Starbulls betreiben Gastronomie selbst

von Redaktion

Rofa-Stadion: Verein gründet Gastro-Service – Martin Obermüller tritt als Pächter auf

Rosenheim – Die gute Nachricht: Die Gaststätte im Rosenheimer Rofa-Stadion sperrt wieder auf. Es gibt einen neuen Pächter und Gastronom, der ab Ende September die Geschicke leiten wird. Die weniger gute Nachricht für viele Eishockey-Fans: An den Spieltagen dürfen auch in Zukunft lediglich VIP-Gäste die Gaststätte nutzen.

Paukenschlag nach

langem Schweigen

Es ist ein Paukenschlag für alle, denen der Eishockey-Sport in Rosenheim am Herzen liegt: Nach monatelangem Stillschweigen und Verhandlungen hinter den Kulissen steht nun fest: Die Starbulls Rosenheim übernehmen die Gastronomie im Rofa-Stadion selbst. Sie haben dafür eine Betreibergesellschaft gegründet, den „Starbulls Gastro Service“. Leiten wird ihn der Koch und Gastronom Martin Obermüller, der auch als Pächter der gesamten Gastronomie auftritt. Ihn habe die „ganz neue Herausforderung“ gereizt, sagt er. Gerade, dass es nicht nur um eine einzelne Wirtschaft gehe, sondern „um viel mehr“, gefällt dem gebürtigen Großweiler, der seit zehn Jahren in der Rosenheimer Region lebt – und selbst Fan der Starbulls ist. „Ich freue mich sehr, Teil des Ganzen zu werden und meinen Part zum wirtschaftlichen Erfolg des Vereins beitragen zu dürfen“, zitieren ihn die Starbulls in einer Pressemeldung.

Karriere mit

vielen Stationen

Obermüller (36) hat bereits zahlreiche Stationen in seiner beruflichen Karriere erlebt: Er arbeitete unter anderem als Pächter der „Maxlrainer Schlosswirtschaft“ sowie des „Landgasthof zum Erdinger Weißbräu“ in Aising und als Küchenchef der Weinlände Rosenheim. Station machte er zudem in der Sterneküche des Hotel „Adlon Kempinski“ in Berlin, melden die Starbulls.

Gerade diese Mischung zwischen gehobener und bodenständiger Küche will Obermüller im Rosenheimer Stadion anbieten. Doch nicht nur dort: Geplant sei, auch Catering-Aufträge zu übernehmen, etwa für Firmenevents und Tagungen. Dank solcher Aufträge hoffen die Starbulls auf zusätzliche Einnahmen, die sie für die Finanzierung der Nachwuchsarbeit nutzen wollen, einem Bereich, der jedes Jahr hoch subventioniert werden muss vom Profi-Bereich. Aus diesem Blickwinkel heraus übernimmt die Gastronomie eine ganz wesentliche Aufgabe: Sie ist ein Wettbewerbsfaktor.

Und während die VIPs ab Ende September an den Spieltagen die Gaststätte nutzen und von dort ihrem Team zuschauen können, ist sie für alle Besucher und Gäste abends und an den Wochenenden geöffnet. Eine Öffnung über die Mittagszeit sei „ebenfalls das mittelfristige Ziel“, könne „derzeit aber aufgrund der engen Personaldecke noch nicht verwirklicht werden“.

Für die Starbulls Rosenheim beginnt damit eine neue Ära. Wie sie mitteilen, ist es das erste Mal seit 1972, dass die Gastronomie wieder in den Händen eines Vereins liegt. Damals hatte der Vorgängerverein, der EV Rosenheim, die Verköstigung geleitet. Die fehlende Gastronomie sei bisher „ein enormer Wettbewerbsnachteil“ gewesen, umso mehr sei man sich „absolut sicher, dass sich nun vielfältige Möglichkeiten für den Verein eröffnen“, teilen die Starbulls mit.

Hintergrund der jüngsten Entwicklung ist, dass die beiden Brauereien Auerbräu und Flötzinger Bräu ihre Eigentumsrechte an dem Gaststättenbereich des Stadions abgegeben haben an die Stadt Rosenheim. Beide bleiben aber die Bierlieferanten. Die Stadt wiederum vermietet die unrenovierten Gaststättenräume einschließlich der Pächterwohnung an den Verein, respektive an den „Starbulls Gastro Service“. Der Vertrag soll für einen Zeitraum von zehn bis 15 Jahren laufen, mit der Option für eine Verlängerung um weitere maximal fünf Jahre. Verbunden ist mit der Vermietung die Vorgabe, dass ein Restaurant betrieben wird. Im Stadtrat hatte man sich außerdem darauf verständigt, dass dieses Restaurant für jedermann geöffnet sein soll. An welchen Tagen und für wen, das ist Sache der Starbulls.

Brauereien geben

Eigentum ab

Auch die beiden Rosenheimer Brauereien haben die Abgabe der Eigentumsrechte an der Gastronomie mit einer Auflage verbunden: Der neue Mieter muss demnach nicht nur dafür sorgen, dass das Mietobjekt in Schuss bleibt – inklusive der Arbeiten am Dach. Viel gravierender, weil teuer: Wie zu hören ist, soll der neue Mieter auch die brandschutzrechtlichen Sanierungsarbeiten übernehmen müssen. Starbulls-Vorstandsmitglied Marcus Thaller sagt dazu, diese Frage sei nicht abschließend geklärt. Es stehe aber fest, dass es zumindest noch für diese Saison eine Freigabe für die Gaststätte gebe.

Ehemaliger Pächter Jürgen Nowak: „Es bricht ein Stück Leben weg“

Mit der Entscheidung für Martin Obermüller als Pächter und Gastronom haben die Starbulls sich endgültig von Jürgen Nowak, dem ehemaligen Pächter der Gastronomie im Eisstadion, verabschiedet. Zwar bedankt sich der Verein bei Nowak und seiner Familie „für die vergangenen Jahre und die gute Arbeit“. Auch die guten Wünsche für seinen „beruflichen und privaten Lebensweg“ fehlen nicht.

Doch für Jürgen Nowak und seine Frau Uschi sind das nichts als Floskeln. Seit Monaten schon fühlen sich die Nowaks von den Starbulls hingehalten. „Wir haben nachgefragt, sind immer wieder vertröstet worden oder haben unterschiedliche Aussagen bekommen“, sagt Jürgen Nowak. Mittlerweile führt das Paar das Café am Salinplatz in Rosenheim. Eine Lösung, die eigentlich als Übergang gedacht war, solange bis die vertraglichen Angelegenheiten zwischen Stadt, Brauereien und Verein geklärt sind. Und in der Tat hatten Vorstandsmitglieder der Starbulls immer wieder betont, dass man zufrieden sei mit der Arbeit von Jürgen Nowak und die Zusammenarbeit gerne fortsetzen wolle. Angedacht war, dass Nowak als Geschäftsführer der Betreibergesellschaft angestellt wird – eine Option, die für den Gastronomen aber offensichtlich nicht in Frage kam, wie er selbst sagt. Eine andere Lösung, um die Zusammenarbeit fortzusetzen, fand sich dann offensichtlich nicht. Nowak jedenfalls klingt tief enttäuscht. „Es bricht ein Stück Leben weg“, sagt er – und meint damit nicht nur den Job: Seit 40 Jahren sei er dem Rosenheimer Verein verbunden, sei selbst Fan und habe diese Leidenschaft auch an seine beiden Söhne weitergegeben, die selbst Eishockey spielen. Als Fan, Vater und Gastronom fühle er sich nun allein gelassen. „Wir müssen uns neu sortieren und haben gerade keine Ahnung, wohin es uns treibt.“bw

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