Rosenheim – Heute ist es der Sport, der die Nutzung des Rofa-Eisstadions in Rosenheim bestimmt. Dass das nicht so bleiben muss, hat die CSU-Stadtratsfraktion überlegt. Sie schlägt vor, das Stadion als Multifunktionsarena einzurichten, und hat sich mit einem entsprechenden Antrag an die Stadt gewandt. Sie soll prüfen, ob und zu welchen Bedingungen eine solche Nutzung möglich sein könnte. Das hat auch finanzielle Gründe.
Kabarett, Konzerte, Messen: Sie alle könnten im Stadion einen Veranstaltungsort finden, schreibt die CSU-Stadtratsfraktion in ihrem Antrag. Und verweist darauf, dass es in Rosenheim bisher keinen geschlossenen Veranstaltungsort gebe, der Platz biete für mehrere Tausend Besucher – im Stadion dagegen können insgesamt 4750 Menschen sitzen und stehen. Dass die Kombination aus Sport und Kulturellem durchaus funktionieren kann, davon ist CSU-Stadtrat und Oberbürgermeister-Kandidat Andreas März überzeugt. Als gelungenes Beispiel dafür nennt er unter anderem die Arena in Jena, wo die Profi-Basketballmannschaft „science city“ spielt und wo zugleich Großveranstaltungen stattfinden. März und auch sein Stadtratskollege Daniel Artmann erinnern in diesem Zusammenhang daran, dass es bereits in den 1990er-Jahren große Konzerte im Stadion gegeben hat: Damals waren unter anderem die „No Angels“ sowie die „Erste Allgemeine Verunsicherung“ (EAV) aufgetreten.
Keine Sorge
vor Konkurrenz
Dass eine solche erweiterte Nutzung zu einem Verdrängungsprozess oder zu Konkurrenz führen könnte, glauben die Antragsteller nicht. Es gehe nicht darum, den Vereins- und Schulsport auszubooten, sagt Andreas März. Von August bis Mai, das sei klar, sei die Halle in der Regel den Starbulls und anderen Sporttreibenden vorbehalten. Daran wolle niemand rütteln. Dennoch sei zu überlegen, ob zusätzlich Veranstaltungen für eine breite Öffentlichkeit möglich sind. Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (CSU) hatte Anfang 2018 vorgerechnet, dass lediglich neun Prozent der Nutzung auf die Starbulls entfalle, weitaus größer sei der Anteil des Breitensports.
Auch eine Konkurrenz zu Veranstaltungsorten wie dem Theatersaal im Künstlerhof oder dem Kultur- und Kongresszentrum (KuKo) hält die CSU-Stadtratsfraktion für unwahrscheinlich. Artmann, Aufsichtsrat in der Veranstaltungs- und Kongress GmbH (VKR), die zuständig ist für das KuKo und den Lokschuppen, verweist darauf, wie unterschiedlich die Räumlichkeiten gestaltet seien. Klassisches Theater, Musicals oder Kindertheater seien prädestiniert für das KuKo, das Platz biete für etwa 2000 Gäste. Das Eisstadion wiederum spreche eine ganz andere Richtung an und sei damit ein Zugewinn: „Bisher fehlt doch in Rosenheim eine Örtlichkeit, wo nationale und internationale Künstler auftreten können, für die ein Event erst ab rund 4000 Besuchern interessant wird.“ Die VKR, 100-prozentige Tochter der Stadt, teilt mit, sie äußere sich nicht „zu Anträgen von politischen Entscheidungsgremien“.
Horst Rankl, Vorsitzender beim Theater Rosenheim, kann sich das Eisstadion durchaus als Ort für Kulturelles vorstellen, allerdings nur für wirklich große Veranstaltungen. Insgesamt aber stelle sich die Frage, ob Rosenheim überhaupt zusätzliche kulturelle Veranstaltungen brauche. Wenn man sich jedoch für einen solchen Weg entscheide, dann sei wichtig, zunächst über Inhalte zu sprechen und in der Folge die notwendigen Umbauten zu planen. Was passiere, wenn man erst umbaue und dann überlege, wer die Nutzer sein könnten, zeige sich am Beispiel Salzstadel, sagte Rankl. „Die Kulturschaffenden sind damals nicht miteinbezogen worden. Und heute haben wir immer wieder das Problem, dass sie eingebremst sind aufgrund der technischen Möglichkeiten.
Studentenstadt
braucht Vielfalt
Für Daniel Artmann jedenfalls ist klar: „Rosenheim ist eine Studentenstadt und hat noch nicht das ultimative Angebot.“ Sollte das Eisstadion zur Multifunktionsarena umgebaut werden, steht für ihn im Fokus, dass es möglich sein muss, Bühnentechnik und Bodenaufbau schnell und flexibel auf- beziehungsweise abzubauen. In der heutigen Zeit sei das keine große Sache mehr, sind sich Artmann und März einig, die Unterstützung finden durch ihre beiden Stadtratskollegen Dr. Wolfgang Bergmüller und Florian Ludwig.
Über ihre Idee haben die Stadträte auch mit Vertretern der Starbulls gesprochen. „Wir sehen die Sache positiv, begrüßen und unterstützen das Ansinnen“, sagt Vorstand Marcus Thaller. Das Stadion sei die größte Veranstaltungsstätte zwischen München und Salzburg, Innsbruck und Landshut. Sie während der eisfreien Zeit zu nutzen, sei für die Starbulls „überhaupt kein Problem“. Selbst während der „Eiszeit“ gebe es keine Schwierigkeiten – insbesondere dann nicht, wenn tatsächlich eine zweite Eisfläche gebaut werde.
Der Vorstoß der CSU-Stadtratsfraktion kommt nicht von ungefähr. Eishockey und Stadion sind wichtige Themen im Rosenheimer Kommunalwahlkampf. Erst vor einigen Tagen hatten sich die Freien Wähler/UP Rosenheim in gleicher Sache zu Wort gemeldet. Sie fordern, ebenfalls in einem Antrag an die Stadt, einen städtebaulichen Ideenwettbewerb für den Bau einer zweiten Eisfläche.
Hintergrund des Vorstoßes ist zudem die notwendige Sanierung des Eisstadions, die innerhalb der nächsten drei Jahre vonstatten gehen muss, da ansonsten aufgrund von Sicherheitsmängeln die Schließung droht. Im Mittelpunkt dabei steht der Brandschutz. Wie berichtet, hatte sich der Stadtrat für diese Lösung entschieden – und damit gegen einen Neubau. Die Sanierungskosten waren Anfang vergangenen Jahres auf 7,9 Millionen Euro veranschlagt worden. Für die Stadt ein finanzieller Kraftakt. Dazu komme, dass das Stadion „erhebliches städtisches Anlagevermögen“ binde und „beachtliche Betriebs- und Unterhaltskosten“ verursache, schreiben die Antragsteller. Eine „möglichst hohe Auslastung gerade in der eisfreien Zeit“ sollte daher gewährleistet sein. Und: Die CSU fordert gleichermaßen „eine energetische Optimierung des Stadions und deren Wirtschaftlichkeit zu prüfen“.