Schwarzmarkt zur Wiesnzeit

von Redaktion

Weil nicht genug Taxis unterwegs sind, bieten unseriöse Fahrer ihre Dienste an

Rosenheim – Herbstfestzeit ist Schwarzmarktzeit. Das zumindest scheint für den Transport von Fahrgästen zu gelten. Denn wenn während der Wiesn die Taxifahrer mit Lizenz knapp werden, nutzen offensichtlich unseriöse Anbieter die Notlage aus und bieten ihre Dienste an. Das geht nicht immer gut. Ein Fall aus dem vergangenen Jahr wurde jetzt sogar gerichtsmassig.

Vor dem Amtsgericht Rosenheim trafen sich ein 51-Jähriger aus Bruckmühl und ein 21-jähriger Rosenheimer. Der Ältere hatte, so sagte er aus, nach einem Herbstfest-Besuch vergebens am Busbahnhof nach einem Taxi gesucht und sei dann auf das Angebot des 21-Jährigen eingegangen, sich in dessen Auto heimfahren zu lassen. Eine Entscheidung, die er bald bereuen sollte. Denn statt für die versprochenen 20 Euro nach Bruckmühl gebracht zu werden, endete die Fahrt für ihn in Kolbermoor. Dazu habe ihm der junge Mann auch noch seinen Geldbeutel gestohlen, mit 2500 Euro Inhalt, sagte der 51-Jährige dem Richter. Angesichts des Diebstahls spielte letztlich die Transportfahrt keine Rolle für das Gerichtsurteil, zumal der 21-Jährige bestritt, den Bruckmühler bewusst als Fahrgast aufgesammelt zu haben.

Redliche Taxifahrer

sind stinksauer

Doch in der Sache steht der Fall für eine Situation, die in Rosenheim bekannt ist: Zur Wiesnzeit entwickelt sich für zwei Wochen ein regelrechter „Taxischwarzmarkt“, wie es der Rosenheimer Rechtsanwalt Harald Baron von Koskull nennt. Er vertritt einige der Taxiunternehmer in Rosenheim. Und die sind – natürlich – stinksauer auf die Trittbrettfahrer, die ihnen die Kunden abfangen und damit den Umsatz. Seine Mandanten könnten allesamt eine Taxi-Konzession vorlegen, sagt von Koskull. Sie alle seien berechtigt, ein Taxi zu lenken und Fahrgäste zu transportieren.

Ganz im Gegensatz zu denen, die nicht einmal das Taxi-Zeichen auf ihren Autos haben und dennoch durch die Straßen cruisen, auf der Suche nach all jenen, die kein Taxi finden und dringend nach Hause wollen – weil sie vielfach nicht nur sehr müde, sondern auch betrunken sind. Gerade die, die nicht mehr ganz nüchtern seien, suchten sich die Täter gezielt aus, sagt von Koskull.

Vorsicht ist allemal geboten, man sollte auf ein solches Angebot nicht eingehen, warnt er. Denn: Den falschen Taxlern fehle grundsätzlich einmal die Berechtigung zum Personentransport. Dann könne das Privatfahrzeug Mängel aufweisen, der Fahrgast aber genieße keinen Versicherungsschutz. Und solange kein Taxometer an Bord sei, bleibe der Fahrpreis lediglich eine mündliche Abmachung. Weil es in der Folge keine Quittung gebe, könne der Wiesnbesucher später nicht nachweisen, wann er bei wem im Auto mitgefahren sei. Dazu kommt: Keiner der Schwarzfahrer zahle auf seine Einnahmen Steuern und Sozialabgaben, begehe damit Sozialbetrug.

Als von Koskull über seine Mandanten von der miesen Abzocke erfuhr, wollte er es genau wissen und machte den Selbsttest: „Stocknüchtern aber in Herbstfestkleidung“ hatte er sich an die Innstraße gestellt. „Keine zwei Minuten“ habe es gedauert, bis ein vermeintlicher Taxler hielt und seinen Fahrdienst angeboten habe. Über den Fahrpreis werde man sich schon einig. Von Koskull stieg ein, ließ sich von einem Mandanten im Auto „verfolgen“ und klärte die Situation am Fahrziel auf. Der Rechtsanwalt hatte Glück, er bekam keinen Ärger. Den hat dafür längst der falsche Taxler, denn von Koskull hat ihn im Namen seines Mandanten angezeigt, ebenso wie den Halter des Fahrzeugs, mit dem der falsche Taxifahrer unterwegs war.

Keine Konzession

nur zur Festzeit

Ein Jahr ist das her. Seine Aktion hatte der Rechtsanwalt damals verbunden mit einem offenen Brief an die Stadt, die die Konzessionen für Taxis vergibt. 46 Genehmigungen gibt es derzeit. Kurzfristig zusätzliche Konzessionen zu vergeben, ist nicht möglich – „wegen der üblicherweise langen Verfahrensdauer“, wie die Stadt mitteilt. Eine Konzession nur für die Herbstfestzeit sei aus rechtlichen Gründen ohnehin nicht möglich. Unabhängig davon lägen der Stadt keine entsprechenden Anträge vor. Zudem sei es seit einigen Jahren üblich, dass Taxen aus dem Landkreis Rosenheim zur Herbstfestzeit ausnahmsweise im Stadtgebiet Taxistellplätze anfahren dürfen. Ob die Regelung in diesem Jahr gelten kann, werde derzeit geklärt. Eine solche Ausnahme müsse dann aber in jedem Fall auf die besuchsstarken Tage am Wochenende sowie auf bestimmte Zeiten und Taxistandplätze beschränkt werden, teilt die Stadt mit.

Rechtsanwalt von Koskull findet, es müsse mehr getan werden gegen die Schwarzfahrer: Weder die Stadt noch die Polizei und die Staatsanwaltschaft kümmerten sich genug. Keinen interessiere der Schwarzmarkt ernsthaft. Auch das Finanzamt, das sich aufgrund des Verdachts der Steuerhinterziehung einschalten sollte, noch das Hauptzollamt, das dem Sozialversicherungsbetrug nachgehen könnte, seien bislang aktiv geworden. Wie eine Sprecherin des Hauptzollamtes mitteilt, müssten dem Amt konkrete Auto-Kennzeichen oder konkrete Anzeigen vorliegen, um aktiv zu werden. Grundsätzlich aber gebe es immer wieder Schwerpunktkontrollen auf dem regulären Taximarkt.

Der Rechtsanwalt fürchtet, dass sich die Situation in diesem Jahr wiederholen wird. Als mögliche Lösung schlägt er vor, „kontrollbefugte Personen“ in einer Kernzeit, von 23 Uhr bis 2 Uhr morgens, inkognito einige Testfahrten machen zu lassen und sich dann zu erkennen zu geben. „Das wird sich unter den Abzockern schnell herumsprechen“, sagt er. Bei den falschen Taxlern handelt es sich nach seiner Erfahrung vorwiegend „um Menschen aus Osteuropa, die gut vernetzt sind“ und deren Autos zumeist Rosenheimer Kennzeichen tragen.

Dass es sich dabei um Banden handeln kann, weiß Florian Bachmann, der Vorsitzende vom Taxi-Verband München. Konkret ist ihm eine Firma aus Tschechien bekannt, die ihre Fahrer gezielt zu Großereignissen aussendet. „Die Fahrer bekommen nicht mal den Mindestlohn. Im Schnitt erhalten sie zwei bis drei Euro pro Stunde, der Rest geht an die Firma“, sagt er. Bachmann kennt nach eigener Aussage viele Rosenheimer Taxi-Unternehmer. Sie besuchten häufig Schulungen, die der Verband in München anbiete. Daher weiß er um deren Sorgen zur Herbstfestzeit. Bachmann glaubt nicht, dass sich das Problem in Gänze lösen lässt. „Man könnte es aber begrenzen“, sagt er. Und rät dem Taxi-Gewerbetreibenden selbst untereinander wachsam zu sein. Denn in Rosenheim wie auch in München gibt es laut Bachmann schwarze Schafe in den eigenen Reihen. Des Weiteren müssten die Kontrollen verschärft werden. Für die Wiesnzeit schlägt er vor, ein Kontrollteam einzurichten, das die schwarzen Schafe aus dem Verkehr zieht.

Worauf man achten sollte

Wer zur Wiesnzeit in Rosenheim einen Fahrdienst benötigt, der sollte auf folgende Punkte achten, rät der Vorsitzende des Taxi-Verbandes München, Florian Bachmann:

• Auf dem Dach des Autos sollte das bekannte Taxi-Zeichen zu sehen sein.

• Im Fahrzeug selbst muss ein Taxometer eingerichtet sein, der funktioniert und den Fahrpreis anzeigt.

• Beim Bezahlen sollte man sich immer eine Quittung geben lassen. Denn nur dann ist eine nachträgliche Kontrolle möglich.

• Wer möchte, kann telefonisch einen Mietwagen mit Fahrer am Betriebssitz der verschiedenen Mietwagenunternehmen bestellen. Diese Möglichkeit bestehe immer, sei jedoch allgemein eher nicht bekannt. Darauf weist die Rosenheimer Stadtverwaltung hin.bw

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