Stadt verkauft Oberbahnamt

von Redaktion

Altes Gebäude am Bahnhof soll mit Gastronomie und Büros belebt werden

Rosenheim – Das alte Oberbahnamt in Rosenheim hat die längste Zeit im Dornröschenschlaf verbracht. Nach bald 30 Jahren Leerstand wird das heruntergekommene Gebäude am Bahnhofsvorplatz verkauft. Die bald neuen Eigentümer sollen zwei Architekten aus Schechen sein.

Ein Schmuckstück ist es längst nicht mehr, das denkmalgeschützte Anwesen. Die Fenster sind zum Teil seit Jahren mit Platten vernagelt. Irgendwann einmal hatte ein Kunstprojekt zumindest dem Erdgeschoss ein wenig Lebendigkeit eingehaucht. Doch das scheint lange her. Ein Bauzaun und Stapel von Pflastersteinen verhindern den Zugang. Immer wieder einmal nutzt jemand die uneinsehbaren Ecken, um auszutreten. Der Glanz vergangener Zeit ist verschwunden. Das soll sich ändern.

Neuanfang nach

langem Leerstand

Nach jahrelangem Stillstand scheint jetzt der Weg frei zu sein, dem ehemaligen Königlich Bayerischen Oberbahnamt eine Zukunft zu geben. Die Stadt wird die Immobilie samt Grundstück verkaufen. Sie geht, so ist zu hören, an zwei Architekten aus Schechen. Sie werden für den Kauf und die Bauherrenschaft eine eigene Gesellschaft gründen.

Die Architekten hatten sich als Interessensgemeinschaft im Rahmen eines Bieterverfahrens bei der Stadt vorgestellt und sich anschließend, im Jahr 2015, in der Bewerberauswahl gegen eine Firma aus Rosenheim durchgesetzt. Die damaligen Pläne sahen vor, im Erdgeschoss auf zwei Ebenen Gastronomie anzubieten, dazu eine offene Küche und einen Barbereich. Auch im ersten Stock soll demnach Platz sein für ein gastronomisches Angebot. Außerdem für Personalräume und Büros. Auch das Dachgeschoss war damals vorgesehen für eine Nutzung mit Büros und Aufenthaltsräumen. Für den Außenbereich hatten die Interessenten einen Wirtsgarten mit rund 60 Sitzplätzen vorgeschlagen.

In welcher Form auch immer die Käufer ihre Pläne von damals letztlich umsetzen werden: Der Zustand des Oberbahnamtes hat sich in den vergangenen Jahren nicht verbessert. So gilt die innen liegende Treppe seit Jahren als einsturzgefährdet, in der Folge kann das Obergeschoss nicht mehr betreten werden. Feuchtigkeit setzt dem Mauerwerk zu. Es gibt Schäden an den Türen, den Fenstern und auch am Dach. Der Sanierungsaufwand ist erheblich, zumal der Bauherr denkmalschutzrechtliche Belange beachten muss. Ein Aufwand, der sicherlich Berücksichtigung gefunden hat in der Höhe des Kaufpreises. Angaben dazu, sowie insgesamt zum Sachstand, macht die Stadt nicht. Sie verweist auf nicht abgeschlossene Verkaufs- und Vertragsverhandlungen.

Die Rosenheimer Stadträte immerhin haben dem Verkauf zugestimmt. Auch wenn es zunächst einige Vorbehalte gegeben hatte. Einige Stadträte hatten sich dafür ausgesprochen, die Fläche samt Gebäude lieber in städtischer Hand zu halten. Doch am Ende war man sich einig: Es muss vorangehen mit dem alten Oberbahnamt. Es darf nicht vollends zum Schandfleck verkommen. Denn schon heute passt das Gemäuer nicht mehr ins städtebauliche Bild am Bahnhof. In Fortsetzung zum Busbahnhof wirkt es wie aus der Zeit gefallen – gerade, weil sein Zustand so desolat ist.

Dabei hat das ehemalige Königliche Oberbahnamt durchaus glanzvollere Zeiten erlebt. Wie Stadtheimatpfleger Karl Mair schreibt, wurde es im Jahr 1875 gebaut, nach einem Entwurf von Jakob Graff, dem Oberingenieur und Direktionsrat der Generaldirektion der Königlich Bayerischen Verkehrsanstalten. Bahnhöfe hatten damals in Bayern einen hohen Stellenwert, sie sollten der Repräsentation des jungen Königreichs dienen. Mussten also architektonisch und städtebaulich überzeugen. Diesem Anspruch sollte der erste Rosenheimer Bahnhof, 1858 eröffnet, ebenso genügen wie die 1876 fertig gestellte Bahnhofsanlage, zu der auch das Königliche Oberbahnamt zählte.

Bombenangriffe

überstanden

Doch nur in den Jahren von 1876 bis 1895 wurde das Gebäude als Oberbahnamt genutzt. Später diente es als Verwaltungsgebäude von Bahnbehörden sowie als Wohngebäude für Bahnmitarbeiter. Viele der Bauten aus den Anfangsjahren wurden später bei Bombenangriffen im Jahr 1945 zerstört. Andere wurden abgerissen. Lediglich das ehemalige Königliche Oberbahnamt ist erhalten geblieben.

Seit dem Jahr 1995 ist das Gebäude als Einzeldenkmal in die Denkmalliste eingetragen. Wie der Rosenheimer Stadtheimatpfleger feststellt, reiht es sich ein „in eine Gruppe mit bereits sanierten ehemaligen Rosenheimer Bahnbauten wie Lokschuppen, Rathaus und den ehemaligen Bahnwärterhäusern an der Rathaus- und an der Prinzregenten-straße“.

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