Rosenheim – Auf dem ruhig gelegenen Gelände des Technischen Hilfswerks Rosenheim, unter hohen Baumwipfeln, von denen die Vögel zwitschern, steht ein einzelner, roter Doppelstock-Nahverkehrswaggon auf einer 60 Meter langen Gleisstrecke. Der 48 Tonnen schwere Waggon ist wichtigster Teil des Übungsgeländes an der Ellmaierstraße, das das THW an diesem Tag einweiht.
Den Waggon hat die Deutsche Bahn kostenlos zur Verfügung gestellt. Er ist an eine Oberleitung angeschlossen. Über ein Weidenzaungerät soll der Zug dann mit Strom versorgt werden. Dank der umstehenden Bäume wird das Übungsszenario für die Einsatzkräfte des THW noch einmal zusätzlich erschwert. Die Bedingungen sollen für alle Einsatzkräfte so realistisch – und damit so schwierig – wie möglich sein. Mit dem neuen Übungsgelände hofft das THW, gerüstet zu sein für mögliche Ernstfälle. Zu oft schon sei man zu Bahnunglücken gerufen worden, teilt Pressesprecher Stefan Huber mit.
THW investiert
450000 Euro
Mehr als ein Jahr haben die Einsatzkräfte an dem Areal getüftelt. Bisher hat das Technische Hilfswerk 45000 Euro investiert, vor allem über den eigenen Förderverein. So war die Freude bei Stefan Huber und seinen Kollegen entsprechend groß, dass die Testbahnstrecke nun endlich eingeweiht werden kann. Zu dieser Gelegenheit bekam das THW ein neues Auto von seinem Förderverein überreicht.
Unter den Ehrengästen bei der Eröffnung waren nicht nur Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (CSU) und Robert Kopp, Polizeipräsident von Südostoberbayern, sondern auch die beiden CSU-Landtagsabgeordneten Klaus Stöttner und Otto Lederer.
Auch Gerd Friedsam, Vizepräsident des THW, war aus Bonn angereist. Friedsam lobte die Leistung des THW-Verbands in Rosenheim und betonte die Bedeutung des THW bei Hilfs- und Rettungsmaßnahmen. Das Gelände des THW Rosenheim biete so viel Platz, dass die Testbahnstrecke erst der Anfang einer ganzen Reihe von weiteren Übungsmöglichkeiten sein könnte, sagte Friedsam.
Ganz so leicht allerdings dürfte es mit weiteren Baumaßnahmen nicht sein. Denn das Gelände befindet sich in einem Naturschutzgebiet, wie Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer betonte. Auf diese Tatsache sei womöglich nicht immer genügend geachtet worden. Auch aus diesem Grund sei die Diskussion um die Testbahnstrecke im Rosenheimer Stadtrat nicht immer leicht gewesen, sagte Bauer.
Besonders hob sie in diesem Zusammenhang aber das Engagement von Stefan Huber hervor. Huber habe, auch im Gespräch mit ihr, viel Überzeugungsarbeit geleistet, obwohl anfangs noch keineswegs klar gewesen sei, wie das Projekt verwirklicht werden sollte.
Pfarrer erinnert
an Zugunglück
Sehr still wurde es bei der Rede von Michael Markus, Pfarrer an der evangelischen Erlöserkirche in Rosenheim. Markus erinnerte an das Zugunglück von Bad Aibling im Jahr 2016, bei dem auch das THW zur Hilfe gekommen war. Bei den schrecklichen Bildern solch einer Tragödie dürfe man nicht die Helfer vergessen. Denn auch sie benötigten manchmal Hilfe. Markus ermutigte dazu, bei traumatischen Erlebnissen psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Zum Abschluss übergab Pfarrer Markus eine kleine Weißbuche an Harald Feckl, den Ortsbeauftragten des THW. Der Setzling stammt aus dem Kindergarten der evangelischen Kirchengemeinde. Ihn könne man als „weitere Baumaßnahme auf dem Gelände“ einsetzen, sagte der Pfarrer. Markus war es dann auch, der den Waggon weihte.
Die Testbahnstrecke soll in Zukunft auch den umliegenden Verbänden des THW als Übungsgelände dienen und kann auch von Hilfsorganisationen aus Stadt und Landkreis Rosenheim genutzt werden.