrag der Grünen-Stadtratsfraktion – für Claudia Kokoschka ist er zunächst ein Affront. „Das richtet sich doch ganz klar gegen unsere Arbeit“, sagt sie. Eine Ungerechtigkeit. Einerseits.
Am Wochenende ist
es besonders schlimm
Andererseits aber ist nicht alles falsch in diesem Schreiben: Vor allem an den Wochenenden nimmt der Müll mittlerweile erschreckende Ausmaße an. Auch die Toiletten entsprechen samstags und sonntags häufig nicht mehr dem Hygiene-Standard, den Claudia Kokoschka ihren Gästen bieten möchte. Dass an diesen Tagen die Mülltonnen überquellen, dass sich Essensreste, Tüten, Grillgeschirr und manchmal sogar ganze Grillvorrichtungen und Gartenstühle rund um die Mülltonnen stapeln, das sei nicht ihre Schuld oder die ihres Teams. Das sei der Rücksichtslosigkeit der bis zu 500 Partyleuten geschuldet, die an lauen Sommerabenden die angeschlossenen Grillplätze fluten. Ihr Programm für vergnügte Stunden: feiern, essen und trinken. Und dabei gerne die Toiletten am Kiosk benutzen. Auf eine Art, die offensichtlich jeder Beschreibung spottet: Kot neben der Schüssel. Benutzte Damenbinden am Boden. Vom gebrauchten Klopapier, das einfach in den Gang geworfen wird, ganz zu schweigen. Am Ende des Abends wird zudem gerne das schmutzige Geschirr in den Waschbecken der Toiletten geschrubbt. Essensreste und anderer Abfall fallen direkt vor Ort zu Boden und bleibt liegen. „Das ist eine ekelhafte Sauerrei“, sagt Claudia Kokoschka. Ihr Mann schüttelt nur den Kopf über so viel „Unverschämtheit“ der Menschen. Verbotsschilder? Gespräche? Bitten und gutes Zureden? Christian Kokoschka winkt ab: „Wir haben alles versucht, das nutzt überhaupt nichts.“
Hoffen auf
Hilfe der Stadt
Sieben Toiletten gibt es in der Kioskanlage am Happingerausee. Fünf für Frauen, zwei für Männer, dazu einige Pissoirs. Ihre Reinigung übernehmen die Kokoschkas, zusammen mit ihren Mitarbeitern. Ekelhaft sei das, sagen sie. Jedes Schönwetter-Wochenende ist in Sachen Toiletten ein Graus. Anders unter der Woche. Da reiche es vollkommen, drei WCs offen zu halten und auch die Hygiene sei dann überhaupt kein Problem, sagt Claudia Kokoschka.
Abhilfe? Schwierig. Eine Toilettenfrau vielleicht, zumindest am Wochenende. Mit der Stadt gebe es dazu einen Gedankenaustausch, sagt die Pächterin. Das sei halt eine Frage der Finanzierung. Grundsätzlich gelte: Bis zur betonierten Fläche rund um das „Koko-Beach“ sei sie als Pächterin zuständig. Der Bereich darüber hinaus sei Sache der Stadt, sagt Claudia Kokoschka. So sammeln den Müll an den Grillplätzen täglich Gärtner der Stadt ein. Allerdings funktioniert diese Trennung wohl nicht in jedem Fall. Denn was ist zu tun, wenn die Party-Griller die Toiletten des „Koko-Beach“ verwüsten? Die Kokoschkas wissen keine Lösung.
Im Gegenteil: Sie hätten gehört, dass die Stadt weitere Grillflächen anlegen wolle, sagen sie. „Dann ist das der Tod hier“, sagt Christian Kokoschka. Dann versinke das „Koko-Beach“ und alles drumherum im Müll und Dreck. Ein Sonnensegel für den Sandkasten, das sich die Kokoschkas schon lange erhoffen, um Kinder vor der Hitze zu schützen: Das ist dann das geringste Problem.