Rosenheim – Nah an den Menschen sein, an ihren Bedürfnissen – das hat sich Christine Degenhart zur Maxime ihrer politischen Arbeit gemacht. Einst als Bezirksrätin, derzeit als Stadträtin. Und nun auch als Wahlkämpferin: Als Kandidatin der Freien Wähler/UP Rosenheim bewirbt sich Degenhart um das Oberbürgermeisteramt in Rosenheim.
Degenhart ist die Sechste im Reigen der Aspiranten, die Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (CSU) im Amt nachfolgen wollen. Die 55-Jährige lebt das politische Geschäft seit vielen Jahren: Seit 2007 Mitglied der Freien Wähler. Von 2008 bis 2018 im Bezirkstag. Seit 2014 Stadträtin in Rosenheim und dort auch Vorsitzende der Freien Wähler/UP.
Votum erfolgt
ohne Gegenstimme
Und jetzt – bislang – die einzige Frau unter den möglichen Bauer-Nachfolgern. Spielt das eine Rolle für sie? Nein, sagt Degenhart. „Frauen sind ganz in Ordnung. Frauen haben Power und das ist gut so.“ Im Gespräch springt ihr dabei Dr. Beate Burkl bei, selbst Stadträtin der Freien Wähler/UP Rosenheim und Dritte Bürgermeisterin. Zwei Frauen an der Spitze einer Stadt, dazu einige Frauen in hohen Rosenheimer Verwaltungsämtern: das spreche doch für sich. „Egal, ob Frau oder Mann, die Qualität der Arbeit entscheidet“, sagt Burkl. In dieser Hinsicht, davon sind die Mitglieder der Wählervereinigung offensichtlich überzeugt, hat Degenhart eine ganze Menge zu bieten: Bei der Nominierungsversammlung fiel die Entscheidung für sie ohne Gegenstimme.
Hohe Taktung
mit Zeit zur Ruhe
Degenhart stammt ursprünglich aus Gunzenhausen in Mittelfranken, hat Innenarchitektur in Rosenheim und Architektur in München studiert. Seit 1998 führt sie ein eigenes Architekturbüro. Von sich selbst sagt sie, sie sei eine, die gerne und oft in „hoher Taktung“ arbeite. Zugleich aber Momente der Ruhe und Muße brauche, um den Dingen nachzugehen, die ihr als Mensch wichtig sind und guttun: das Sein in der Natur, gerne sportlich mit Mountainbike und Tourenski. „Ich brauche die gute Abwechslung zwischen viel Arbeit und Entspannung in der Natur. Aber auch im Austausch mit Menschen“, fügt sie an. Sie mag das Miteinander.
Ihren Wahlkampf stellt sie unter das Motto „Gemeinsam denken, planen und handeln“. Genau in dieser Reihenfolge. Denn nur dann könne Neues für die Stadt in geordneter und für die Menschen sinnvoller Weise entstehen. Dass die Stadt Veränderung braucht, das ist für sie unstrittig. Auch wenn sie betont, dass sie die Stadt und ihre Angebote schätzt, dass Rosenheim eine Sportstadt ebenso ist wie eine Stadt der Kultur. Dass sie gerne hier lebt und an keinem anderen Ort leben möchte: Einen Aufbruch will sie wagen. Das „F“ und das „W“ im Namen der Wählervereinigung übersetzen in „Frischer Wind“. Für den will sie sorgen, insbesondere in Sachen Klimaschutz, Mobilität und Nachhaltigkeit. Wohnen natürlich, ist sie doch seit 2016 Präsidentin der Bayerischen Architektenkammer. Aus ihrer Arbeit als Bezirksrätin hat sie außerdem einen Blick auf soziale Aspekte mitgebracht: Demografischer Wandel und Inklusion sind ihre Themen. Barrierefreies Wohnen gehört dazu.
Guter Draht
nach ganz oben
Überhaupt, sagt Degenhart, greife doch im Leben und in der Gesellschaft das eine in das andere. Wichtig sei es, zu verstehen, dass Dinge sich ändern. „Vieles wird in Zukunft nicht mehr selbstverständlich sein“, sagt sie. Und nennt als Beispiel das Ehrenamt. Ohne dieses unentgeltliche Engagement „wäre Rosenheim nicht, was es ist“. Sie selbst ist ehrenamtlich engagiert, weiß daher, dass es immer schwieriger wird, Menschen zu finden, die bereit sind, sich einzubringen für die Gemeinschaft.
Selbstbewusst,
aber mit Respekt
Die Bewerberin präsentiert sich gut vernetzt. Spricht von einer „Verbindung“ zur bayerischen Staatsregierung, der immerhin drei Minister der Freien Wähler angehören. „Ich kann dort Dinge vortragen“, sagt sie. Rosenheim könne in der Folge eine Vorreiterrolle übernehmen, etwa „im vernünftigen Umgang mit Fläche“ oder auch im Umgang mit Wohnraum.
Den Erfolg aber wird sie aus sich selbst schöpfen müssen. Kommunalwahl ist Persönlichkeitswahl. Sie sagt, sie gehe „sehr selbstbewusst in den Wahlkampf“, habe aber Respekt vor dem Wählerwillen. Im Jahr 2002 hatten sich die Freien Wähler in Rosenheim schon einmal um den Chefsessel im Rathaus beworben. Damals hatte Gabriele Bauer von der CSU die Wahl gewonnen und wurde Oberbürgermeisterin.