Rosenheim – Ein Tag im Rosenheimer Freibad? Angesichts des Wetters heute sicher keine Option. Aber an einem der warmen Herbsttage demnächst vielleicht durchaus – doch dann ist das Freibad nicht mehr geöffnet. Es schließt am kommenden Sonntag. Eine Entscheidung des Betreibers, der Stadtwerke Rosenheim. Doch sie gefällt nicht allen.
Die Öffnungszeiten des Freibads sind viel diskutiert. Sperrt das Bad im Kalenderjahr zu spät auf? Schließt es zu früh? Fragen, die oft zusammenhängen mit persönlichen Vorlieben, mit dem Wetter während der Saison – und der Überlegung, dass sich das Klima ändert, die Temperaturen steigen und es mehr Tage geben wird mit schönem Wetter.
Mehr Service
für die Schwimmer
Aus dieser Sicht argumentiert die Rosenheimer CSU-Stadtratsfraktion. Sie beantragt, die Öffnungszeiten „bis Ende Oktober zu erweitern“. Das Bad am kommenden Wochenende zu schließen, stehe „in keinerlei Zusammenhang mit dem noch bis mindestens Ende Oktober vorherrschenden warmen Sommer-/Herbst-Wetter“, teilt sie mit.
Den Christsozialen geht es dabei offensichtlich um den Service-Charakter, den die Stadt leisten könnte: Im Antrag ist die Rede von Sport- und Hobbyschwimmern sowie von Rentnern, die so lange wie möglich draußen schwimmen können sollten. Für die das Hans-Klepper-Hallenbad „keine Alternative“ darstelle. Es sei „viel zu klein und überfüllt“, um Spaß am Schwimmen zu haben. Das Hallenbad öffnet am Montag, 9. September. Geschwommen werden kann montags von 9 bis 18 Uhr, dienstags bis sonntags sowie an Feiertagen jeweils von 9 bis 21 Uhr.
Die Frage, wie lange das Freibad offen hat, ist letztlich wohl auch eine Frage der Kosten. Von den Stadtwerken war dazu bis Redaktionsschluss keine Auskunft zu erhalten.
Dass eine Verlängerung der Freibad-Saison nicht unwirtschaftlich sein muss, zeigt das Beispiel der Stadt Tübingen.
Flexibles Modell
in Tübingen
Dort werden die Öffnungszeiten des Freibads insgesamt vom Wetter abhängig gemacht. Mal öffne die Einrichtung Mitte April, mal Anfang Mai, sagt ein Sprecher der zuständigen Stadtwerke Tübingen. Grundsätzlich sei das Freibad während der ersten Schulwoche im September geöffnet. Dann beobachte man die Prognosen von Woche zu Woche und entscheide kurzfristig. Die Einrichtung verfügt über ein 50-Meter-Becken, ein Nichtschwimmer-Becken, einen Sprungturm und einen Bereich für Kleinkinder. Üblich sei es, das 50-Meter-Becken offen zu halten, während die anderen Becken nicht mehr zugänglich sind. Das Umleiten der Wärme sei kein Problem, sagt der Sprecher. Bis Ende Oktober lasse sich das gut umsetzen. Sollten allerdings die Temperaturen schon früher deutlich sinken, werde das Bad geschlossen.
250 Stammgäste
kommen täglich
Die Rechnung in der 90000-Einwohner-Stadt, in der es zudem zwei Hallenbäder gibt: Wenn in der Herbstzeit pro Tag 400 bis 500 Besucher baden, ist es wirtschaftlich rentabel. Kommen lediglich zwischen 50 und 60 Schwimmer täglich, ist es sinnvoller, zuzusperren. Verlassen können sich die Tübinger dabei offensichtlich auf ihre treuen Badegäste. Rund 250 Freibad-Freunde schwimmen täglich. Sie ließen sich auch bei Temperaturen von acht bis neun Grad nicht abschrecken, sagt der Sprecher. Auch in Sachen Personal gibt es demnach in Tübingen keine Probleme: Die Mitarbeiter wechseln flexibel zwischen den drei Bädern hin und her – je nach Bedarf sind sie im Hallenbad oder im Freibad im Einsatz.