Kolbermoor – Gegner und Befürworter liefern sich in der öffentlichen Diskussion um den Krematoriumsstandort Kolbermoor seit geraumer Zeit einen heftigen Schlagabtausch: Während der Stadtrat sich für den Bau eines Krematoriums ausgesprochen hat, befürchten Teile der Bevölkerung Lärm- und Verkehrsbelastungen sowie Schadstoffemissionen (wir berichteten mehrfach).
Welche Gründe für die Entscheidung des Stadtrats ausschlaggebend waren, wurden bisher nicht öffentlich diskutiert. Deshalb fragte der Mangfall-Bote bei Rathauschef Peter Kloo nach.
Wirtschaftlichkeit
verbessern
Abgesehen davon, dass eine Feuerbestattungsanlage auch Gewerbesteuereinnahmen bringe, wäre vor allem auch die Aussegnungshalle besser als bisher ausgelastet. „So könnte die Wirtschaftlichkeit des Friedhofs verbessert werden. Und das kommt allen Bürgern der Stadt zugute“, erklärt Kloo.
Im Klartext heiße das: „Eine doppelte und dreifache Nutzung würde zu einer kostendeckenden Auslastung führen.“ Denn wie auch der Bayerische Gemeindetag erklärt, muss eine Kommune kostendeckend arbeiten – und das gilt auch für ihre Friedhöfe (siehe Kasten).
Könnten die
Gebühren steigen?
Könnte es also sein, dass die Friedhofsgebühren ohne Krematorium steigen? Eine solche Erhöhung müsste dann im Stadtrat beschlossen werden, so Kloo. Er betont jedoch: „Wir wollen das eigentlich nicht.“
Ein weiterer Punkt, der in seinen Augen für eine Feuerbestattungsanlage spricht: Die Einrichtung in Traunstein komme an ihre Grenzen, in München gebe es Wartelisten, andere Krematorien lägen noch weiter entfernt. Die Gegner jedoch monieren: Warum soll die Anlage ausgerechnet in Kolbermoor gebaut werden? Andere Kommunen im Mangfalltal hätten schließlich auch abgesagt. Allerdings schaffte es die Anfrage der Traunsteiner Dienstleistungs-GmbH nur in einem Fall in die kommunalen Gremien. Drei der angeschriebenen Kommunen winkten bereits im Vorfeld aufgrund fehlender oder ungeeigneter Flächen ab (wir berichteten). Bad Aibling zum Beispiel: „Da wir eine Kurstadt sind und auch keine entsprechenden Grundstücke für solch eine Einrichtung haben, war eine Feuerbestattungsanlage für uns ohnehin kein Thema“, so Bad Aiblings Bürgermeister Felix Schwaller. Ähnlich sah es in Bruckmühl aus, erklärte Rathauschef Richard Richter. Und auch in Bad Feilnbach wurde das Anschreiben der Betreiber laut Kämmerer Konrad Kriechbaumer nicht konkret weiter verfolgt. In Tuntenhausen ging nach Angaben von Bürgermeister Georg Weigl keine entsprechende Anfrage ein. Lediglich in der Gemeinde Feldkirchen-Westerham befasste sich der Gemeinderat mit dem Thema. In der Dezember-Sitzung wurde dem Standort am Neuen Friedhof allerdings eine Absage erteilt, weil er mitten in der Ortschaft liege. Auch ein Alternativstandort im Gewerbegebiet kam für das Gremium nicht in Frage.
Am 20. Oktober
entscheiden Bürger
Ob es nun ein Krematorium am Neuen Friedhof in Kolbermoor geben wird, entscheiden am 20. Oktober die rund 14750 wahlberechtigten Kolbermoorer. Sie können beim Bürgerentscheid mit Ja oder Nein auf die Frage: „Sind Sie dafür, dass die Stadt Kolbermoor die rechtlichen Voraussetzungen dafür schafft, dass auf Teilflächen der Fl.-Nrn. 2699/1 und 2700 im nordwestlichen Teil des Friedhofs Am Rothbachl eine Feuerbestattungsanlage errichtet werden kann?“ stimmen. Die Entscheidung wird mit einfacher Mehrheit getroffen. Es ist erforderlich, dass diese Mehrheit (ja oder nein) mindestens 20 Prozent – rund 2950 – aller Stimmberechtigten beträgt. Ein Beispiel: 5000 Kolbermoorer stimmen ab. 2800 mit ja, 2200 mit nein – dann ist das Quorum nicht erfüllt, da die Mehrheit mindestens 2950 Stimmen haben müsste.