Kolbermoor – Jürgen Halder ist in erster Linie verantwortlich für den Baumunterhalt der Stadt Kolbermoor. In sein Aufgabenfeld fallen auch Entscheidungen hinsichtlich der Grünanlagen und Parks der 20000-Einwohner-Stadt, die quasi auch eine Visitenkarte der Kommune darstellen. Halder ist ein Kolbermoorer Urgestein. Hobbys, Freunde, Familie – sein ganzes Leben spielt sich in der Mangfallstadt ab. Seine Leidenschaft für Naturschutz und Grünflächen merkt man ihm deutlich an. Und natürlich wird sich auch bei heißen Temperaturen sehr um die Pflanzen gekümmert: Zwei Mitarbeiter des Bauhofs sind jeden Tag acht Stunden mit einem Traktor, dessen Tank 1200 Liter fasst, in der Mangfallstadt unterwegs, um die Pflanzen zu wässern.
Herr Halder, wie kann man sich die Arbeit rund um die Bepflanzung in Kolbermoor vorstellen?
Die Grünflächen in Kolbermoor gehen über das ganze Stadtgebiet und teilen sich in verschiedene Objekte auf. Öffentliche Flächen und städtische Mietobjekte, aber auch Grünanlagen, Parkanlagen, Sportplätze, Bolzplätze, Kindergärten, Spielplätze und Straßenbegleitgrün gehören dazu. Auch die Gewässerunterhaltung ist Aufgabe der Kommune. Dazu gehören auch die beiden Friedhöfe.
Wer kümmert sich um diese Anlagen?
Betreut werden all diese Flächen vom städtischen Bauhof, zusammen mit einer Unterabteilung der Stadtgärtnerei. Insgesamt sind acht Gärtner beschäftigt. Simon Reiter ist der Gärtnermeister. Alle sind festangestellt und arbeiten in Vollzeit für die Stadt. Die Stadtgärtnerei ist ein reiner Pflegebetrieb. Das heißt, alles, was in der Grünflächenpflege getan werden muss, fällt in ihren Aufgabenbereich. Rasen mähen, Hecken schneiden, Unkraut jäten, Bäume schneiden – das gehört alles dazu.
Was fällt rund um die Bäume an Arbeit an?
Wichtig ist vor allem die Baumkontrolle. Wir haben zwischen 3000 und 4000 Bäume. Die gehören der Stadt und müssen regelmäßig kontrolliert werden – einmal im belaubten und einmal im unbelaubten Zustand, sprich einmal im Sommer und einmal im Winter. Wir sind unterhalts- und verkehrssicherungspflichtig für unsere Bäume, für unser Eigentum. Gegenüber der Bevölkerung und allen Verkehrsteilnehmern. Da darf natürlich nie etwas passieren. Es gibt schon ein paar Bäume die kritisch sind. Vor allem die großen werden nach jedem Sturm kontrolliert.
Auffallend ist auch die Blütenpracht in den öffentlichen Anlagen. Wie gehen Sie hier vor?
Die Stadtgärtnerei steckt jedes Jahr zwischen 6000 und 10000 Blumenzwiebeln. Zum Beispiel Tulpen oder Narzissen. Pro Saison, also einmal im Frühjahr und einmal im Sommer, findet eine Wechselbepflanzung statt. Im Frühjahr pflanzen wir Tag- und Nachtschatten oder Primeln. Im Sommer zum Beispiel Eisbegonien. Etwa 2000 Pflanzen, von ortsansässigen Zierpflanzenbetrieben, werden in öffentliche Beete ausgepflanzt. Hauptsächlich an der Rosenheimer Straße und an der Bahnhofstraße sind zudem Blumentröge.
Wieviele sind es?
Zurzeit haben wir 80 Stück. Das entwickelt sich sehr gut. Man merkt auch, dass die Bürger da sehr angetan sind. Auch hier wechseln wir die Bepflanzung zweimal im Jahr. Natürlich darf man auch die Sportplatzpflege nicht vergessen.
Wie viele Sportanlagen betreuen Sie insgesamt?
Wir haben Sportplätze und Bolzplätze. Hier muss wöchentlich gemäht werden und auch andere Pflegemaßnahmen ergriffen werden, wie Düngung und Tiefenlockerung. Moose, Unkräuter und Wildkräuter müssen entfernt werden, sodass man ein sauberes Rasenfeld und auch ein ansprechendes Rasenbild hat. Pro Platz wird fünfmal im Jahr gedüngt. Das führt zu einem gesunden Wuchs und zu einer schönen Ausfärbung.
Gibt es auch Neuerungen in Sachen Bepflanzung?
Wir tendieren immer mehr zum Anlegen von Blumenwiesen. Schlagwort: Rettet die Bienen. Außerdem sind das Flächen, die man dann nicht so regelmäßig mähen muss. Diese Blumenwiesen sind im ganzen Stadtgebiet verteilt. Gepflegt werden müssen die natürlich auch. Zum Beispiel muss man sich um Brennnesseln kümmern. Man kann nicht einfach sagen: Wir säen da ein paar Blümchen und fertig. Die samen sich selber aus, einmal im Jahr wird gemäht, das war‘s. Auch die Wiesenflächen brauchen intensive Pflege.
Was hat sich in Sachen Parkanlagen zuletzt getan?
Die neueste Parkanlage ist der Spinnereipark. Vor zwei Jahren wurde die Fläche mit dem Spielplatz und dem Weiher der Stadt übergeben. Das heißt, wir müssen der Unterhaltspflicht nachkommen und sind in der Verantwortung. Das ist eine riesige Fläche, die dazugekommen ist. Der Personalstab von acht Gärtnern ist gleich geblieben. Das ist schon ein Kraftakt.
Welche weiteren Aufgaben bewältigen die Gärtner?
Der Heckenschnitt ist natürlich auch unabdingbar. Die Hecke am alten Friedhof ist etwa 1,6 Kilometer lang. Auf das ganze Stadtgebiet verteilt haben wir Buchenhecken von über zwei Kilometern. Auch im Freibad haben wir einige Beete, die gepflegt und versorgt werden müssen.
Welche Arbeiten stehen derzeit an?
Mäharbeiten, Heckenschnitt und Wildkräuter jäten. Letztes Jahr war die Herausforderung, dass es zu wenig Regen gab. Da hieß es immer gießen, gießen, gießen. Blumen und frisch gepflanzte Bäume brauchen viel Wasser. Das ist eine Leistung, die keiner sieht. Und du selber siehst deine Tagesleistung ja auch nicht. Das war wirklich krass letztes Jahr. Und dieses Programm wird jedes Jahr aufs Neue bewältigt.
Was liegt Ihnen persönlich am Herzen?
Das Thema „Rettet die Bienen“. Das ist wirklich aus Eigeninitiative. Simon Reiter und ich sind uns einig, dass man so etwas einfach forcieren muss. Wir haben regelmäßigen Kontakt mit unserem Imkervorstand in Kolbermoor, Markus Heimbuchner. Der sieht das natürlich auch immer gerne, wenn wir viel mit Blumen machen. Wenn man am Wochenende mal durch andere Ortschaften fährt, holt man sich auch gerne Anregungen und Inspiration. Das neueste Blumenwiesen-Projekt ist die Werkskanalböschung. An der Kanalbrücke haben wir südseitig den Oberboden abgeschält und eine Blumenwiese eingesät. Das müssen wir jetzt beobachten. Wenn alles so wird, wie wir es uns erhoffen, werden wir sukzessiv die ganze Böschung und Grasflächen als Blumenwiesen aussähen.
Wie empfinden Sie die Resonanz der Bürger?
Ich bekomme laufend Rückmeldung. Erst gestern kam wieder eine Postkarte von einem Bürger. Da kriegen wir wirklich wöchentlich etwas. Wir haben viele fremdländische Blütenbäume, die hier wachsen können und das Klima hier vertragen. Zum Beispiel: Trompetenbaum, Blauglockenbaum, Taschentuchbaum, Tulpenbaum, Judasbaum, Kuchenbaum. Da haben wir letztes Jahr eine Stadtführung gemacht, an der 70 Besucher teilgenommen haben. Da sind wir dann wirklich drei Stunden lang durch die Stadt gezogen. Also das Interesse ist auf jeden Fall da.Interview Silvia Koch